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LESERBRIEF – Die Raerener Müll-Abzocke

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Das neue Tonnensystem von INTRADEL wird uns als faires „Verursacherprinzip“ verkauft. Doch wer nachrechnet, sieht vor allem eine massive Gebührenerhöhung.

Ab 2027 steigt die feste Grundgebühr für einen Zwei-Personen-Haushalt von bisher 103 Euro auf stolze 172 Euro – und zwar völlig unabhängig davon, wie gut man Müll trennt.

Wer vorbildlich Müll vermeidet, wird am Jahresende sogar bestraft: Das bezahlte Mindestguthaben verfällt einfach, statt erstattet oder ins Folgejahr übernommen zu werden. Da hilft es auch wenig, dass ungenutzter Restmüll (bis zu 10 kg) auf den Biomüll umgeschrieben werden kann.

Am Ende gibt INTRADEL sogar offen zu: Weil wir Bürger Müll sparen, werden Kapazitäten für Industriemüll frei, welcher für Intradel wesentlich lukrativer ist. Wir zahlen im Voraus, machen Platz für Gewerbe und zahlen am Ende durch steigende Tarife drauf.

Dazu kommt eine lückenlose Überwachung, die Unmengen an Steuergeldern verschlingt. Die Anschaffung der RFID-Chips, die aufwändige Datenanalyse und das Personal, das bunte Kontroll-Aufkleber auf die Tonnen klebt, kosten ein Vermögen.

Man will den Bürger erziehen und dazu werden Steuergelder verpulvert, die man anderweitig sinnvoll nutzen könnte. Hinzu kommt die Frage der Zuverlässigkeit: Wer garantiert uns eigentlich, dass die Waagen an den Müllwagen exakt messen? Nässe, Frost oder technische Fehler können das Gewicht leicht verfälschen, doch wir müssen dem System blind vertrauen.

Zudem ignoriert das System die Gefahr von illegalem Fremdmüll. Zwar wird gegen Aufpreis ein Schloss angeboten, doch der absolute Witz dabei ist: Wir müssen dieses Schloss selbst bezahlen, aber es bleibt im Eigentum von INTRADEL.

Besonders respektlos ist das System gegenüber chronisch Kranken und Pflegebedürftigen. Wer auf Inkontinenzmaterial angewiesen ist, muss sensible ärztliche Atteste bei der Gemeindeverwaltung einreichen, um Freibeträge zu erhalten. Das ist ein untragbarer Eingriff in den Patientendatenschutz.

Die öffentliche Aussage von Umweltschöffe Guido Deutz, es handele sich hierbei vor allem um „Männer mit Prostataproblemen“ und das sei ja nur „vorübergehend“, schlägt dem Fass den Boden aus. Es zeugt von mangelndem Feingefühl und einer erschreckenden Respektlosigkeit gegenüber betroffenen Frauen und Schwerkranken in unserer Gemeinde.

Am Ende zeigt sich eine Politik, die mit zweierlei Maß misst. Während beim alltäglichen Leben der Bürger die Daumenschrauben angezogen werden, geht der Schöffenrat bei eigenen Prestigeprojekten ungedeckte Millionenrisiken ein.

Bestes Beispiel ist der Neubau der Sporthalle Eynatten, dessen Kosten von ursprünglich geschätzten 12,76 Millionen Euro auf mittlerweile rund 14,1 Millionen Euro gestiegen sind. Trotz eines Finanzlochs von 1,36 Millionen Euro wird das Großprojekt sehenden Auges durchgezogen.

Für Großprojekte ist das Geld vorhanden, für den normalen Bürger nicht. Diese Politik entscheidet nicht mehr im Sinne der Menschen, sondern im eigenen Interesse. Das Vertrauen ist verspielt.

05.11.2026 Aimée Lamour, Raeren

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