Kultur

Freddy Derwahl: Streit mit dem Grenz-Echo „unter Männern“ beigelegt – Neuer Gedichtband erschienen

Er wird am 16. November 74 Jahre alt und steckt nach wie vor voller Schaffenskraft: Schriftsteller und Autor Feeddy Derwahl. Foto: privat

Für den Schriftsteller und Autor Freddy Derwahl ist das Schreiben sein Lebenselixier. Während sich viele ostbelgische Journalisten nach ihrer Pensionierung gänzlich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen haben, steckt der Mann, der am Montag 74 Jahre alt wird, nach wie vor voller Schaffenskraft.

Nach seiner Autobiografie „Auf dem Marktplatz“, erschienen im kbv Verlag in Hillesheim, brachte er in diesem Jahr mit „die engel von brüssel“ (Udo Degener Verlag) einen ersten Gedichtband heraus, in dem er auch einige bekannte ostbelgische Persönlichkeiten bzw. alte Weggefährten in Versen in Erinnerung ruft.

Der Gedichtband „ein stern dich küsst“ von Freddy Derwahl.

Jetzt folgt ein zweiter Gedichtband mit dem Titel „ein stern dich küsst“. Und dieser Band erscheint wieder im Grenz-Echo Verlag, dem er vor zwei Jahren den Rücken gekehrt hatte, nachdem sich die Direktion des Eupener Verlagshauses geweigert hatte, seine Lebenserinnerungen herauszugeben.

Offenbar sind die alten Wunden inzwischen verheilt. Warum der neue Gedichtband „ein stern dich küsst“ wieder im Grenz-Echo Verlag erscheint und wie es in der heutigen Zeit um die Lyrik bestellt ist, schildert Freddy Derwahl im folgenden Interview mit „Ostbelgien Direkt“.

OD: Freddy Derwahl, vor zwei Jahren hatten Sie sich vom Grenz-Echo losgesagt, nachdem der Verlag darauf verzichtet hatte, Ihre Autobiografie „Auf dem Marktplatz – Lebenserinnerungen“ zu veröffentlichen. Jetzt bringt der GEV Ihren neuen Gedichtband heraus. Haben Sie auf der Chefetage des Verlags wieder Freunde?

Freddy Derwahl: Meine Lebenserinnerungen hat der ehemalige GE-Chefredakteur Heinz Warny vergangenes Jahr auf einer ganzen Seite kenntnisreich und fair vorgestellt. Diesen Sommer gab es im Grenz-Echo eine augenzwinkernde Besprechung des bekannten Autors Bernd Müllender meines Gedichtbandes „die engel von brüssel“. Im versöhnlichen Gespräch mit Direktor Oli Verdin, Chefredakteur Oswald Schröder und dem Chef vom Dienst Christian Schmitz wurde der Streit „unter Männern“ beigelegt.

OD: Sie haben also wieder Freunde auf der Chefetage des Grenz-Echo?

Journalist und Autor Freddy Derwahl beim Schreiben in seinem Arbeitszimmer auf Stockem. Foto: Gerd Comouth

Derwahl: Ich habe auf der Chefetage nicht nur wieder Freunde, sondern sogar eine neue Freundin: Die Leiterin des Buchverlages, Carolin Schulzen, hat mir gemeinsame Projekte für die Zukunft vorgeschlagen und meine jetzt erschienenen „christlichen Gedichte“ mit sensiblem literarischem Sachverstand herausgegeben.

OD: Gibt es in Ostbelgien noch eine Nachfrage für Lyrik? Oder muss da schon der Autor selbst oder die DG nachhelfen, damit sich das für einen Verlag überhaupt lohnt?

Derwahl: Ob sich Lyrik für Verlage noch lohnt, ist im gesamten deutschsprachigen Raum eine kritische Frage. Doch werden weiter Gedichte geschrieben und veröffentlicht, wenngleich die Auswahl viel strenger ist. Geld bringt das kaum, doch ist es manchmal auch für kleine Verlage eine solidarische Ehrensache, Gedichte in die Programme aufzunehmen. Im GEV hat man da nicht gezögert und sich mit bescheidener Auflage dem angeschlossen.

OD: Und die DG?

Derwahl: Die ostbelgische Regierung kennt die Problematik und hilft mit Zuschüssen. Aus bekannten Gründen ist das für den „Krautgarten“ leider nicht mehr der Fall. Er war ein beachtliches Forum, verirrte sich dann aber von der Literatur in die Politik. Das reimt sich nicht.

OD: Ist im digitalen Zeitalter noch Platz für Gedichte?

