Politik

Kattrin Jadin erinnert in der Kammer an Notwendigkeit einer Kennzeichnung von Lebensmitteln in Deutsch

Knapp 20 Prozent der Verbraucher in Belgien achten seit Beginn der Corona-Pandemie viel mehr auf die Herkunft und Zusammensetzung von Lebensmitteln. Umso wichtiger ist eine korrekte und verständliche Etikettierung von Lebensmitteln. Foto: Shutterstock

Es ist ein Ärgernis für viele Belgier deutscher Sprache: Beim Einkauf im Supermarkt sind die Produktinfos nicht nur so klein gedruckt, dass man sie kaum lesen kann. Sie sind vor allem zumeist nur in Französisch und Niederländisch verfasst, nicht aber in Deutsch.

Weil der Föderale Öffentliche Dienst (FÖD) Gesundheit und der zuständige föderale Minister David Clarinval (MR) an einer Novellierung der Gesetzgebung von 1977 über den Schutz der Gesundheit der Verbraucher bei Lebensmitteln und anderen Waren arbeiten, hat die deutschsprachige Kammerabgeordnete Kattrin Jadin (PFF-MR) den zuständigen Minister nochmals auf den Stellenwert der deutschen Sprache in Belgien hingewiesen.

Das Gesetz vom 24. Januar 1977 besagt eigentlich, dass die Produktbeschreibung in der Sprache oder in den Sprachen des Sprachgebiets, in dem die Produkte vermarktet werden, verfasst sein muss.

Die ostbelgische föderale Abgeordnete Kattrin Jadin (PFF-MR) bei einer Wortmeldung in der Kammer.

„Bei Produkten, die in Ostbelgien verkauft werden, ist dies derzeit jedoch nur bedingt der Fall. Seit 2011 sind die rechtlichen Anforderungen an die Kennzeichnung von vorverpackten Lebensmitteln jedoch in der harmonisierten EU-Verordnung 1169/2011 enthalten“, gab Jadin zu bedenken.

In seiner Antwort an die ostbelgische Föderalabgeordnete erklärte Minister Clarinval, dass die Novellierung des Gesetzes von 1977 darauf abziele, das belgische Recht an die europäischen Vorschriften anzupassen. Es gehe darum, die Rechtsgrundlage zu aktualisieren, die es ermögliche, bei der Etikettierung von Lebensmitteln die Verwendung der Sprache des jeweiigen Sprachgebiets zu verlangen.

„Laut Verfassung umfasst Belgien vier Sprachregionen: die französische Sprachregion, die niederländische Sprachregion, die zweisprachige Region Brüssel-Hauptstadt und die deutsche Sprachregion. Also müssten die in Ostbelgien verkauften Lebensmittel und Getränke eigentlich allesamt auch in deutscher Sprache gekennzeichnet sein. Jedoch muss ich immer wieder feststellen, dass die größten Hersteller einen Weg finden, diese Verpflichtung zu umgehen, um zusätzliche Kosten einzusparen“, so Kattrin Jadin.

Die liberale Parlamentarierin weist zudem darauf hin, dass erst kürzlich die FASNK (Föderalagentur für die Sicherheit der Nahrungsmittelkette) Zahlen über die Entwicklungen des Kaufverhaltens veröffentlicht habe. Daraus gehe hervor, dass knapp 20 Prozent der Verbraucher seit Beginn der Corona-Pandemie viel mehr auf die Herkunft und Zusammensetzung von Lebensmitteln achten. Umso wichtiger sei eine korrekte Etikettierung von Lebensmitteln. Das neue Gesetz solle zum Schutz und im Interesse des Konsumenten gestalten werden, betonte die ostbelgische Abgeordnete. Dazu gehöre auch eine Kennzeichnung der Produkte in dessen Sprache.

32 Antworten auf “Kattrin Jadin erinnert in der Kammer an Notwendigkeit einer Kennzeichnung von Lebensmitteln in Deutsch”

  1. Was können wir uns glücklich schätzen das unsere Gemeinschaft von dieser Dame so wertvoll vertreten wird , zu diesem so wichtigen Thema .
    Es bleibt nur zu hoffen das Sie uns auch in andern Angelegenheiten wie Ackerbau und Viehzucht bei den noch Vivaldis vertritt .
    Man kann dieser Dame nur für ihre Interventionen auf den Knien dankbar sein .
    Hoffentlich bleibt sie uns noch sehr lange erhalten .

