Der Radklassiker Lüttich–Bastogne–Lüttich, die älteste der fünf „Monuments“ im Radsport, bildet traditionell den Abschluss der Ardennenwoche und gilt als eines der härtesten Eintagesrennen überhaupt.
Die diesjährige Ausgabe am Sonntag (im TV live ab 13.30 Uhr auf RTBF1, VRT1 und Eurosport 2) verspricht besonders spannend zu werden, sind doch mit dem Slowenen Tadej Pogacar, dem Belgier Remco Evenepoel und dem französischen Shootingstar Paul Seixas alle drei Topfavoriten am Start.
Über rund 260 Kilometer und mehr als 4.000 Höhenmeter führt die Strecke durch die hügelige Landschaft der Ardennen, wobei sich die entscheidenden Momente meist erst im letzten Renndrittel abspielen. Insgesamt dominieren klar die modernen Kletterklassiker-Spezialisten.

27.04.2025, Belgien, Lüttich: Der Slowene Tadej Pogacar vom UAE Team Emirates jubelt nach seinem Sieg bei Lüttich-Bastogne-Lüttich 2025. Foto: Eric Lalmand/Belga/dpa
Spätestens an der berühmten Côte de la Redoute beginnt das Finale, das sich häufig bis zur letzten großen Schwierigkeit, der Roche-aux-Faucons, zuspitzt. Hier trennt sich endgültig die Spreu vom Weizen – und nicht selten fällt die Vorentscheidung durch eine explosive Attacke eines Topfavoriten.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Ausgabe steht ein hochkarätiger Dreikampf zwischen Tadej Pogacar, Remco Evenepoel und dem jungen Paul Seixas. Pogacar reist als Titelverteidiger und wohl komplettester Fahrer des Pelotons an. Seine Fähigkeit, an langen Anstiegen mit einer einzigen Attacke das Rennen zu entscheiden und dann über viele Kilometer allein voraus zu fahren, macht ihn zum klaren Maßstab. Allerdings könnte die intensive Frühjahrssaison ein kleiner Unsicherheitsfaktor sein, denn auch bei ihm sind die Kräfte nicht unbegrenzt.
Evenepoel dagegen wirkt aktuell extrem formstark. Der zweifache Sieger des Rennens (beide Male jedoch in Abwesenheit von Pogacar) bringt nicht nur Selbstvertrauen, sondern auch Rennhärte mit, nachdem er bereits in den Wochen zuvor auf höchstem Niveau überzeugt hat. Seine Stärke liegt darin, früh und kompromisslos anzugreifen, oft bevor andere damit rechnen. Gelingt es ihm, das Rennen schon vor der Redoute zu öffnen oder Pogacar unter Druck zu setzen, könnte er das Geschehen entscheidend prägen.

28.04.2019, Belgien, Lüttich: Einige Anstiege bei Lüttich-Bastogne-Lüttich sind echt spektakulär. Foto: Eric Lalmand/BELGA/dpa
Besonders spannend ist jedoch die Rolle von Paul Seixas. Mit gerade einmal 19 Jahren hat er sich bereits in die Weltspitze gefahren und zuletzt mit einem großen Sieg bei der Flèche Wallonne aufhorchen lassen. Anders als viele Talente vor ihm wirkt er nicht nur physisch konkurrenzfähig, sondern auch taktisch erstaunlich abgeklärt. Sollte das Rennen nicht in einem langen Solo enden, sondern in einer kleinen Gruppe entschieden werden, könnte genau das seine Chance sein.
Der typische Rennverlauf dürfte zunächst von einer ungefährlichen Ausreißergruppe geprägt sein, ehe das Tempo auf dem Rückweg von Bastogne nach Lüttich deutlich anzieht. Die Serie kurzer, steiler Anstiege sorgt dann für eine kontinuierliche Selektion, bis im Finale nur noch die stärksten Fahrer übrig bleiben.
In den letzten Jahren hat sich dabei immer wieder gezeigt, dass ein entschlossener Angriff an den Schlüsselstellen oft zum Sieg führt – besonders dann, wenn ein Fahrer wie Pogacar oder Evenepoel das Rennen in die Hand nimmt.
Alles deutet somit auf ein intensives und taktisch anspruchsvolles Rennen hin, in dem Kleinigkeiten entscheiden können. Pogacar geht als Favorit ins Rennen, Evenepoel als gefährlichster Herausforderer, und Seixas als möglicher Überraschungssieger. Ob es am Ende zu einem direkten Schlagabtausch der beiden Superstars kommt oder ein junger Außenseiter den Moment nutzt, macht den besonderen Reiz dieser Ausgabe von Lüttich–Bastogne–Lüttich aus.
Lüttich-Bastogne-Lüttich ist eines von insgesamt fünf „Monuments“ im Profi-Radsport zusammen mit Mailand-Sanremo, der Flandern-Rundfahrt, Paris-Roubaix und der Lombardei-Rundfahrt. Nur drei Fahrern ist es gelungen, alle fünf „Monuments“ zu gewinnen – alle drei waren Belgier: Rik Van Looy, Roger De Vlaeminck und Eddy Merckx. Pogacar wollen in dieser Saison ebenfalls alle „Monuments“ gewinnen, musste sich aber bei Paris-Roubaix dem Belgier Wout van Aert geschlagen geben, der am Sonntag im Lüttich nicht am Start ist. (cre)
Sieger der letzten zehn Editionen von L-B-L
2025 – Tadej Pogacar (Slowenien)
2024 – Tadej Pogacar (Slowenien)
2023 – Remco Evenepoel (Belgien)
2022 – Remco Evenepoel (Belgien)
2021 – Tadej Pogacar (Slowenien)
2020 – Primož Roglic (Slowenien)
2019 – Jakob Fuglsang (Dänemark)
2018 – Bob Jungels (Luxemburg)
2017 – Alejandro Valverde (Spanien)
2016 – Wout Poels (Niederlande)