Gesellschaft

Drei Fälle aktiver Sterbehilfe bei Minderjährigen in Belgien – Sie waren 9, 11 und 17 Jahre alt

Die aktive Sterbehilfe ist in Belgien auch bei unheilbar kranken Kindern erlaubt. Foto: Shutterstock

Die gesetzlich erlaubte Sterbehilfe für Minderjährige in Belgien ist in den vergangenen beiden Jahren dreimal angewandt worden.

Die drei Patienten hätten unter „unheilbaren und sehr schweren Erkrankungen“ gelitten, die in kurzer Zeit zu ihrem Tod geführt hätten, geht aus dem Bericht der belgischen Sterbehilfe-Kommission hervor. Die Betroffenen waren demnach 9, 11 und 17 Jahre alt.

Das belgische Sterbehilfe-Gesetz wurde 2014 auf Minderjährige ausgeweitet. 2016 wurde es das erste Mal angewendet.

Bereits seit 2002 ist in Belgien ein Sterbehilfe-Gesetz in Kraft, das als besonders liberal gilt. Es erlaubt Ärzten die Tötung auf Verlangen von erwachsenen, unheilbar kranken Patienten, sofern die Mediziner ihnen unerträgliche Leiden bescheinigen.

Unheilbare Krankheit ist Voraussetzung

Anfang 2014 dehnte das Parlament die Sterbehilfe auf Minderjährige aus. Voraussetzung ist eine unheilbare Krankheit. Der junge Patient muss unter starken Schmerzen leiden, die kein Medikament lindern kann. Ein Psychologe muss bezeugen, dass er urteilsfähig ist und in der Lage, die Entscheidung zum Sterben zu fassen. Auch die Eltern müssen zustimmen.

Kundgebung am 22. April 2018 in Brüssel gegen Abtreibung und gegen Sterbehilfe. Foto: Shutterstock

Zwei der nun bekannt gewordenen Fälle stammen aus 2016, einer aus 2017. Dem Bericht zufolge litt einer der Patienten unter der unheilbaren Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose. Ein weiterer hatte bösartige Tumore im Kopf, der Dritte die Duchenne-Muskeldystrophie, eine bestimmte Art von Muskelschwund.

Obwohl nur wenige Kinder von der Gesetzesausweitung betroffen seien, bezeichnete die staatliche Sterbehilfe-Kommission sie als sinnvoll. So hätten auch Minderjährige in Bezug auf das Ende ihres Lebens die freie Wahl und ein Mitspracherecht. Über den bereits im Juli veröffentlichten Bericht der Kommission hatte am Mittwoch „Spiegel Online“ berichtet, nachdem die „Washington Post“ ihn aufgegriffen hatte.

Aktive Sterbehilfe ist in den meisten Ländern verboten. In der EU erlauben nur die Niederlande, Luxemburg und Belgien ausdrücklich die Tötung auf Verlangen. Die passive Sterbehilfe, der Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen, ist in zahlreichen Ländern erlaubt beziehungsweise wird geduldet – auch in Deutschland. (dpa)

20 Antworten auf “Drei Fälle aktiver Sterbehilfe bei Minderjährigen in Belgien – Sie waren 9, 11 und 17 Jahre alt”

  1. Polarlicht

    Die passive Sterbehilfe ist in Deutschland erlaubt…das liest sich einfacher, als es der Realität entspricht. Die Grenzen zwischen der aktiven und passiven Sterbehilfe sind fließend. Stellt jemand z,B, einem komplett Querschnittsgelaehmten ein Getränk hin, wo Medikamente enthalten sind, die bei Einnahme des Getränkes zum Tode führen, auch wenn der Patient es ausdrücklich verlangt hat, so ist das schon wieder eine aktive Sterbehilfe. selbst dann, wenn der Patient via Strohhalm dieses Getränk zu sich nehmen kann. Er hätte sich dieses Getränk nämlich niemals selbst zu bereiten können. Sehr heikel , dieses Thema, und sehr kontrovers zu diskutieren.

  2. SoNichtMeineHerren

    Du sollst nicht töten. Das steht ganz klar in der Bibel! Und daran haben wir uns zu halten. Wer aktive Sterbehilfe leistet, vergeht sich gegen die Gebote Gottes und versündigt sich. Die Folgen für ihn sind klar: Er wird in der Hölle schmoren. Es steht uns Menschen nicht zu, gegen den Willen Gottes seine Geschöpfe von dieser Welt auszulöschen. Also, mein Rat: Finger weg. Und Belgien sollte dieses Gesetz schleunigst wieder abschaffen.

