Der Ecolo-Abgeordnete Karl-Heinz Braun. Foto: DG-Parlament
Mit Ausnahme der genauen Uhrzeiten seiner Toiletten-Besuche hat der Ecolo-Politiker Karl-Heinz Braun via Facebook der Öffentlichkeit bis ins kleinste Detail mitgeteilt, was er am 5. September 2012 von 5.30 Uhr morgens bis 23 Uhr abends so alles gemacht hat. Man erfährt sogar, wann Braun geduscht hat: um genau 6.30 Uhr. Und dass um 8.30 Uhr sein Farbdrucker nicht funktionierte…
Nachstehend der genaue Tagesablauf von Karl-Heinz Braun, PDG-Mitglied und Lokalsekretär von Ecolo in Lontzen, am vergangenen Mittwoch.
5:30 Der Wecker schellt nach 4 Stunden Schlaf. Letzter Schliff an der deutschen und vor allem an der französischen Fassung der Pressekonferenzmappe.
6:30 Duschen
6:45 allerletzter Schliff
7:15 Frühstück mit der Familie
7:30 Versand der Dateien an den Pressesprecher, der die Mappen vorbereiten soll
7:45 Kinder verabschieden und etwas Zeit für mich
8:30 Pressesprecher meldet, dass der Farbdrucker nicht druckt und dass bei der französischen Fassung alle Accents verloren gegangen sind. Stress. Ich drucke also bei mir zuhause.
9:15 Kandidat 4 abholen
9:30 Letzte Absprachen im Haus Harna mit Kandidaten 1, 2, 4 und dem Pressesprecher
10:00 Empfang des „Grenz-Echo“ und des „BRF“. Eine Stunde non stop Informationen an die Presse.
11:00 Empfang von „Je Jour“. Eine Stunde Austausch mit dem Journalisten.
12:00 Rückblick und Analyse Pressekonferenz mit den Kandidaten und dem Pressesprecher, weitere Absprachen und Planungen
13:00 Rückfahrt Kandidat 4
13:30 Mittagessen (2 Maultaschen)
13:45 Nickerchen
14:00 Anrühren Kleister
14:30 Plakate kleben in Lontzen
14:45 Fototermin bei Kandidatin 9
15:00 Plakate kleben in Herbesthal
15:15 Fototermin bei Kandidatin 16, Kaffeepause
16:00 Rückgabe Plane Swimmingpool im Colruyt wegen falscher Bestellung
16:15 Tochter in Eupen abholen
16:30 Plakate kleben in Walhorn
16:45 Fototermin Kandidatin 11
17:30 Zeit zum Entspannen im Pool zuhause (bei 20 Grad Wassertemperatur)
18:00 Abendessen mit der Family
18:30 Reifen flicken am Fahrrad meiner Frau
19:30 Totenwache Marcel Willems
20:00 Koordinationsversammlung der Wahlkampagnenbüros Eupen, Lontzen, Raeren, Kelmis und Provinz.
23:00 Feierabend. Dann fällt mir ein, dass heute unser 20. Hochzeitstag war.
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Mein Drucker hat sehr wohl funktioniert, der des Pressesprechers war kaputt. Aber nichts für ungut. Will Ostbelgien Direkt jetzt ins Guinessbuch der Rekorde kommen in der Disziplin „Cut-and-Paste“ ?
ist ja ein stressiger Arbeitstag.
Für solche Wahlkampfleistungen, bzw. Selbstbeweihräucherungen werden also Abgeordnete bezahlt und das Wahlvieh applaudiert natürlich … interessant !
Lieber Herr Grabowski, ich habe mir für den Tag frei genommen (Sie wissen, als DG-Abgeordneter ist man Feierabendpolitiker und übt ansonsten einen ganz normalen Beruf aus). Was die Selbstbeweihräucherung angeht, so habe ich nicht um eine Veröffentlichung gebeten. Herr Cremer gehört (noch) zu meinen Facebook-„Freunden“, mit denen ich gerne so etwas Personliches teile (mein Profil ist von nicht-Freunden nicht einsehbar). Ich kann natürlich nicht verhindern, dass die Journalistenfreunde das ein oder andere herauskopieren. Ob das vorteilhaft für mich ist, wage ich zu bezweifeln. Ob es vorteilhaft für Ostbelgien-Direkt ist, ebenfalls.
Zum Thema „Privatsphäre und Facebook“ (übrigens zwei Welten die sich nahezu ausschließen) sollten Sie aber mal besser recherchieren Herr Braun. Zu glauben, man teile nur seinen Freunden etwas im Vertrauen mit auf Facebook nur aufgrund einer gut gemeinten Einstellung (die Facebook selber zudem ein Dorn im Auge ist und in Zukunft sicher gänzlich abschaffen wird), ist leider ein Irrglaube.
Sobald jemand mit öffentlichem Profil (das besitzen sehr viele Facebook-Nutzer) Ihre „Statusmeldung“ teilt, ist sie auch schon öffentlich (muss nicht mal böse gemeint sein). Das gleiche gilt für ein „Teilen“ auf öffentlichen Seiten jedwelcher Art. Da können Sie einstellen was Sie wollen. Facebook sitzt immer am längeren Datenschutz-Hebel und der ist verdammt kurz.
Nützlich ist es, sich einfach folgende Frage zu stellen: „Würde ich DAS auf der Bühne des Pigallefestes ins Mikro sagen?“
Wenn Sie das mit einem klaren Nein beantworten, besser nicht veröffentlichen. Wenn Sie etwas wirklich im Vertrauen sagen wollen, tun Sie alles. Aber nutzen Sie auf keinen Fall Facebook.
Politiker die Freundschaften per Anklicken eines Buttons bei Facebook schließen sind mir suspekt. Ebenfalls solche die zu sehr Selbstdarsteller sind. Beides scheint mir bei Herrn Braun gegeben.
An Herrn Braun schätze ich seine Fachkenntnisse im politischen Bereich und seine Offenheit bzw. Ehrlichkeit, die u.a. durch ein Forum wie Facebook ersichtlich werden. Gleichzeitig auf diese Weise etwas Reklame für sich zu machen ist in meinen Augen durchaus korrekt. Schliesslich ist Barack Obama das beste Beispiel, dass man durch Facebook durchaus Stimmen gewinnen kann. Herrn Brauns Anstrengungen deshalb in allen Ehren. Leider kann ich persönlich mit der Ecolo-Politik immer weniger anfangen. Aber das ist ja ein anderes Thema.
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