Politik

Belgien ab dem Sommer ein Schulferien-Flickenteppich – Probleme in Brüssel und entlang der Sprachengrenzen

Schüler beim Erdkundeunterricht in einer Schulklasse: In vielen Sekundarschulen in der DG wird auch Sachfachunterricht in französischer Sprache erteilt. Foto: Shutterstock

Die Französische Gemeinschaft hat ihre Reform des Schulrhythmus bzw. des Schulferien-Rhythmus konsequent durchgezogen. Am Mittwoch wurde sie vom Parlament der Föderation Wallonie-Brüssel verabschiedet. Indes ziehen die beiden anderen Gemeinschaften Belgiens nicht mit. Das macht unser Land zu einem Schulferien-Flickenteppich.

Den Begriff vom Flickenteppich kennen wir aus der Corona-Krise. Ihn wollten die Politiker nach Möglichkeit vermeiden. Deshalb tagte in Belgien regelmäßig der Konzertierungs-Ausschuss, in dem auch die Ministerpräsidenten der Teilstaaten vertreten waren, um nach Möglichkeit landesweite Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zu beschließen.

Die Reform des Schulrhythmus haben die Frankophonen im Alleingang beschlossen. Nach der Devise: Sollen die beiden anderen Gemeinschaften doch nachziehen, wenn sie wollen, wir ziehen das Ding jetzt durch!

Der neue Schulferien-Kalender für die Französische Gemeinschaft ab dem Schuljahr 2022-2023 (Zum Vergrößern Kalender anklicken).

Anfang des Jahres war der Ministerpräsident der Französischen Gemeinschaft, Pierre-Yves Jeholet (MR), noch davon überzeugt, dass die Flamen und die Deutschsprachigen nachziehen und die Reform der Frankophonen weitgehend übernehmen würden. Jeholet erklärte damals: „Alle sagen, dass das System aus medizinischer, pädiatrischer und psychologischer Sicht funktioniert. Seit 30 Jahren wird darüber gesprochen. Es kann einige Probleme verursachen, die wir versuchen, so weit wie möglich zu begrenzen. Wenn Flandern an unserer Stelle wäre, würde man ihnen nicht vorwerfen, dass sie zu schnell voranschreiten, sondern man würde die Französischsprachigen für ihre Langsamkeit kritisieren und weil sie nicht mithalten.“

Mit anderen Worten: Die Frankophonen wollten demonstrieren, dass sie Reformen auch ohne die Flamen durchsetzen können, wenn sie diese für erforderlich halten.

Die Ministerpräsidenten der Französischen und der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Pierre-Yves Jeholet (l) und Oliver Paasch (r). Foto: Gerd Comouth

Ab diesem Sommer wird in der Französischen Gemeinschaft ein Schuljahr in einer Abfolge von 7 Unterrichtswochen (mindestens 6 und höchstens 8) und 2 Wochen Ferien organisiert sein. Deshalb spricht man auch von einem „7+2“-Schulrhythmus.

Die Ferien zu Allerheiligen und Karneval werden von einer Woche bisher auf zwei Wochen verlängert. Die Sommerferien werden auf sieben Wochen verkürzt. Der Unterricht beginnt am letzten Montag im August und endet immer am ersten Freitag im Juli. Das nächste Schuljahr startet demnach am Montag, dem 29. August 2022, und endet am Freitag, den 7. Juli 2023.

Diese Änderungen gelten jedoch nur für die Französische Gemeinschaft (Föderation Wallonie-Brüssel). Die Schulkalender der Flämischen Region und der Deutschsprachigen Gemeinschaft bleiben hingegen unverändert, ebenso der Kalender der Hochschulbildung.

Die ganz konkrete Folge davon ist, dass außer den Weihnachtsferien die übrigen Schulferien in Flandern oder der DG künftig nicht mehr systematisch zur gleichen Zeit wie in Brüssel und Wallonien stattfinden.

Bildungsministerin Lydia Klinkenberg (ProDG). Foto: Gerd Comouth

Dies kann das Leben vieler Familien in Belgien erschweren: Familien, die ihre Kinder in verschiedenen Gemeinschaften einschulen, Familien, die ihre Kinder in einer Sprache einschulen, sie aber zu Ferienkursen oder Aktivitäten (Pfadfinder usw.) in einer anderen Sprache anmelden, Lehrer in sogenannten Immersionsschulen usw. In Brüssel und entlang der Sprachengrenzen sind damit Probleme vorprogrammiert.

