Politik

Nordsee soll das „grüne Kraftwerk Europas“ werden – Auch Belgien setzt auf die Offshore-Windenergie

18.05.2022, Dänemark, Ejsberg: Alexander De Croo (l-r), Premierminister von Belgien, Olaf Scholz, deutscher Bundeskanzler, Mette Frederiksen, Ministerpräsidentin von Dänemark, Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, und Mark Rutte, Ministerpräsident der Niederlande, stehen beim Nordsee-Gipfel der Länder Dänemark, Deutschland, Niederlande und Belgien im Hafen von Ejsberg für ein Foto nebeneinander. Foto: Pool Philip Reynaers/BELGA/dpa

Die Nordsee soll zum grünen Kraftwerk Europas werden – so haben es Belgien, Deutschland, Dänemark und die Niederlande besiegelt. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat das Anliegen umso dringender gemacht.

Belgien will gemeinsam mit Deutschland, Dänemark und den Niederlanden den Ausbau von Offshore-Windenergie deutlich ankurbeln und enger zusammenarbeiten.

Die vier Nordsee-Staaten wollen bis zum Jahr 2030 ihre Offshore-Leistung vervierfacht und gemeinsam mindestens 65 Gigawatt geschaffen haben, wie die Regierungschefs in der Stadt Esbjerg an der dänischen Küste vereinbarten. Bis 2050 soll die Leistung auf 150 Gigawatt und damit im Vergleich zu heute verzehnfacht werden.

18.05.2022, Dänemark, Ejsberg: Alexander De Croo (l-r), Premierminister von Belgien, Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), und Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, im Hafen von Ejsberg. Foto: Pool Philip Reynaers/BELGA/dpa

Die Nordsee sei der Ort, an dem mit den Windparks vor der Küste schon heute in großem Umfang und in einer wirtschaftlichen Art und Weise Strom produziert werden könne, sagte der deutsche Kanzler Olaf Scholz in Esbjerg. „Das ist also keine Geschichte aus der Zukunft, das ist ein Bericht aus der Gegenwart.“ Man müsse nun endlich loslegen und Milliarden in den Ausbau der Windparks auf dem Festlandsockel der Nordsee investieren. „Jetzt ist der Zeitpunkt für den Aufbruch, und jetzt brechen wir auf.“

Vor der Kulisse sich drehender Windräder und riesiger Turbinenteile unterzeichnete Premierminister Alexander De Croo gemeinsam mit Scholz, der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte die entsprechende Erklärung. Diese sieht auch eine Kooperation bei der künftigen Erzeugung grünen Wasserstoffs aus Offshore-Windenergie vor, bei dessen Erzeugung kein Treibhausgas CO2 anfällt.

Scholz war mit Vizekanzler Robert Habeck nach Dänemark gereist. Habeck betonte, es sei das erste Mal, dass echte gemeinsame europäische Kraftwerke gebaut würden. Dies sei auch ein Zeichen des Friedens und der stärkeren Unabhängigkeit von Kriegstreibern wie Russland. Im Hinblick auf den Krieg käme der Gipfel zu spät, sagte der Wirtschaftsminister. Doch es sei immer gut, anzufangen.

18.05.2022, Dänemark, Ejsberg: Alexander De Croo, Premierminister von Belgien, und Mette Frederiksen, Ministerpräsidentin von Dänemark, sprechen während des Nordsee-Gipfels. Foto: Pool Philip Reynaers/BELGA/dpa

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hatte ihre Amtskollegen an den Hafen von Ebsbjerg eingeladen, der früher ein Dreh- und Angelpunkt der Öl- und Gasindustrie war und an dem Hersteller wie Vestas heute Turbinen und Rotorenblätter fertigen und in alle Welt verschiffen.

„Der grüne Wandel findet statt. Aber er findet bisher nicht schnell genug statt“, sagte die Sozialdemokratin. Die Nordsee solle zum „grünen Kraftwerk Europas“ werden. Mit den gesetzten Zielen könne man dort mehr als die Hälfte der Offshore-Energie produzieren, die die EU brauche, um klimaneutral zu werden, sagte Frederiksen.