Derwahl: Der mit fast einer Million Euro höchstdotierte Literatur-Nobelpreis für die Lyrikerin Louise Glück unterstreicht die Bedeutung der Gedichte im digitalen Zeitalter. Von keiner Macht der Welt hat sich die amerikanische Autorin beim Gedichteschreiben instrumentalisieren lassen. Dem Schnellen und Lärmenden setzt sie eine nachdenkliche Stille entgegen. Wie in den Wäldern kann man wieder durchatmen. Das ist die Aufgabe der Dichter heute.

Freddy Derwahl (r) beim Signieren seiner Autobiografie „Auf dem Marktplatz“ im April 2019. Foto: Paul McKelvie

OD: Ihre literarische Laufbahn hat vor über 50 Jahren mit einem Gedichtband angefangen. Jetzt veröffentlichen Sie nach „die engel von brüssel“ zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit einen Gedichtband. Kehrt Freddy Derwahl gewissermaßen zu seiner alten Liebe zurück?

Derwahl: Ich war damals gerade 17. Eine erste Liebe vergisst man nicht. Auch wenn man sie verlässt, geschieht dies nicht aus Untreue. Man kehrt zurück. Das sind starke Wiedersehen. Ein Gedicht ist kein flotter Seitensprung. Manchmal bricht die Poesie spontan hervor, manchmal bedarf es angestauter Zeit. Man lebt davon und leidet daran. Immer entspringt sie kreativer Tiefe, fast Kontemplation.

OD: Der Gedichtband ist laut Verlag „eine Reise durch den sehr intimen und ernsten Glauben des Autors“. Das soll was heißen?

Derwahl: Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich im christlichen Glauben eine starke Heimat gefunden habe und finde. Er ist „intim“, weil er die Abgründe des Herzens berührt; er ist „ernst“, weil er immer auch ein umstrittener und von existenziellen Fragen bedrängter Glaube ist. Je mehr man den Glauben findet, umso mehr muss man ihn wieder suchen oder neu entdecken. Wenn das gelingt, ist es reines Glück. Meine verstorbene Freundin, die Schweizer Dichterin Silja Walter, schrieb mir in einer Lebenskrise: „Was sollen wir uns eigentlich wünschen außer Gott?“ (cre)

EIN STERN DICH KÜSST – Christliche Gedichte – Vorwort von Anselm Grün, Freddy Derwahl / Fotos: Hans-Günther Kaufmann. 10,00 €. ISBN 978-3-86712-162-0. Format 12 cm x 18 cm. 96 Seiten.

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

23 Antworten auf “Freddy Derwahl: Streit mit dem Grenz-Echo „unter Männern“ beigelegt – Neuer Gedichtband erschienen”

  1. Guten Erfolg mit Deinem neuen Gedichtband, Freddy. Es freut uns sehr, dass Du wieder bei dem GE-Verlag erscheinst. Dieser christliche Gedichtband kommt vor Weihnachten zur rechten Zeit. Das Vorwort des berühmten Theologen Anselm Grün wird Dein neues Werk „beflügeln“.

      • Derwahl-Fan

        @Flug-Künstler?
        Ja, immer schön die alten Kamellen aufwärmen und am Köcheln halten. Derwahl hat erst vor Kurzem zu diesen Unterstellungen hier bei OD Stellung bezogen. Googeln können Sie ja.
        Gehe ich Recht in der Annahme, dass Sie selber nie in einer Partei waren und einen Verlag nie von innen gesehen haben.

  2. Max Schleicher

    Da haben sich weiße, alte Cis-Männer geeinigt, sich nicht mehr weh zu tun. Da wurden Wunden geheilt, letztlich mit Geldern der Bürgerinnen und Bürger, denn wir finanzieren den ganzen Zauber. Da füllen sich die Recken vergangener Schlachten die Taschen. Was hat das mit uns jungen Ostbelgiern zu tun?

    Alles unter dem Deckmantel der Ku(h)ltur

  3. Ein Reisser?

    Der Hillesheimer Verlag verdiente sicher nicht genug am Freddy? Deswegen seine reumütige Heimkehr zum G E. Die habens auch nötig. Wüsste mal gerne welche Auflagen die Bücher des Freddy erreichten? Es werden keine astronomische Zahlen sein? Ein sehr spezieller Schriftsteller, müsste eigentlich im Vatikanverlag arbeiten.

    • Max Schleicher

      Wieso negativ? Ist doch gut, was da geschieht. Da werden Pensionäre endlich mal ordentlich finanziell versorgt. Die brauchen das Geld schließlich mehr als Familien. Ich gebe das Geld gerne. und ich kaufe mir das künstlerische Werk nicht, damit keine Kosten anfallen.

    • Leserforum OD

      Lesereaktionen auf Derwahls Autobiografie? Die waren letztes Jahr auf OD von harscher Kritik bis zu anerkennendem Lob in Fülle zu finden. Das sind die Vorteile eines Internet-Forums. Und wer Bücher nicht lesen will, lässt es halt sein.