    • @ SoNichtMeineHerren

      In Deutschland habe ich durch eine Tätigkeit in einem Pflegeheim Menschen kennengelernt die ein „Leben“ mit unerträglichen Schmerzen und unter dem Einfluss von Maschinen und starken Medikamenten leben mussten.
      Keiner von uns kann sich vorstellen was in diesen Menschen vor sich geht. Wieviel Würde und Menschsein verbindet man mit einem solchen Leben?
      Was muß in einem Menschen vorgehen der sich wünscht dieses Leben möge ein Ende finden?
      Wie human ist eine Gesellschaft die diesen Menschen verwehrt in Würde zu sterben?
      Das Gebot heißt „Du sollst nicht töten“ es heißt nicht „Du sollst Deinen Nächsten quälen und sein Dasein gegen seinen Willen verlängern.“

      Noch ein Wort an meine „Hater“ Dieses Thema ist zu ernst um es durch irgendwelche Dummheiten ins lächerliche zu ziehen. Wenn Ihr also ernsthaft diskutieren wollt gerne, ansonsten werde ich auf Eure „Wortmeldungen“ nicht reagieren.

      • Bibel...

        davon abgesehen kann niemand dazu gezwungen werden, daran zu glauben, was in der Bibel steht…
        Und es kann und darf auch NIEMAND jemanden richten und verurteilen, der sich dazu entschlossen hat, Sterbehilfe zuzulassen. Das ist sicherlich keine einfache Entscheidung und wird seine Gründe haben, die andere nicht begreifen können, da sie ja nicht das Leben dieser Menschen leben und alles nur von außen betrachten.

    • Alfons Van Compernolle

      Religion ist Opium fuer’s Volk, dass hat schon K. Marx gesagt ! Recht hat er ! Stimmt „Du sollst nicht toeten, steht in der Bibel und wird so gerne von den Kirchen verbreitet, die selber jahrhunderte Land auf allen Kontinenten mit der Bibel in der Hand zum massenhaften Massenmoedern geworden sind.
      Man sollte zu recht auch keine Kinder missbrauchen und was haben die Kirchen getan ????
      Fuer mich hat jeder Mensch das Recht eigenstaendig , wenn es denn sein ehrlicher Wunsch ist, um Sterbehilfe zu bitten. Dieses gilt auch und besonders fuer sehr ernsthafte und unheilbar erkrankte
      Kinder, die sonst womoeglich einen qualvollen Tot und unertraegliches erleiden muessen .
      Belgien hat Recht getan um die Sterbehilfe-Gesetzgebung einzufuehren.

    • T. Schneiders

      @SoNichtMeineHerren‘
      Sie scheinen wohl selber nicht hinter dem zu stehen, was Sie da verzapf..pardon, schreiben, sonst hätten Sie den Mut, unter Ihrem richtigen Namen zu schreiben.

      Wenn sich die Kirche, bzw. deren Vertreter nicht an das halten, was in der Bibel steht, warum sollen das andere machen? Halten Sie sich denn immer dasn die Gebote (eines) Gottes?
      Stehlen Sie nie, sind Sie ihrem Partner immer treu, geben Sie all Ihr Geld an Arme, damit Sie in den Himmel kommen? Oder fahren Sie ein dickes Auto, haben ein schickes Eigenhein, schauen anderen Frauen nach und wenden den Blick ab, wenn Sie einen Bettler sehen oder beschimpfen ihn sogar?

      Wenn Menschen unerträgliche Schmerzen erleiden, sollen sie auch das Recht, selber entscheiden zu dürfen, diese zu beenden.

      Aber vielleicht kommen Sie selber auch einmal in diese Situation.
      Diese Wasser-Prediger und Wein-Trinker sind immer die, die dann am lautesten rumheulen.

    • Terminus

      @SoNichtMeineHerren
      Sollte dieser Beitrag ernst gemeint sein ? Oder nur der Kontroverse dienen ? Dann haben Sie wahrscheinlich noch nicht die Höllenqualen eines terminal kranken Kindes miterlebt, das trotz Morphium nur noch leidet. Ein jeder sollte das Recht haben sterben zu dürfen wenn das Leben nur noch ein schmerzliches Dasein ist ohne Aussicht auf Linderung. Gerade durch die künstliche Verlängerung des Lebens stellt der Mensch sich über Gott.

  3. SoNichtMeineHerren

    Es gibt heutzutage wunderbare Medikamente, mit deren Hilfe man keine Schmerzen mehr ertragen muss und trotzdem weiter leben kann. Töten ist Töten. Dazu sind wir nicht befugt!
    Der Schritt von der „Sterbehilfe“ zur Euthanasie ist nicht weit. Die Grenzen verschwimmen. Will man hier den Nazis nachfolgen?

