Politik

Rufnummer 1771 soll auf Deutsch erreichbar sein – Paasch schickt Schreiben an Innenminister Quintin

Illustration: KI-generiert / ChatGPT (OpenAI)

Ministerpräsident Oliver Paasch hat sich in einem Schreiben an den belgischen Innenminister Bernard Quintin gewandt und ihn gebeten, die deutschsprachige Erreichbarkeit der nationalen Informationsnummer 1771 in Krisensituationen sicherzustellen.

Gerade im Krisenfall müssten alle Bürger Zugang zu behördlichen Informationen in ihrer Landessprache haben, so Paasch.

Das Nationale Krisenzentrum kann die Nummer 1771 in Krisen- und Notfallsituationen aktivieren. Über diese nationale Informationsnummer können Bürger allgemeine Informationen erhalten und sich auch mit Fragen zu möglichen Betroffenen und Opfern an das Contact-Center wenden. Die Infrastruktur steht zudem Gemeinden und Provinzen im Rahmen der Notfallplanung und des Krisenmanagements zur Verfügung.

„Gerade in einer Krisensituation darf Sprache keine zusätzliche Hürde sein. Wer auf behördliche Informationen angewiesen ist, muss diese Informationen in einer der Landessprachen erhalten können. Das gilt selbstverständlich auch für die deutschsprachige Bevölkerung unseres Landes“, erklärt Ministerpräsident Paasch. Für die DG sei dies eine Frage der Gleichbehandlung und der Qualität staatlicher Kommunikation in Krisensituationen.

DG-Ministerpäsident Oliver Paasch. Foto: Patrick von Staufenberg

Die koordinierten Gesetze vom 18. Juli 1966 über den Sprachengebrauch in Verwaltungsangelegenheiten sehen vor, dass Bekanntmachungen und Mitteilungen zentraler Dienststellen, die sich unmittelbar an die Öffentlichkeit richten, der deutschsprachigen Bevölkerung in deutscher Sprache zur Verfügung gestellt werden.

Gerade die Erfahrungen mit Krisenlagen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, wie wichtig eine funktionierende und zielgruppengerechte Kommunikation sei. „Das gilt bei Überschwemmungen genauso wie bei einem größeren Wald- oder Vennbrand. In einer solchen Situation muss für die Menschen von Anfang an klar sein, dass sie sich auch auf Deutsch informieren können“, betont der Ministerpräsident.

Paasch verweist zugleich darauf, dass ein offizieller Leitfaden des Nationalen Krisenzentrums bereits ausdrücklich die Möglichkeit vorsieht, bei der nationalen Informationsnummer 1771 deutschsprachige Operatoren einzusetzen.

„Wenn diese Möglichkeit grundsätzlich besteht, sollte es selbstverständlich sein, dass sie für die deutschsprachige Bevölkerung auch tatsächlich und verlässlich zur Verfügung steht. Ich möchte deshalb vor allem Klarheit darüber, wie dies bei einer Aktivierung von 1771 gewährleistet wird und ob gegebenenfalls Anpassungen notwendig sind“, erklärt Paasch.

Der Ministerpräsident unterstreicht, dass es dabei nicht um eine Sonderregelung für Ostbelgien gehe. „Deutsch ist eine der drei Landessprachen Belgiens. Die deutschsprachigen Belgier haben Anspruch darauf, dass staatliche Informationen sie auch in ihrer Sprache erreichen – und zwar nicht erst, wenn eine Krise vorbei ist, sondern gerade dann, wenn es darauf ankommt.“

25 Antworten auf “Rufnummer 1771 soll auf Deutsch erreichbar sein – Paasch schickt Schreiben an Innenminister Quintin”

  1. Hugo Egon Bernhard von Sinnen

    Nicht Schlecht, Danke.
    Bleib zu hoffen, dass wir die Telefonnummer 1771 niemals benötigen werden.
    Auch wenn es in der jetzigen und zukünftigen Zeit, nicht deine aussieht.

  2. Nicht jeder Ostbelgier ist „bilingue“, aber warum nicht in English please.
    Alles in mehreren Sprachen zu organisiren kostet viel Geld, dass nicht vorhanden ist.
    Also muss ausgewählt werden was möglich und nötig und was halt nicht mehr geht.
    So wie jeder mit seinem Budget auskommen sollte und muss !