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, die ebenfalls nach Dänemark gereist war, begrüßte die Zusammenarbeit der EU-Staaten und stellte der Windindustrie deutlich schnellere Genehmigungsverfahren für in Aussicht. „Je stärker wir in Europa voneinander abhängig sind, desto weniger abhängig sind wir von Russland“, sagte von der Leyen in Ebsbjerg.

Die EU hatte am gleichen Tag 300 Milliarden Euro angekündigt, die den Staatenbund schneller unabhängig von russischer Energie machen sollen. Außerdem schlug die Kommission vor, das Ziel für den Anteil erneuerbarer Energien in der EU bis 2030 von 40 Prozent auf 45 Prozent zu erhöhen. (dpa/cre)

36 Antworten auf “Nordsee soll das „grüne Kraftwerk Europas“ werden – Auch Belgien setzt auf die Offshore-Windenergie”

  1. Der Irrsinn geht in die nächste Eskalationsstufe. Auch der „Nordseewind“ ist ein launischer Geselle und unterliegt denselben Naturgesetzen wie der Wind überall. Die V³ Regel gilt auch auf der Nordsee. Aber die kennen unsere Politiker eh nicht. Wie verlässlich der Windstrom von der Nordsee ist, kann man hier sehen:
    https://www.agora-energiewende.de/service/agorameter/chart/power_generation/12.05.2022/19.05.2022/today/
    Der Ertrag bewegt sich nahe der Null-Linie! Da wo sich auch die MINT Kompetenzen unsere Politiker befindet die glauben damit die Abhängigkeit vom Erdgas überwinden zu können.
    Die Politiker lernen nichts aus dem aktuellen Desaster, man ersetzt ein Öko-Märchen durch das nächste, eine Lüge durch eine noch größere Lüge. Die grünen Schlümpfe glauben was sie glauben wollen, jetzt kommt das „Öko-Wunder“ von der Nordsee….
    Die generelle Problematik der Windstromerzeugung wird hier anschaulich erklärt:
    https://sites.google.com/view/gegenpol-ostbelgien/energie/strom-aus-wind-eine-illusion
    Solche fundamentalen physikalisch-technischen Zusammenhänge prallen aber am Politikbetrieb ab. Hier haben die Öko-Märchenerzähler das Sagen….

    • Luftikus

      Der Ertrag der Offshore-Windenergie in Belgien beträgt rund 10% des in Belgien verbrauchten Stroms und soll bis 2030 auf 20% ausgebaut werden.
      Die Nullnummer findet in den Hirnen so mancher Gegenpoler und deren dummdreisten Anhängern statt, die die Zeichen der Zeit erst verstanden haben, wenn sie ihre reaktionäre Dummheit überwunden haben werden. Bei Herrn Dax ist dies jedoch nur ein Luftschloss…

      • Wahl, Joachim

        Widerlegen Sie doch einfach die Argumente von Dax. Können Sie nicht? Da bin ich aber beeindruckt. Stattdessen blöken Sie hier dummes Zeug und „arbeiten“ sich an „Gegenpol“ ab. Ihr Name ist übrigens vorzüglich gewählt.

        • deuxtrois

          Dax hat gar kein Argument geliefert, sondern darauf hingewiesen, dass es nicht genug Windräder gibt. Je mehr Windräder, je höher ihr Anteil am Eergiemix.

          Dax darf nun nicht auf die Idee kommen, nur Windräder und Kernenergie in seinem Chart an zu klicken, sonst kriegt er womöglich Herzrasen. :-)

          • Nein, das ist nicht die Aussage. Es ist prinzipiell unmöglich mit stochastischem Windstrom regelbare Kraftwerke zu ersetzen bzw. ein Stromnetz ohne regelbaren Backup mit „Erneuerbaren“ zu betreiben. Bei Gegenpol gibt man sich grosse Mühe technische Zusammenhänge so zu erklären dass auch technische Laien sie verstehen. Es bleibt natürlich ein Bodensatz „unerreichbarer“ und Sie kann man wohl dazu zählen.