    • Eastwind

      Typisch Zaungast! Sein Kommentar dient nur dazu, Derwahl zu diskreditieren, denn Zaungast weiß ganz genau, dass die Autobiografie von Freddy Derwahl ausschließlich über den regionalen und lokalen Buchhandel vertrieben wird oder über andere lokale Verkaufsstellen und nicht über Amazon. Trotzdem kann es unser Oberlehrer und Besserwisser nicht lassen, darauf hinzuweisen, dass es bei Amazon keine Leserreaktion gegeben hat, was auch niemand erwartet hat.

  4. Zaungast

    Also, in einem Aufwasch, hübsch er Reihe nach:

    @Leserforum OD:
    Mag sein, dass es auf OD von Leserkommentaren nur so gewimmelt hat, aber ob es auch alles Leser vom „Marktplatz“ waren, sei dahingestellt. Bei dem Niveau vieler Kommentare hier auf OD wäre das übrigens auch ein eher zweifelhaftes Qualitätskriterium.
    Es ging aber nicht um die Reaktionen hier auf OD, sondern um die Rezensionen auf Amazon. Da gab es bis jetzt keine einzige. Fand sich denn kein Freund oder guter Bekannter, um aus Gefälligkeit eine mit 5 Sternen zu verfassen?
    So läuft das nämlich bei solchen verkaufsfördernden Lobeshymnen, nicht nur bei Büchern, sondern auch etwa bei Hotels, Restaurants und dergleichen Begutachtungsforen.
    Zur Not greift auch der Autor mal selbst zur Feder, um eine Eloge zu verfassen, etwa so: „Ich bin der Autor, dennoch erlaube ich mir zu denken, daß dies ein wichtiges Buch ist, da wirklich einzigartig…“, natürlich mit 5 Sternen versehen.

    @Eastwind:
    Sie haben den Link zu Amazon offensichtlich nicht angeklickt, sondern so aus dem Stand Ihren Wind abgelassen. Sonst hätten Sie nämlich gesehen, dass die Biografie tatsächlich auch auf Amazon.de angeboten wird: „Verkauf und Versand durch Amazon“, Preis neu 24€, gebraucht ab 11,75€, Versand kostenlos.

    @derboblo:
    „Nur mehr zwei auf Lager, mehr ist unterwegs“: Ein alter Werbetrick, nicht nur bei Amazon, um zögernde Kunden zum Kauf zu überreden, nach dem Motto: ein Schnäppchen, schnell zugreifen, wer weiß, was morgen ist.
    Dort steht aber auch: 6 gebraucht, 7 neu…

    Wer nach einem Beispiel Derwahlscher Lyrik sucht, wird im GE vom 24.05.2017 auf Seite 2 fündig werden: „Christi Himmelfahrt“. Leider im Archiv nur für Abonnenten einsehbar.

    • Willi Müller

      Herr Zaungast,
      Sind oder waren Sie in Ihrem Leben mal Buchhalter, Anwalt oder sowas in der Art? Ihre Vorgehensweise lässt diese Vermutung zu.
      Interessanter fand ich übrigens früher Ihre „Tätigkeitsberichte unseres damaligen Senators KHL. Könnten Sie mal eine ähnliche Recherche über Herrn Miesen anstellen? Ich frage mich wirklich, was ein Senator (mit Referent) in Corona-Zeiten so stemmen muss.
      Danke im Voraus
      Bofroste Will

  5. Bücherwurm

    Zum x-ten Mal in seiner Laufbahn hat F. Derwahl die Front gewechselt. Typisch! Es ist noch gar nicht so lange her, dass er eine wahre Schlammschlacht gegen das Grenzecho losgetreten hat, nachdem die Verlagsspitze sich von ihm als Kolumnenschreiber getrennt hat…

    • Freddy Derwahl

      Der „Bücherwurm“ scheint offenbar von Büchern nicht viel zu verstehen. Der Verlag und Standort ihres Erscheinens hängt vor allem von den zweimal jährlich erscheinenden Programmen ab. Da ist es völlig normal und keineswegs unanständig, dass Autoren, je nach Thema, Interesse oder Angebot den Verleger wechseln.

      Nach meinen Gedichten „ein stern dich küsst“ jetzt im Eupener GEV erscheint im Frühling kommenden
      Jahres im „Eifeler Literatur Verlag“ (Aachen) die Neuedition meines Romans „Bosch in Belgien, im September 2021 im Bonifatius Verlag (Paderborn“) mein Reisebuch „Das Flüstern Gottes“ sowie im Mai 2022, erneut im GEV, mein Roman „Simenon und die fremde Frau“.

      Dies alles in bestem Einvernehmen mit den drei Verlegern Carolin Schulzen, Günter Mainz und Ralf Markmeier. Für den „Bücherwarm“ viel Lesestoff.

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