    Herr Paasch, der mindestens zweisprachig ist , sollte jeden Ostbelgier bitten mindestens eine Fremdsprache zu beherschen.

    • Wurger, „jeden Ostbelgier bitten zweisprachig zu sein“. Früher gab es nicht einmal Französischunterricht. Achtigjährig nochmal Französisch lernen, wenn die anderen schon Allzheimer kriegen.

      Englisch ist auch eine Fremdsprache, die noch schlechter gelehrt wird als Französisch.

    • Vor einiger Zeit ist in der Französischen Gemeinschaft geplant worden, Niederländisch als obligate Zweitsprache in den Schulen dieser Gemeinschaft einzuführen, wodurch Deutsch und voe allem Englisch eine Stufe zurückgestellt wird. Was idt draus geworden? Hat Her Franzen protestiert? Meiner Meinung sollte in den Nachbargemeinden, Welkenraedt, Baelen, Malmedy, Weismes und Vielsalm Deutsch als Zweitsprache gelehrt werden. Das bringt nicht nur Chancen in den deutschsprachigen Gemeinden Belgiens sondern auch in Deutschland.

    • Peter S.

      Ich erledige meine Sachen zwar meistens in der Sprache des Gegenübers, einfach weil das schneller geht. Also auf Deutsch, Französich oder Englisch, mein Niederländisch ist zwar brauchbar, aber auch nicht so toll. Aber natürlich müssen alle öffentlichen Dienste in allen Landessprachen verfügbar sein. Man kann natürlich mit dämlichen Kostenargumenten kommen, aber entweder will man einen gemeinsamen Staat und finanziert ihn oder man findet sich damit ab, das es Leute gibt, die dem Staat die Loyalität aufkündigen, weil der Staat selber illoyal ist.

    • Peter Müller

      Warum ist kein Geld da ?. Weil zuviel in Projekte fliessen, die wir nicht Nötig haben oder auch einfach nicht brauchen. Aber unsere Geldverschwender sind gegen Sparen, sie kommen ja nicht für die Schulden auf, sondern bereichern sich noch an unseren Steuern, mit ihren hohen Pensionen. Geld ist genug da.

  3. Besorgte Mutter

    Anscheinend gibt es nicht nur mit der 1771 Probleme, denn dem Hörensagen nach hat es vor einiger Zeit bei einem Wohnhausbrand sogar ernste Probleme bei der 112 mit der deutschen Sprache gegeben.
    Als PDB Nachfolgepartei kann man wohl von Paasch und Co erwarten, dass sie die Sprachproblematik mit äußerster Priorität endlich hart anpacken.

    • Ducrennier

      „…sparen sparen sparen!“
      Tun die das nicht? Die sparen sich Deutsch in den DG-Notrufzentralen. Ist doch schon was.
      Vielleicht spendiert denen mal jemand irgendwann eine AI-Sprachsyntheseeinheit, die die Anrufersprache automatisch in die von den jeweiligen Schichtdienstlern favorisierte Sprache überträgt.

  4. Krisenmanagement

    Die DG Regierung versagt auf ganzer Linie. Der MP versäumt nachdrücklich die 3Sprachigkeit der öffentlichen Dienste angemahnt werden und eventuell juristisch verfolgt werden. Warum kommt es immer wieder zur Vernachlässigung der Deutschen Sprache in Belgien? Die 112 ist wirklich kein Ruhmesblatt. Das kann auch gefährlich werden. Warum bildet DG nicht 3sprachige Callcentermitarbeiter an ihren Schulen aus. Als Krönung könnte eventuell ein Bachelor für die Arbeit in Notfallzentralen angeboten werden. Diese Arbeitskräfte könnten in ganz Belgien Arbeit finden?
    Paasch schafft es eben nicht uns wirklich zu vertreten. Sorry da muss man auch mal Tacheles reden. Neubauten zu planen sind ihm lieber. Immer die gleichen Unternehmer erhalten die Aufträge. Ein Schelm, der dabei Böses denkt.
    Nur die wirklich wichtigen Sachen scheinen erst dann wieder aktuell, wenn wieder mal eine Naturkatastrophe ist. Diese Schreiben an die wallonischen Minister werden schnell vergessen. Die DG muss Lösungen vorstellen, um vermehrt mehrsprachiges Personal auszubilden. Nur wer wirklich Lösungen für die jahrelang bekannten Probleme bietet, kann eine Gleichberechtigung in Belgien erwarten.

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