  2. Unser MP Paasch hat doch mal Stromanbieter verklagt, weil sie mit ihren Kunden in Ostbelgien nicht in deutscher Sprache kommunizieren. Worauf wartet jetzt Paasch noch, um auch die Hersteller von Lebensmitteln zu verklagen? Er kann sich die Honorare für Anwälte schließlich leisten, denn die zahlt die DG.

    • Walter Keutgen

      Blob, ob es die meisten sind, weiß ich nicht. Es gibt aber einen sehr großen Anteil, wo die Angaben in mehreren Sprachen stehen, darunter Französisch und Niederländisch, aber nicht Deutsch. So hatte Carrefour, als es GIB gekauft hatte deutsche Angaben durch griechische ersetzt, zu einem Zeitpunkt, wo alle Supermärkte sich anstrengten Deutsch einzuführen. Ich habe mehr als zehn Jahre gebraucht, um zu verstehen warum: Carrefour hat wohl eine Filiale in Zypern, denn auf einem Produkt habe ich eine zyprianische Adresse gefunden.

  3. Krisenmanagerin

    Frau Jadin sprechen sie mal Herrn de Croo an. Wie kann es sein, dass die Posts des Premiers nur in Niederländisch und Französisch sind. De Croo tut sich echt schwer ein Premier aller Belgier zu sein. Das geht eigentlich gar nicht. Bei den meisten Lebensmitteln steht es in allen Sprachen drauf.

    • Kattrin JADIN

      Hallo, vielen Dank für Ihre Bemerkung Sie haben völlig recht. Ich werde den Herrn Premierminister auch noch mal darauf aufmerksam machen regelmäßig seine Posts auf Deutsch zu veröffentlichen. Viele liebe Grüße und einen wunderschönen Tag allen!

      • Menu du Jour

        Verehrte Frau Jadin,
        Ihnen geht es nicht besser wie dem Herrn Paasch! Der lud auch Gott und alle Menschen nach hier ein, bis heute ohne Erfolg! Da sieht man was eine Regierung so alles Hin kriegt?! In St Vith gibt es zwei Sterne Restaurants, vieleicht probieren Sie es mal von der Seite? Es ist nicht leicht eine so kleine Gemeinschaft zu bedienen, trotz 4 Ministern und eines ganzen Parlaments mit einem richtigen Präsidenten. Komisch was? Woran das wohl liegen mag?
        Auch Ihnen einen wunderschönen Tag! Ich muss leider noch viel arbeiten!

  4. Frankenbernd

    Im Grundsatz stimme ich der Kennzeichnungspflicht in Deutsch zu. ABER: nicht vergessen, ‚Labeling‘ for einen so kleinen Markt (75,000) in Ostbelgien koennte auch Produkte teurer machen fuer den Endverbraucher und evtl. Haendler veranlassen, solche gar nicht mehr anzubieten. Das haette dann wieder Auswirkungen auf das Angebot von Laeden. Wir haben bei ‚Match‘ und ‚Delhaize‘ gesehen, wie schwierig das Umfeld fuer Einzelhaendler in der DG schon ist. Naehe zu Deutschland, generelle Preisunterschieder (Steuern) zwischen B und D fuehrt schon jetzt zu einem enormen Kaufkraftabfluss Richtung Aachen bzw. Lux im Sueden.

    • Kevin Giebels

      Ich denke eine gute Lösung wäre die Verpflichtung, Deutsch auf allen in Belgien verkauften Produkten zu Verlagen, welche auch in französisch und Niederländisch beschriftet sind. Also kein Problem wenn nur in Flandern oder der Wallonie verkauft wird.

      • Walter Keutgen

        Kevin Giebels, die Verpflichtung Deutsch in den Ostkantonen auf der Packung zu haben, würde natürlich darin enden, dass sie in ganz Belgien dreisprachig sind. Man wird ja nicht verschiedene Packungen machen. Übrigens, bei ALDI ist das auf den meisten Verpackungen schon der Fall.

  5. Walter Keutgen

    Ein Problem ist auch, dass wegen der Staaten, der EU und auch privater Druckvereinigungen immer mehr auf einer Verpackung stehen muss. So ist von Maggi-Backbeuteln mit Hühnergewürz, Schweizer Fabrikat, die deutsche Sprache verschwunden, aber auch Mengenanleitungen für Hühnerteile.

    • Die paar Millimeter Text würden ja wohl nicht viel ändern – selbst wenn. Viele Hersteller haben entweder nur einen Beipackzettel für alle Länder oder teilen nach Land auf. Letztens hatte ich einen Zettel mit sämtlichen Sprachen, ausser deutsch. Für „B“ nur französisch und niederländisch. die deutschsprachigen Länder (D, AU, CH,…) haben einen anderen Zettel.

