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Über 60 Tote bei schwerem Zugunglück in Spanien – Menschliches Versagen?

28.10.2026, Spanien, Urda: Rettungskräfte sind am Unfallort nach einer Kollision zwischen zwei Zügen im Einsatz. Foto: Manu Fernandez/AP/dpa

Spaniens Hochgeschwindigkeitsnetz galt lange als Vorbild für Europa. Nun kommt es zum zweiten schweren Unglück innerhalb von neun Monaten. Sind die auch bei Touristen beliebten Züge des Landes sicher?

Bei einem schweren Zugunglück sind in Spanien mindestens 64 Menschen ums Leben gekommen. Zwei Hochgeschwindigkeitszüge stießen am Morgen nahe Urda in der Provinz Toledo rund 130 Kilometer südlich von Madrid zusammen. Es könne weitere Tote geben, „weil es bislang noch nicht möglich war, bis ins Innere aller Waggons vorzudringen“, sagte der Präsident der Region Kastilien-La Macha, Emiliano García-Page, vor Ort vor Journalisten. Die Zahl der Schwerverletzten wurde mit rund 50 angegeben. Zu Ausländern unter den Opfern wurde vorerst nichts bekannt.

Warum es zu dem Unglück kam, war zunächst unklar. Es ereignete sich kurz vor neun Uhr, als ein Zug des privaten Bahnunternehmens Iryo aus bislang unbekannten Gründen zum Stehen kam und ein nachfolgender Zug der staatlichen Gesellschaft Renfe von hinten auf ihn auffuhr. Zwei Iryo-Wagen und ein Renfe-Waggon entgleisten und stürzten einen Bahndamm hinunter. In beiden Zügen waren nach amtlichen Angaben insgesamt rund 540 Passagiere von Madrid nach Andalusien unterwegs.

28.10.2026, Spanien, Urda: Rettungskräfte versorgen die Opfer am Unfallort einer Kollision zwischen zwei Zügen. Foto: Manu Fernandez/AP/dpa

Der Bahnverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde in beide Richtungen unterbrochen. Am Unglücksort waren Feuerwehrleute sowie Zivilschutzkräfte aus umliegenden Gemeinden im Einsatz. Zudem wurden drei Rettungshubschrauber und mobile Intensivstationen zur Versorgung der Verletzten eingesetzt. Das Innenministerium ordnete zudem den Einsatz der militärischen Nothilfeeinheit UME an. Krankenhäuser riefen zu Blutspenden auf.

Nur neun Monate nach einer ähnlichen Bahnkatastrophe, bei der im Januar 46 Menschen ums Leben kamen, wirft die neue Tragödie viele unbequeme Fragen auf. Das moderne Hochgeschwindigkeitsnetz des Landes stand lange für Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Es ist auch bei Touristen beliebt. Jetzt fragen sich viele: Hat Spanien vielleicht ein strukturelles Problem? Hat man vielleicht die Zeichen einer Überlastung übersehen?

Nach ersten Ermittlungen könnte menschliches Versagen die Ursache sein, berichtete die Zeitung „El País“. Ein Mitarbeiter des Kontrollzentrums in Madrid habe möglicherweise dem Renfe-Zug irrtümlich grünes Licht gegeben, hieß es. Rafael Escudero, Sprecher der spanischen Eisenbahngewerkschaft, sagte: „Ich sage schon seit langem, dass der Zustand unseres Bahnnetzes nicht angemessen ist.“ (dpa)

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