Mehrere Zehntausend Menschen gehen bei Jugendprotesten in Aachen und anderen Städten auf die Straße. In Deutschland hatte die Initiative „Gen Z regelt“ zu Protesten aufgerufen. Sie setzt sich unter anderem für mehr Klimaschutz, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und gegen eine Wehrpflicht ein. In Frankreich verläuft der Protesttag zunächst ruhig. Am späten Nachmittag gibt es jedoch erste chaotische Bilder.
Mehrere Zehntausend Menschen haben sich in Deutschland den bundesweiten Jugendprotesten angeschlossen. Zum Auftakt am frühen Nachmittag kamen in mehreren Städten zunächst weniger Teilnehmer als angemeldet, die Zahlen stiegen dann aber im weiteren Verlauf stark an.
Vielerorts wurde ein friedlicher Protestbeginn gemeldet, teils wurden aber Demonstrationen wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot gestoppt. Am Rande einiger Proteste wurde laut Polizei zudem Pyrotechnik gezündet.

31.10.2026, Nordrhein-Westfalen, Aachen: Demonstranten ziehen mit Plakaten und Pyro-Fackeln durch die Straßen am Elisenbrunnen. Foto: Roberto Pfeil/dpa
Zu den friedlichen Demonstrationen in mehr als 30 deutschen Städten hat die Initiative „Gen Z regelt“ aufgerufen. Sie fordert mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, für soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz. Eine Wehrpflicht lehnt sie ab, ebenso einen Ausbau staatlicher Überwachung.
Die Initiative „Gen Z regelt“ sprach nach Rückmeldung aus zunächst 12 Städten am späten Nachmittag von insgesamt mehr als 68.000 Teilnehmern. Bundesweite Zahlen der Polizei lagen zunächst nicht vor, in einigen Städten fielen sie aber niedriger aus als die Angaben der Veranstalter.
Wie viele Menschen am Ende zu den angemeldeten Demos in 34 Städten kommen, war offen. Auf der Homepage von „Gen Z regelt“ konnte man mit einem einfachen Mausklick angeben, dabei sein zu wollen. Das hatten bis 16.30 Uhr zwar mehr als 183.900 Menschen gemacht. Die in den Städten offiziell angemeldeten erwarteten Teilnehmerzahlen sind allerdings deutlich niedriger.
– Aufruf zu friedlichem Protest: Die Organisatoren von „Gen Z regelt“ riefen ausdrücklich zu friedlichem Protest auf und lehnen jede Form von Gewalt ab. Auf ihrer Website machten sie deutlich, dass sie keine extremistischen Gruppen und verfassungsfeindliche Symbole bei ihren Demonstrationen haben wollen. Sie warnten vor Glas und Waffen sowie Provokationen gegenüber der Polizei und wiesen auf das für Demonstrationen geltende Vermummungsverbot hin. Bei Protesten vor allem in Frankreich war es zu Ausschreitungen mit Gewalt, Plünderungen und Brandstiftung gekommen.

31.10.2026, Nordrhein-Westfalen, Köln: Polizeibeamte stehen bei der Demonstration im Rauch. Die Initiative „Gen Z regelt“ hat für den 31. Oktober zu Protesten in rund 30 Städten aufgerufen. Foto: Thomas Banneyer/dpa
Aus Angst vor Ausschreitungen hatten viele Einzelhändler in den Innenstädten und vor allem in Luxus-Einkaufsstraßen größerer Städte vorsorglich ihre Schaufenster mit Holzplatten verbarrikadiert. Die Polizei war teils mit mehreren Hundertschaften im Einsatz sein, um Präsenz zu zeigen.
Die Demonstrationen in Deutschland wurden von einem Organisationsteam um „Gen Z regelt“ betreut. Bei den anderen Orten hat sich dieses als nicht zuständig für Inhalt und Organisation erklärt, weist auf seiner Website aber auf diese Veranstaltungen hin und ruft zur Teilnahme auf.
– Kölner Demo wegen Vermummung kurzfristig abgesagt: In Köln sagte die Polizei wegen der Vermummung einiger Teilnehmer und des Einsatzes von Pyrotechnik den Demonstrationszug kurzfristig ab. „Die Demo wird als Standkundgebung weitergehen“, sagte eine Polizeisprecherin. Auch in Frankfurt/Main wurde der Demozug teils gestoppt wegen Pyrotechnik und vermummter Teilnehmer. In Stuttgart hat die Polizei die Demonstration mehrfach angehalten – weil Demonstranten von der offiziellen Route abwichen, sich vermummten und Pyrotechnik zündeten.
320.000 demonstrieren in Frankreich – Erste Spannungen
Nach einem insgesamt ruhigen Start des landesweiten Protesttags in Frankreich ist es am späten Nachmittag zu ersten Spannungen zwischen Sicherheitskräften und Menschen vor Ort gekommen. Unter anderem in Paris und Lyon setzten Ordnungskräfte Tränengas ein.
In Paris waren Explosionen von Feuerwerkskörpern zu hören, Bilder im Sender BFMTV zeigten, wie Einsatzkräfte von Flammen erfasst wurden.

31.10.2026, Sachsen, Leipzig: Teilnehmer einer Demonstration zünden Pyrotechnik und zeigen ein Transparent mit der Aufschrift „Kämpfen wie die Jugend in Frankreich“. Foto: Sebastian Willnow/ dpa
Die Situation in der Hauptstadt spitzte sich zu, nachdem der dortige Demonstrationszug am Endpunkt seiner Route an der Porte de Chanteron am Stadtrand angekommen war. Spezialeinheiten der Polizei forderten die Demonstrierenden Berichten zufolge auf, den Ort zu verlassen. Die Auflösung kam nur langsam voran. Zuvor hatte der Pariser Polizeipräfekt Patrice Faure noch im Sender BFMTV gesagt, dass die Demonstration reibungslos zu verlaufen scheine. (dpa)