      • polyglott stta Glotze und Smomobiephones

        Ab der 2. Klasse,also mit 7 Jahren, die 2.Sprache, dann ab Sekundarstufe die Dritte – und auch noch Englisch. Wer besser logisch DENKEN lernen will, der nimmt noch Latein dazu. In den 70ern-80ern war das möglich, heute sind die allermeisten Kinder aber zu bequem und auch zu beschäftigt mit Irrsinn, damit sie das packen.

  6. Kauderwelsch

    Haben die Leue nichts wichtigeres zutun? Seit Jahrzehnten ist solches ein Thema! Brücken nach der BRD schlagen ebenfalls?! Oh Mann, wenn ich so hantierte, wär ich längst „über der Wupper“! Armseelige Alibis.

  7. Weitsicht

    Vergessen ? Wir sind d. Wallonen!

    Alle welche in den 70-80-90 Jahre des letzten Jahrhundert hier zur Schule gingen kannten dieses Problem nicht.

    Alle Fächer wurden auf franz. Sprache vermittelt.

    Armseliger Wandel durch ein paar hiesige „“ Politiker““ die durch diese Verarmung des Geistes ihr Geld verdienen.

  8. F.-J. Collienne

    ,Dieses Ärgernis gibt es nicht nur bei Lebensmitteln, auch Sicherheitsrelevante Geräte wie z. B. Feuerlöscher die in öffentlichen Gebäuden vorgeschrieben sind und die Bedienungsanleitung nur in französischer und niederländischer Sprache verfasst ist. Alle Bemühungen dies zu ändern laufen bei der brüsseler Lieferfi,rma ins Leere,weist allerdin,gs darauf hin, dass eine jährliche Inspektion gesetzlich vorgeschrieben ist, die mit ca. 100 € in Rechnung gestellt wird. Dieses Verhalten ist pure Arroganz. ,

  9. Quastenflosser

    Warum wieder Millionen ausgeben für gerade x 70.000 Deutschsprachige, wovon die meisten sowieso nie einen belgischen Supermarkt betreten. Happy shopping in Germany und Luxemburg ist angesagt, da kriegt man die Fleischwurst 0.10 € billiger mit Inhaltsangabe auf Deutsch, Deutsch und nochmals Deutsch., Ganz zu schweigen von den Hygiene- und Kosmetikartikeln…
    Boah nee, meine Sorgen möchte ich haben.

  10. Habe mein Abi 1986 gemacht und hatte bis heute kein Problem mit Produktbezeichnungen in französischer Sprache. Dass heutige Generationen Probleme haben, liegt vielleicht am zig mal neu erfundenen Unterrichtswesen. Man kann sich nur bedanken für die „Weitsicht“ der einzig kompetenten Weltverbesserer, die heuer das Sagen haben. Ich spreche absichtlich nicht von „vom Volk gewählten Ministern“… Was die können? Feuer legen, um dann Feuerwehr zu spielen.

    • Anarchy in the School

      „zig mal neu erfundenen Unterrichtswesen.“… Wie wahr! Ich habe die Übergangszeit, zum „EnsAignement rénové“ erlebt, ca. 1977 (nicht die Punk Zeit, nein). Irrsinn pur, aber zu der Zeit fingen eben die bescheuerten 68er das Sagen zu haben. Zum Glück hatten wir doch ein paar wirklich exzellente Lehrpersonen, vor allem in Sprachen, die den tradierten Unterricht mit FRONTALUNTERRICHT durchführten.

  11. Quastenflosser

    Herr Keutgen, alles hat seinen Preis, selbst ein mini-Aufkleber, der, bevor er auf der Packung landet, Kosten verursacht, die an uns weitergegeben werden, versteht sich. Ein Aufwand, der sich in meinen Augen nicht lohnt, angesichts der gerade mal 70.000 Männekens, deren Minderheit sich, ich-nix-verstehen-französisch, auf die Fahne geschrieben hat. Wie gesagt, Germany und Luxemburg sind ja in der Nähe. Im übrigen sind die meisten Inhaltsstoffe lediglich von Chemikern oder Menschen mit hohem IQ zu enträtseln. MfG

    • Walter Keutgen

      Quastenflosser, rechnen sie uns bitte die Millionen vor.