In Bezug auf die veränderte Ferienregelung im Unterrichtswesen der Französischen Gemeinschaft hat die DG-Regierung bereits bedauert, dass es ab dem kommenden Schuljahr unterschiedliche Ferienrhythmen in Belgien geben werde. Dies könne in der Praxis zu zahlreichen Schwierigkeiten für Eltern und Lehrpersonen führen, so Ministerpräsident Oliver Paasch (ProDG) und Bildungsministerin Lydia Klinkenberg (ProDG). Die DG wolle keine voreilige Abänderung der Ferienregelung übers Knie brechen, „die große Auswirkungen auf das gesellschaftliche, familiäre und wirtschaftliche Leben habe“, so die beiden DG-Minister.

Ministerin Klinkenberg will die Frage, ob der Schuljahresrhythmus auch in Ostbelgien verändert werden soll, mit allen betroffenen Akteuren diskutieren. Dazu werden auch zahlreiche Gutachten eingeholt. Mit einer grundlegenden Abänderung des Rhythmus der Schulferien sei deshalb in der DG in den beiden kommenden Schuljahren nicht zu rechnen, hieß es. (cre)

13 Antworten auf “Belgien ab dem Sommer ein Schulferien-Flickenteppich – Probleme in Brüssel und entlang der Sprachengrenzen”

  1. Germano-Belgier

    Als Bewohner der Grenzregion lebe ich dies täglich: ich arbeite in Belgien, meine Frau in Deutschland. Wir haben Kinder die hier und dort zur Schule gehen, zudem gibt es auch noch unterschiedliche Feiertage in B und D. Alles machbar, eine Fragen der Organisation ;)
    Da sollte es mit Flamen und Wallonen doch auch klappen, denn wo ein Wille ist…
    Trotzdem hätte man einen gemeinsamen Schritt gehen sollen, aber so ist Politik, am „kleinen Mann“ vorbei. Mal schauen, wem dies bei den nächsten Wahlen auf die Füße fällt ?

  2. Karl Wilstbach

    Es sind nicht nur die Schulferien, im Lande Belgien läuft so vieles schief, und das seit vielen Jahren! Viele Unternehmen gehören mittlerweile den Grossen Ausländischen Multis, unser maroder Staat verkauft eines nach dem anderen, und immer wieder um entstandene Löcher zu stopfen! Das einzige was unsere Politik gut kann ist fûr sich selber immer wieder Jobstellen zu erfinden. Jede Menge an Zusatzposten wurden und werden immer noch erfunden! Eines davon ist die Regionen in Belgien. So wie in Eupen z Bspl. Da haben wir paar Leutchen in Personengrösse von gut 70.000 Leuten gleich ein ganzes Parlament samt Häuptling, und auch noch eine richtige Regierung mit sage und schreibe 4 Ministerposten zu versorgen. Solch ein Unikum gibts nirgendwo auf der Welt in dem Zusammenhang und Dimmension.
    All diese Posten und das Drumherum kostet dem bereits arg gebeutelten Steuerzahler eine dicke Stange Geld, und der Nutzen liegt eindeutig beim Erfinder. Wenn die Industrie und der Mittelstand so verführen, d h viel zu viel an Personal bezahlen müsste, dann wären die allermeisten Betriebe schon längst geschlossen wegen Bankrotts.
    Es ist allerhöchste Zeit dass unser Land sich eines besseren bedient, und dem Überfluss endlich ein Ende setzt bei der nächsten Staatsreform. In dem Zusammenhang sind die ersten der Nutzniesser jetzt schon am Vorarbeiten um ja ihre Posten und Nebenjobs zu erhalten!? Dem sollte allerdings ein dicker Riegel vorgeschoben werden.

  3. DIeses Beispiel zeigt wie ein Belgien zu viert auch aussehen kann. Schon jetzt haben wir unterschiedliches Kindergeld in der Wallonie und in der DG, und Gottseidank sind die Kinder in der DG mehr wert als bei unseren Nachbarn. So mancher der meint ein Belgien zu viert seine Lösung soll sich das noch mal gut überlegen.

  4. Besorgte Mutter

    Wo ist denn das Problem?
    In Deutschland hat doch auch jedes Bundesland seinen eigenen Ferienplan und in Belgien scheiden doch nur die Französischsprachigen aus der Gemeinsamkeit aus. Das ganze ist vielleicht gar nicht so schlecht, dann haben wir zu gewissen Zeiten mehr Platz an der Küste.

    • Peter Müller

      Das wird in Deutschland schon Jahre so gehandhabt. Was wäre los, wenn alle zur gleichen Zeit in Urlaub fahen würden. das haben sie bei uns noch nicht begriffen, Hauptsache 8 Unendlich lange Wochen Urlaub am Stück.

      • Eastwind

        Peter Müller, Sie sollten sich besser über die belgischen Verhältnisse informieren. Belgien ist mit Deutschland nicht zu vergleichen, vor allem weil es in Belgien eine Region wie Brüssel gibt, in der sich eine Region und zwei Gemeinschaften (flämische und französische) überlappen. Schon deshalb würde eine einheitliche Regelung für ganz Belgien Sinn machen.

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