In der Kälte der Antarktis fängt ein riesiger Eiswürfel Geisterteilchen ein. Zentrale Grundlagen dafür hat der diesjährige Nobelpreisträger für Physik geschaffen. Und der stammt aus Belgien.
Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an den bergischen Teilchenforscher Francis Halzen (82) für entscheidende Beiträge zum Neutrino-Observatorium „IceCube“.
„Seine Hartnäckigkeit und wissenschaftliche Vision haben den Weg für eine neue Art der Astronomie geebnet“, sagte der Vorsitzende des Physik-Nobelkomitees, Mark Pearce.
Halzen, der an der Universität von Wisconsin in Madison forscht, erkannte demnach, dass sich das Eis am Südpol zur Verfolgung von Neutrinos – oft Geisterteilchen genannt – eignet.
Seine Pläne präsentierte er erstmals 1988. Diese Vision und seine wissenschaftliche Führungsrolle seien von grundlegender Bedeutung für „IceCube“ gewesen – einen Kubikkilometer Eis, der mit Sensoren ausgestattet ist und 2011 fertiggestellt wurde.

06.10.2026, Schweden, Stockholm: Während der Bekanntgabe des Preisträgers des Nobelpreises für Physik 2026 in der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm, Schweden, wird auf dem Bildschirm ein Porträt von Francis Halzen gezeigt. Foto: Christine Olsson/TT News Agency/dpa
Mit dem Observatorium können Forscher Neutrinos aus extrem energiereichen Prozessen im fernen Universum erfassen. „Francis Halzen hat ein internationales Team von Forschern und Ingenieuren angeführt, das uns mit einem fantastischen Instrument ausgestattet hat“, sagte Pearce.
– „Ein geisterhafter Bote aus dem Weltraum“: Neutrinos zählen zu den geheimnisvollsten Elementarteilchen. Im Mittel treffen pro Sekunde zehn Milliarden auf jeden Quadratzentimeter der Erdoberfläche. Sie sind jedoch recht scheue Gesellen: Sie treten mit gewöhnlicher Materie kaum in Wechselwirkung. Um die flüchtigen Partikel nachzuweisen, sind große Materiemengen nötig, die aus möglichst reinen Stoffen bestehen, die mit Neutrinos reagieren können. Ein solcher Stoff ist beispielsweise Wasser – im Eis der Antarktis liegt es in großen Mengen in ausreichend reiner Form vor.
Reagiert ein Neutrino – was selten vorkommt – mit einem Wassermolekül, so entstehen elektrisch geladene Teilchen, die mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durch das Eis rasen und dabei Licht aussenden, die sogenannte Tscherenkow-Strahlung.

07.12.2021, Berlin: Die Medaille des Nobelpreises für Physik. Die Rückseite stellt die Natur in Form einer Göttin dar, die aus den Wolken auftaucht und ein Füllhorn hält. Der Schleier, der ihr Gesicht bedeckt, wird vom Genie der Wissenschaft hochgehalten. Foto: Stefanie Loos/AP-Pool/dpa
Nach diesem Licht suchen die Forscher mit „IceCube . Seine Kantenlänge beträgt einen Kilometer. Mehr als 5.000 Lichtverstärker haben die Physiker des «IceCube»-Projekts dort versenkt. So können sie Tscherenkow-Licht nicht nur einfangen, sondern auch die Richtung bestimmen, aus der es kommt – und damit auch die Herkunftsrichtung der Neutrinos.
Die von der Anlage entdeckten Wechselwirkungen könnten Erkenntnisse zu den Ursprungsbedingungen der hochenergetischen Neutrinos liefern und kosmische Phänomene enthüllen, die bislang noch unbekannt seien, erklärte das Nobelkomitee.
– Derzeit in Italien: Der Preisträger hält sich derzeit in Italien auf. Es sei eine große Freude, von dem Preis zu erfahren, sagte Halzen, als er vom Nobelkomitee zur Preisbekanntgabe zugeschaltet wurde. Es fühle sich „seltsam“ an, den Nobelpreis zugesprochen zu bekommen.
Über seine Pläne für seinen großen Tag sagte der frisch gekürte Nobelpreisträger, er arbeite derzeit an einem wissenschaftlichen Antrag und hoffe darauf, dass der Preis die Chancen darauf erhöhe, dass dieser angenommen werde.
Halzen wurde 1944 in Tienen geboren. 1969 promovierte er an der Katholischen Universität Leuven. (dpa)
Naja, mittlerweile wohl eher Amerikaner. Hier ist er lediglich ausgebildet worden, da sind wir zum Glück noch gut drin. Innovationen erfolgen dann im Ausland.