      Es geht sich nicht um kleine, zusätzliche Aufkleber. Die Texte haben die meistens multinationalen Herstellergesellschaften sowieso in ihren Text-Management-Systemen. Wenn nur Französisch und Niederländisch da stehen, ist meistens noch Platz für eine dritte Sprache auf der Packung. Aber oft sind noch mehr Sprachen da, z.B. Spanisch, Italienisch, Portugiesisch und Griechisch – siehe meinen Beitrag oben – aber Deutsch geht garnicht. Sie müssten wissen, dass in einem anderen Forum ein Beitrag steht, wo der Verfasser sich wünscht, die Leute zu zwingen Französisch zu sprechen, wenn Sie nach einem bestimmten Datum geboren sind. Ich habe nicht herausfinden können, ob Belgien oder die Wallonie gemeint war und auch keinen Widerspruch finden können. Zugegeben, beide Suchen hätten zu viel Zeit beansprucht. Es geht mir um den Respekt mir gegenüber, wie sagte Willy Brandt, wenn jemand mir etwas verkaufen will, muss er meine Sprache sprechen. Französisch kann ich genug, aber nicht die Küchensprache. Die Lehrer im Frontalunterricht, von dem Dax so schwärmt, beschäftigten sich nicht mit solchen Petitessen und rieten mir dringend Romane – Dax, singen und klatschen? – zu lesen, um mein Französisch zu verbessern. Fehlanzeige: Ob in Deutsch oder Französisch, in den zugegeben wenigen Romanen, die ich gelesen habe, kamen keine Lebensmittel und Küchentechniken vor. Quastenflosser, können Sie zum Beispiel hier Wirsing und Chicoree auf Französisch, belgisch und französisch bitte, übersetzen?

      Bei ätzenden Flüssigkeiten ist schon merkwürdig, dass die Gebrauchsanleitung auf Französisch und Niederländisch vorhanden ist, aber nicht auf Deutsch. Der Hinweis auf die Gefahren ist aber auch in Deutsch. Warum wohl? Angst vor Schadenersatzklage, wenn was passiert?

      Davon abgesehen, es gibt in den Ostkantonen noch Leute, alte natürlich, die kein Französisch gelernt haben, auch weil ihre Schulzeit 1940-1945 fiel und sie danach arbeiten gehen mussten. Vor 1940 blieb es den Dorfschulen überlassen, ob sie Französisch lehrten. Auch wohnen hier und kommen Deutsche, die kein Französisch können und Niederländisch wegen der vielen falschen Freunde falsch verstehen. Die Teilung Belgiens in Sprachgebiete Anfang der sechziger Jahre haben die Flamen und Wallonen gewollt und dabei ein deutsches Sprachgebiet geschaffen. Dann sollen sie doch ihre eigenen Gesetze beachten.

  12. Jef Bertrichs aus Limburg

    Ich kann immer noch nicht verstehn, warum in der DG soviele und Hochbezahlte Posten geschaffen wurden? Frappierend, geradezu Lachhaft das Bild mit den „Scherenleuten“, bei der Eröffnung des Mürringer „Haus Jaspech“! Es fehlte gerade noch dass einer dem andern den Finger abschnitt!? Ob diese Leute sich nicht auch ein wenig lächerlich und überflüssig dabei vorkamen?
    All diese Showeffekte kosten den Steuerzahlern sehr viel Schweisstropfen und mühevolle Arbeitsstunden.
    Das sollte diesen Scherenschleifern doch zu denken geben?
    Belgiens schlechte Situationen sind Grossteils durch die vielen Nichtsnutze und überflüssigen Posten der Politik geschuldet.
    Solange nicht diese Geldfressenden Jobs aufgelöst sind, wird das Land immer weiter in den Abgrund steuern.

  13. Bernstein

    Pflanzenschutzmittel , Unkrautvernichtungsmittel und vielerlei andere chemische Produkte für Haushalt, Garten und Landwirtschaft sind fast ausschließlich in französischer und niederländischer Sprache, ab zu in noch in englisch.
    Wenn man bedenkt dass viele solcher Produkte im deutschen Sprachraum hergestellt werden.
    Bei unsachgemäßer Verwendung sind viele Produkte lebensgefährlich.

  14. Petra Steinig

    Guter Tipp an die Frau Jadin, ich kaufte dieser Tage in der Apotheke ein Mittel gegen Darmprobleme. Dieses Produkt wird von der Fa. ORTIS aus Elsenborn hergestellt. Leider konnte ich die Anweisungen nicht entschlüsseln da exklusiv nur alles in Flämisch und Französisch geschrieben war!? Ortis produziert bekanntlich in Elsenborn in der Gemeinde Bütgenbach.

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