  2. Gastleser

    Meine Fresse.
    Baut ein Wehr mit Fischtreppe, gerne verglast -für die Touristen, in jeden Fluss.
    Wasserrad, Motor und fertig.
    Kann jeder lokale Handwerker dran verdienen.
    Was wir haben ist Wasser und Holz – da kann man was draus machen!
    Nee, lieber China mull

  3. Joseph Meyer

    @Dax
    vielleicht werden Sie mich wegen dieses Posts nun auch in die Rubrik der „grünen Schlümpfe“ einordnen, oder vielleicht bin schon längst da drin, auch egal, ich habe ja schon Schlimmeres überstanden …
    Wegen eines Satzes, finde ich, hätte der Bericht Sie zum Aufhorchen bringen können: „Diese {Erklärung} sieht auch eine Kooperation bei der künftigen Erzeugung grünen Wasserstoffs aus Offshore-Windenergie vor, bei dessen Erzeugung kein Treibhausgas CO2 anfällt.“
    Wenn also grosse off-shore Windräder grünen Strom produzieren der zu dem Zeitpunkt nicht sofort zum Verbrauch benötigt wird, dann soll also mit Hilfe dieses Stroms, per Elektrolyse von Wasser, Wasserstoff erzeugt werden. Und Wasserstoff, das muss ich Ihnen nicht erklären, kann unter Zufügung von CO2 {gerne auch aus der Luft} zu Methan (= Erdgas) und zu Methanol umgewandelt werden. Dadurch würde also der anfallende Strom sinnvoll genutzt und die Windräder müssten nicht abgeschaltet werden. Dieses Methan stünde dann zur Nutzung in entsprechenden Gaskraftwerken zur Verfügung, um die benötigte Spannung der Stromnetze auch bei Sonnen- und Windflaute aufrecht zu erhalten. Es handelt sich um die bekannten Langzeit-Speichermöglichkeiten von unregelmässig anfallendem Wind- und Sonnenstrom, und .
    Natürlich wissen Sie das auch, und ich hoffe dass Sie diesen Aspekt der möglichen “100% Energiewende mit erneuerbaren Energieformen” dann auch in Ihre Überlegungen aufnehmen, denn auf Ihrer Webseite schreiben Sie ja, dass Sie Sich “bemühen {wir uns} immer auf Basis der bekannten physikalischen und technischen Grundlagen zu argumentieren.”

  4. Richtig, Herr Meyer

    @ Joseph Meyer

    Vielen Dank für den sachlichen Beitrag! Es ist unglaublich, wie die MINT-Größen von Gegenpol immer noch etwas für unmöglich halten, was in technisch viel weniger entwickelten Ländern schon längst gemacht wird … Habek hat schon grünen Wasserstoff in Arabien gekauft und unsere „Spezialisten“ … na ja, wie nennt man das – Realitåtsverweigerung?!
    Natürlich sind diese Verfahren noch nicht voll ausgereizt, aber das ist nur eine Frage der Zeit …“Nem Ingenieur ist nix zu schwör“

  5. Guido Scholzen

    Grüner Wasserstoff????
    es gibt schon seit Jahrzehnten einen überschüssigen Strom, und das ist der Nachtstrom.
    Und der wird auch noch verbilligt angeboten.
    Warum bauen diese Energiewende-Fantasten denn nicht zuerst eine Großanlage, wo denn mit Nachtstrom auch wirklich schon jetzt H2 „massenhaft“ produziert wird, der dann auch genutzt wird?
    Weil wir es bei Befürwortern der Energiewende mit Dämeln zu tuen haben, die trotzdem meinen, sie hätten in dieser Hinsicht die Weisheit gepachtet, die aber permanent an der Realität scheitert.

