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Kampagne „Pendeln neu rechnen“ soll die Vorzüge einer Arbeitsstelle in Ostbelgien sichtbarer machen

DG-Ministerpräsident Oliver Paasch (2.v.r.) mit Vertretern des Arbeitgeberverbandes AVED-IHK Ostbelgien und der Mittelstandsvereinigung Ostbelgien (MSVO) bei der Vorstellung der Kampagne "Pendeln neu rechnen". Foto: Kabinett Paasch

Jeden Tag pendeln mehrere tausend Menschen aus Ostbelgien zur Arbeit nach Luxemburg und Deutschland, während hiesige Unternehmen gleichzeitig Fachkräfte suchen. Eine neue gesetzliche Regelung, die seit Juni 2026 gilt, könnte diese persönliche Rechnung für viele Pendler verändern.

Mit der Kampagne „Pendeln neu rechnen“ laden die Regierung der DG, der Arbeitgeberverband AVED-IHK Ostbelgien und die Mittelstandsvereinigung Ostbelgien (MSVO) Arbeitnehmer, die täglich nach Deutschland, Luxemburg oder in andere Regionen pendeln, dazu ein, ihre berufliche Situation neu zu betrachten.

Willkommener Anlass ist die neue Regelung zu freiwilligen Überstunden in Belgien. Sie eröffnet Beschäftigten zusätzliche Möglichkeiten, ihr Nettoeinkommen zu erhöhen. „Und damit vielleicht auch eine gute Gelegenheit, die eigene berufliche Situation neu zu bewerten. Im Mittelpunkt steht jedoch nicht allein die Frage, wo das höchste Monatsgehalt gezahlt wird, sondern was unter dem Strich von Einkommen, Arbeitszeit, Pendelaufwand und Lebenszeit bleibt“, so die Initiatoren der Kampagne.

– Arbeiten, wo andere ihre Freizeit verbringen: Das Pendeln über die Grenzen gehört zur ostbelgischen Realität. Die Nähe zu Deutschland oder Luxemburg eröffnet Arbeitnehmern viele berufliche Möglichkeiten. Gleichzeitig verfügt Ostbelgien selbst über einen vielfältigen Arbeitsmarkt mit Familienunternehmen und Mittelständlern ebenso wie mit international tätigen Betrieben. Von Industrie und Logistik über Bau und Handwerk bis hin zu Dienstleistungen, Gesundheit und spezialisierten Nischen finden sich unterschiedlichste Berufsbilder und Entwicklungsmöglichkeiten.

Diese aktualisierte Grafik zeigt die Pendlerströme aus und zur DG. Zum Vergrößern Grafik anklicken. Quelle: Ostbelgien Statistik, Pendlergrafik 2026

Auch die Lebensregion Ostbelgien hat viel zu bieten: Natur, Kultur, Sport und ein dichtes Vereinsleben liegen für viele Menschen direkt vor der Haustür. „Ostbelgien ist eine Grenzregion. Es wäre falsch, grenzüberschreitende Mobilität als Problem darzustellen. Sie gehört zu unserer Realität und bietet viele Chancen. Aber gerade deshalb sollten die Menschen auch wissen, welche beruflichen Möglichkeiten hier vor Ort bestehen“, erklärt Ministerpräsident Oliver Paasch.

Denn der Arbeitsplatz ist nur ein Teil der persönlichen Rechnung. Die andere Seite beginnt nach Feierabend. Wer morgens zur Arbeit fahre und abends wieder nach Hause komme, investiere nicht nur Arbeitszeit, sondern auch Zeit für den Weg dorthin. Diese Zeit stehe logischerweise nicht mehr zur Verfügung für die Familie, den Sport, den Verein oder einfach für das eigene Leben. Deshalb lohne es sich, die persönliche Rechnung nicht nur in Euro, sondern auch in Stunden aufzumachen.

– Fachkräfte werden gesucht und pendeln gleichzeitig aus: Diese Betrachtung gewinnt angesichts der Entwicklung des ostbelgischen Arbeitsmarktes an Bedeutung. In der DG liegt die Ersatzquote bei rund 0,4: Auf zehn Menschen, die den Arbeitsmarkt verlassen, rücken nur etwa vier nach. Ein Teil dieser Nachwuchskräfte arbeitet wiederum außerhalb Ostbelgiens. Gleichzeitig gaben 87 Prozent der befragten ostbelgischen Arbeitgeber in einer Erhebung des Wirtschafts- und Sozialrats 2025 an, vom Fachkräftemangel betroffen zu sein; 48,2 Prozent erklärten sogar, keine geeigneten Fachkräfte mehr zu
finden.

Für Unternehmen entsteht damit eine besondere Situation: Sie suchen händeringend Fachkräfte, während gleichzeitig viele Menschen täglich die Region verlassen, um andernorts zu arbeiten. „Wir wollen niemandem vorschreiben, wo er arbeiten soll. Aber wir wollen erreichen, dass eine berufliche Entscheidung auf der Grundlage der vollständigen Rechnung getroffen wird. Dazu gehört auch die Frage, was die Unternehmen in Ostbelgien zu bieten haben“, sagt Samuel Deneffe, Stellvertretender Geschäftsführer der AVED-IHK Ostbelgien.