    • @ SoNichtMeineHerren

      Es gibt einen großen Unterschied zwischen Mord und Sterbehilfe. Die von Ihnen angesprochenen Medikamente sind in der Regel süchtig machende Opiate und Morphine. Ein „Leben“ unter dem ständigen Einfluss dieser Medikamente, wenn sie nicht ärztlich verordnet werden nennen wir sie auch gerne Drogen, verdient die Bezeichnung Leben nicht.
      Auch ein Leben an Schläuchen und Apparaten ist eher ein Dahinvegetieren. Solange der Mensch klaren Geistes ist sollte er selbst entscheiden dürfen ob er ein solches Leben für lebenswert hält.
      Stephen Hawking eines der größten Genies unserer Zeit hat sich dafür entschieden bis zum Ende mit einer schweren Krankheit zu leben. Viele haben diese Kraft nicht.
      Wer erlaubt uns über deren Leben zu entscheiden?
      Ab wann ist ein Leben lebenswert? Ist das vor sich hin dämmern unter dem Einfluss von Drogen noch leben?
      Mit welchem Recht wollen wir, die wir weder die Schmerzen noch das Leid dieser Menschen nachvollziehen können, ihnen den Rest von Würde verweigern?
      Der Schritt von der Sterbehilfe zur Euthanasie ist sehr weit. Wenn ich einem Menschen gegen seinen Willen das Leben nehme weil ich glaube das sei „in seinem Sinne“ dann ist das Mord. Wenn aber ein Mensch von Schmerzen und der Abhängigkeit von seine Angehörigen erlöst werden will, und er die strengen Kriterien erfüllt an die die Sterbehilfe gebunden ist, sollte christliche Nächstenliebe einen sanften Tod ermöglichen.
      Viele klammern sich an das letzte Fünkchen Leben, unsere Gesellschaft hat den Umgang mit dem Tod verlernt. Es sehen aber auch viele den Tod als Erlösung an.
      Natürlich darf keiner dem Suizid das Wort reden, aber eine künstliche Verlängerung von Leid und Leiden darf auch nicht die Lösung sein.
      Von einer klugen Frau mit Lungenkrebs hörte ich den Satz:“Bevor ich mich von meinen Söhnen waschen und füttern lasse geh ich ins Wasser.“ Sie wusste damals noch nicht wie nah sie diesem Zustand war. In einem „lichten Moment“ hat sie alle erreichbaren Medikamente auf einmal eingenommen. Kein schöner Tod der die Angehörigen tiefer traf als die vorherige Ankündigung.
      So etwas sollte verhindert werden. Jeder hat ein Recht auf Leben, aber jeder sollte auch das Recht auf ein Ableben in Würde uund Eigenverantwortung haben.
      Keiner sollte dazu gezwungen werden seinem Leben ein Ende zu setzen weil die Gesellschaft ein humanes Sterben nicht zulässt.

    • Alfons Van Compernolle

      -sonichtmeineherren: Ich weiss nicht, welches oder wieviel Chaos in Ihrem Kopf herrscht, aber die Sterbehilfe fuer „schwerkanke oder unheilbar Kranken“ Mitmenschen mit den Massenmorden der NAZIS
      zu vergleichen , zeigt mir welches „GEISTESKIND“ Sie sind! Da Sie sich aber auch noch auf „Gott“ und seine Gebote berufen , dann sehen Sie sich besser einmal die Bibel gut an . Schon im „Alten-Testament“ beginnt der religioese MASSENMORD in Namen Gottes ! Weder die Kathol. noch die Evangelische Kirche ist fuer mich eine „Moralinstanz“, man sehe sich deren Missionierungsfeldzuege ,
      Folterungen , Menschen-Verbrennungen und den massenhaften Kindesmissbrauch einmal an.
      Wieviele sogenannte „Heilige Vaeter“ in Rom haben mit ihren Liebschaften zusammengelebt und Kinder in die Welt gesetzt, obwohl Keuschheit & Armut gelobt wurde ???
      Es ist gut und es ist richtig, dass es zumindest hier die „Sterbehilfe“ ermoeglicht wird. Ich werde genau diesen Weg gehen, wenn sich meine unheilbare Lungen & Herzerkrankung noch weiter verschlechtern sollte. So ist es mit der Familie und mit meinem Freund & Hausarzt verabredet.

  4. Gemein(d)e

    @sonichtmeineherren
    absolut lächerlich Sie haben wohl ein paar zuviel von den wunderbaren Medikamenten genascht.

    Ich wünsche nicht oft Menschen Schlechtes , aber ihnen wünsche ich jetzt gerade die Schmerzen die diese Menschen physisch und psychisch erleiden , da sie es sich alleine mit ihrer mickrigen Empathie offenbar nicht vorstellen können.

    • Alfons Van Compernolle

      Ich habe als ganz junger Student (i.d.1970 Jahren) ueber Jahre Studentenarbeit im Pflegeheim Oberaltenallee i. HH. gemacht. Auf der Station wo ich gearbeitet habe , kammen die Krebspatienten, denen im Krankenhaus nicht mehr geholfen werden konnten, zum Sterben! Damals gab es noch nicht die heutigen Moeglichkeiten der Kazinombehandlung und diese Menschen starben elendig, was meinen Blick und Einstellung auf Sterbehilfe radikal veraendert hat. Sterbehilfe und die freie Entscheidung auf ein wuerdevolles Ableben sehe ich als Grundrecht eines jeden Mitbuergers und einer humanitaeren Gesellschaft.

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