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„Die Hebamme vom Altenberg“: Louis Goebbels‘ Roman lässt kurioses Kapitel europäischer Grenzgeschichte neu aufleben

Buchautor Louis Goebbels. Foto: Patrick von Staufenberg

Mit dem historischen Roman „Die Hebamme vom Altenberg“ entführt der ostbelgische Autor Louis Goebbels seine Leser in eines der außergewöhnlichsten und zugleich rätselhaftesten Kapitel der europäischen Grenzgeschichte.

Vor dem historischen Hintergrund des ehemaligen Neutral-Moresnet erzählt der Roman des ehemaligen Bürgermeisters der Gemeinde Kelmis eine bewegende Geschichte über Menschlichkeit, Verzweiflung, Hoffnung und die weitreichenden Folgen gesellschaftlicher Zwänge.

Im frühen 19. Jahrhundert entstand mit Neutral-Moresnet ein europaweit einzigartiges Staatsgebilde. Weil sich Preußen und das Königreich der Niederlande auf dem Wiener Kongress nicht über die Schürfrechte des ertragreichen Zinkvorkommens am Altenberg einigen konnten, wurde das lediglich 3,5 Quadratkilometer große Gebiet unter einen Neutralstatus gestellt. Das daraus entstandene juristische Vakuum machte den kleinen Ort nicht nur zu einem Zentrum des Zinkbergbaus, sondern eröffnete zugleich Freiräume, die andernorts undenkbar gewesen wären.

Das Cover des neuen Romans von Louis Goebbels „Die Hebamme von Altenberg“. Foto: GEV

Louis Goebbels greift in seinem Roman ein besonders sensibles Kapitel dieser Geschichte auf. Im Mittelpunkt steht das Institut einer Hebamme, das für viele unverheiratete oder verzweifelte junge Frauen aus dem In- und Ausland zur letzten Hoffnung wurde. Wenn die Kindsväter sich ihrer Verantwortung entzogen und gesellschaftliche Ächtung drohte, fanden Neugeborene hier oftmals neue Familien – sei es aus aufrichtigem Kinderwunsch oder aus wirtschaftlichen Motiven. Zwischen Mitgefühl, Not und moralischer Ambivalenz entwickelt sich eine vielschichtige Erzählung über Schicksale, die von den damaligen Lebensumständen geprägt wurden.

Besonders eindringlich schildert der Autor die langfristigen Folgen dieser Entscheidungen. Die sogenannten „Kaufkinder“ wachsen häufig mit offenen Fragen nach ihrer Herkunft und Identität auf – Fragen, die nicht selten das Leben aller Beteiligten nachhaltig beeinflussen. So verbindet der Roman historische Ereignisse mit universellen Themen wie Familie, Verantwortung, Zugehörigkeit und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben.

Mit großer erzählerischer Dichte verknüpft Louis Goebbels historische Fakten mit literarischer Fiktion. Entstanden ist ein atmosphärischer Roman, der die besondere Geschichte des Altenbergs und von Neutral-Moresnet lebendig werden lässt und zugleich ein bislang wenig bekanntes Stück Regionalgeschichte einem breiten Publikum näherbringt.

Mit „Die Hebamme vom Altenberg“ erweitert der Grenz-Echo Verlag sein belletristisches Programm um einen historischen Roman, der Spannung und emotionale Tiefe verbindet. Das Buch richtet sich an Leser historischer Romane ebenso wie an alle, die sich für die faszinierende Vergangenheit der Grenzregion zwischen Belgien, Deutschland und den Niederlanden interessieren. Das Buch ist ab September 2026 erhältlich.

Louis Goebbels, Die Hebamme vom Altenberg, 148 Seiten, 13 × 21 cm, Paperback mit Klappen, 14,00 Euro – ISBN 978-3-86712-219-1

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