Das Fachkräfebündnis bei seiner Gründung im Jahr 2018 (v.l.n.r): Oliver Paasch, Ministerpräsident, Roger Kniebs, WSR, Volker Klinges, IHK, Prof. Dr. Franz Palm, WFG, Robert Nelles, Arbeitsamt, Nathalie Klinkenberg, WFG, Dr. Verena Greten, IAWM, Ewald Gangolf, IAWM, Isabelle Weykmans, Vize-Ministerpräsidentin. Foto: Regierung DD

Auch für die hiesige Mittelstandsvereinigung MSVO ist die Kampagne deshalb mehr als eine klassische Standortwerbung. „Unsere Unternehmen bieten nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Entwicklungsmöglichkeiten, Verantwortung und interessante berufliche Perspektiven. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist es wichtig, diese Möglichkeiten sichtbar zu machen und mit den Menschen aus der Region ins Gespräch zu kommen“, erklärt Daniel Pavonet, Vorstandsmitglied der MSVO.

– Neue Überstundenregelung ein Anlass zum Umdenken? Seit dem 1. April 2026 können Arbeitnehmer in Belgien durch eine neue Regelung bis zu 360 freiwillige Überstunden pro Kalenderjahr leisten. Für 240 dieser Stunden gilt das Prinzip „brutto = netto“: Sie werden ohne Lohnzuschlag, Sozialabgaben und Berufssteuervorabzug ausgezahlt. Grundlage bleibt eine freiwillige schriftliche Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Beschäftigte können damit ihr Nettoeinkommen erhöhen, während Unternehmen zusätzliche Flexibilität erhalten. Hinzu kommen Faktoren, die auf den ersten Blick nicht immer sichtbar sind, wie unterschiedliche Stundenzahlen bei Vollzeitwochen oder zusätzliche Vergütungsmodelle wie Urlaubsgeld und Jahresendprämie.

– „Pendeln neu rechnen“ macht Möglichkeiten sichtbar: Genau hier setzt die Kampagne an. Sie sensibilisiert und stellt gleichzeitig die beruflichen Möglichkeiten in Ostbelgien stärker in den Mittelpunkt. Dazu werden in den kommenden Wochen verschiedene Formate eingesetzt: Video-Porträts geben Einblicke in ostbelgische Unternehmen und Berufsbilder. Ehemalige Pendler erzählen, warum sie sich für einen Arbeitsplatz in Ostbelgien entschieden haben. Im Arbeitgeber-Schaufenster der Standortmarke können sich regionale Unternehmen und öffentliche Einrichtungen präsentieren. Eine LinkedIn-Gruppe erleichtert ihrerseits den Austausch zwischen Fachkräften und Arbeitgebern.

27.05.2011, Nordrhein-Westfalen, Aachen: Autos passieren die Grenze. Foto: Oliver Berg/dpa

„Die Kampagne soll keine Entscheidung vorwegnehmen. Sie soll eine Information liefern, die bei dieser Entscheidung vielleicht zu wenig berücksichtigt wurde: Was gibt es eigentlich direkt vor meiner Haustür?“, betont Ministerpräsident Paasch.

Auch die ostbelgischen Arbeitgeber sind eingeladen, sich zu beteiligen. Über die Kampagnenseite steht ein kostenloses Medienpaket mit Textbausteinen, Bildern und einem E-Mail-Banner zur Verfügung. Der Arbeitgeberverband AVED-IHK Ostbelgien stellt zusätzlich Badges bereit, mit dem Unternehmen in ihren Stellenanzeigen sichtbar machen können, dass sie die neue Überstundenregelung anwenden. „Je mehr Unternehmen mitmachen, desto sichtbarer wird, was der Arbeitsmarkt Ostbelgien tatsächlich zu bieten hat. Wir haben herausragende und zum Teil weltweit größte erfolgreich agierende Unternehmen mit anspruchsvollen, vielfältigen und spannendes Arbeitsumfeldern“, so Samuel Deneffe. „Pendeln neu rechnen“ soll in diesem Sinne dazu beitragen, dass bei der nächsten beruflichen Entscheidung alle Möglichkeiten auf dem Tisch liegen – auch und gerade die, die sich vor der eigenen Haustür eröffnen.

„Es geht nicht darum, einen auswärtigen Standort schlechtzureden. Entscheidend ist die persönliche Jahresrechnung: Was verdiene ich, wie viel arbeite ich dafür, wie viel Zeit verbringe ich auf dem Weg zur Arbeit und welche zusätzlichen Kosten und Leistungen kommen hinzu? Diese Rechnung kann für jeden Menschen anders aussehen“, sagt Pavonet. (cre)

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