    Wie sagte schon Konfuzius:
    „Am Baum der guten Vorsätze gibt es viele Blüten, aber wenig Früchte. Denn der Weise lässt, was er nicht tuen kann. Nur der Dumme tut, was er nicht lassen kann.“

    • Walter Keutgen

      Guido Scholzen, die Frage ist, wie groß (und wie teuer) müsste die Anlage denn sein. Oder besser die Anlagen, denn am rationellsten wäre dann, die Anlage am Fuße der Windräder zu bauen. Die Techniken dazu, Electrolyse und Brennstoffzelle gibt es. Den überschüssigen Nachtsrom der Kernkraftwerke speichert man zur Zeit in Coo und Vianden im Tag-Nachtzyklus. Der wallonische Energieminister denkt darüber nach, den Nachttarif abzuschaffen. Statt dessen soll es intelligente Zähler geben, die halt, wenn kein Wind weht, einen solch hohen Kilowattpreis anzeigen, dass der Verbraucher alle Geräte abschaltet. Meine Großeltern haben sich noch mit Petroleumlampen beholfen.

      • Stromrationierung über den Preis. Wird dem Wahlvieh als „intelligenten Zähler“ verkauft. Welcher Doofe will schon keinen intelligenten Zähler haben…. Die Dinger werden sich sicher grosser Beliebtheit erfreuen. Ach ja, und Petroleum wird es auch keines mehr geben in den neuen schönen grünen Welt. Die Grosseltern hatten da noch Möglichkeiten die die Urenkel dann nicht mehr haben. Evolution rückwärts, zurück auf die Bäume, die grünen….

  6. Robin Wood

    „Die Nordsee soll zum grünen Kraftwerk Europas werden.“
    Was wird wohl Greta dazu sagen? Oder ist ihr der Klimaschutz an Land wichtiger als der im Wasser? Wobei man es in meinen Augen nicht trennen kann.
    https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/lebensraum-meer/gefahren/22921.html
    „Ob durch Schiffe, Baggerarbeiten, Marinesonar, Munitionsexplosionen oder Rammungen beim Windparkbau – in unseren Meeren ist es zu laut. Darunter leiden Schweinswale, Dorsche und viele andere Meeresbewohner. Im schlimmsten Fall ist der Lärm tödlich.“

    „Die EU hatte am gleichen Tag 300 Milliarden Euro angekündigt, die den Staatenbund schneller unabhängig von russischer Energie machen sollen.“
    Wer soll das bezahlen? Wo kommt all das Geld her?
    Die Flutopfer wurden noch nicht entschädigt…

    Es wird nur davon gesprochen, immer mehr und immer „grünere“ Energie zu produzieren. Vielleicht könnte es zeitgleich auch mal Vorschläge geben, um Energie zu sparen.
    Aber Greta und Co. wollen natürlich nicht auf Tablet, Handy usw. verzichten.
    Wir schaffen es nicht so schnell ohne Gas und sonstige Energien.
    Die westlichen Staaten verweigern das Gas des Kriegsverbrechers aus Russland, betteln aber um Gas aus Saudi Arabien, wo das Wort „Menschenrechte“ nicht gerade bekannt ist.
    Vor allem den Grünen, die doch unbedingt für die Frauenquote sind, sind die Verbrechen an Frauen in Saudi Arabien vollkommen egal.

    • Ach Robin Wood

      Ja, man denke nur an die vielen fliegenden Fische, die durch die Rotoren geschreddert werden.
      Vorgab der EU bis 2030 soll 20% Energie eingespart werden. Wobei bis 2015 schon 9% eingespart werden sollte und bis 2020 schon mal 20%. Ihr Einwand ist somit nicht ganz richtig. Die Frage sollte sein, warum man sich nicht an gesteckte Ziele hält? Erst muss der Leidensdruck unausweichlich sein, sonst passiert nichts. Hätte man die Ziele früher verfolgt, wären die Auswirkungen heute verkraftbarer.

  7. Gastleser

    Ich habe da eine ganz irre Idee.
    Patent angemeldet.
    Es gibt große Pflanzen, böse Leute sagen „Baum“ dazu- damit kann man ein Haus bauen und sogar heizen.
    Man kann sogar ein altmodisches Auto damit antreiben…

  8. Gastleser

    Als Öko alter Schule (so mit echt arbeiten, Bäume pflanzen, etc): es geht so nicht!
    Schluss mit dem Zirkus!
    Wir haben Wasser und Bäume – da wird sich ja wohl was finden .
    Scheiss Windräder sehe ich genug, ebenso ha von Solarzellen Richtung Prüm – und sinkt der Strompreis?!

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