Politik

Freches: „Vennbrand hat unserer Region und dem Tourismussektor einen erheblichen Schlag versetzt“

Valérie Lescrenier (l) und Gregor Freches (M), die für den Tourismus zuständigen Minister der Wallonischen Region und der DG, bei einem Besuch des Hohen Venns. Foto: Kabinett Freches

Der für den Bereich Tourismus zuständige DG-Minister Gregor Freches (PFF) hat am Dienstag im Ausschuss II des Parlaments zu den Auswirkungen des Großbrands im Hohen Venn auf den Tourismussektor Stellung bezogen. Freches antwortete auf Fragen der Abgeordneten Lukas Teller (CSP), Björn Klinkenberg (SP) und Karin Messerich (ProDG).

„Der Brand vom 14. August hat unsere Heimat und unseren Tourismussektor in einer Kernzone unserer Identität getroffen. Das Hohe Venn ist eines der touristischen Aushängeschilder Ostbelgiens. Die Bilder der Rauchwolken und der Brandherde haben sich tief in das Gedächtnis vieler Menschen eingeprägt“, betonte der Minister.

Zwei Kernbereiche des ostbelgischen Beherbergungssektors würden besonders hart getroffen, nämlich die Hotels und die Campingplätze. Nach den Berechnungen von „Tourisme Wallonie“ auf Basis der Rückmeldungen aus insgesamt 89 beteiligten Betrieben, gab es allein in der Deutschsprachigen Gemeinschaft für die drei Wochen nach dem 14. August einen Rückgang von fast 14.500 Übernachtungen. Der damit verbundene geschätzte Einnahmenausfall beläuft sich auf knapp 584.000 Euro. Die Ausfälle in den angrenzenden frankophonen Gemeinden würden mit 137.940 Euro deutlich geringer ausfallen.

Valérie Lescrenier (2.v.l) und Gregor Freches (2.v.r), für den Tourismus zuständige Minister der Wallonischen Region und der DG, im Gespräch mit Einsatzkräften. Foto: Kabinett Freches

– Hoffen auf sonnigen Herbst: „Diese Zahlen zeigen, dass der Brand die Wahrnehmung unserer Destination erheblich erschüttert hat und dass die wirtschaftlichen Folgen für einzelne Betriebe real und spürbar sind.“ Dennoch gibt es nach Ansicht des Ministers auch erste Lichtblicke: „Die Saison vor dem Brand verlief erfreulich gut, und wir erhalten von den wallonischen Kollegen Berichte über erste bewusste Solidaritätsbuchungen von Gästen, die unsere Region gerade jetzt unterstützen wollen. Bei einem sonnigen Herbst hoffen wir sehr, einen Teil des bisherigen Abwärtstrends abfedern zu können.“

Die Regierung der DG ist laut Freches bemüht, der Wahrnehmung entgegenzutreten, ganz Ostbelgien sei von den Folgen des Brandes betroffen. „Ein besonderer Fokus unserer Medienarbeit liegt dabei auf dem für uns essenziellen flämischen Markt, wo wir mit Nachdruck vermitteln, dass der überwiegende Teil der touristischen Infrastruktur intakt und erlebbar bleibt.“ Zudem werde aktiv der Kontakt zu inländischen Medien gesucht, um eine sachliche und differenzierte Berichterstattung über das Hohe Venn und die gesamte Region zu fördern.

– Finanzielle Hilfen für erlittene Umsatzausfälle: Was die Frage finanzieller Unterstützungsmaßnahmen oder Entschädigungen betrifft, so sind nach Darstellung des DG-Ministers die Zuständigkeiten in diesem Bereich klar festgelegt. „Da die Wirtschaftspolitik in der Wallonischen Region liegt, fallen die Verhandlung und eine etwaige Bereitstellung direkter finanzieller Hilfen für erlittene Umsatzausfälle in die primäre Verantwortung unserer wallonischen Kollegen. Auch Versicherungsfragen sind in diesem Zusammenhang zu klären.“

Das bedeutet laut Freches jedoch nicht, dass die Regierung der DG untätig bleibe. „Wir stehen hierzu im engen Austausch mit unseren wallonischen Partnern und werden die Interessen und die besondere Betroffenheit der ostbelgischen Betriebe in diesen Gesprächen weiterhin einbringen. Gleichzeitig beobachten wir die weitere Entwicklung der Buchungen und Übernachtungen aufmerksam.“

25.08.2026, Belgien, Waimes: Die EU-Kommissarin für Gleichstellung, Katastrophenvorsorge und Krisenmanagement, Hadja Lahbib (l), und der wallonische Ministerpräsident Adrien Dolimont stehen bei einem Besuch auf der Aussichtsplattform von Botrange. Foto: Emile Windal//dpa

– Zwei zentrale Hausaufgaben: Politisch habe die DG für die Zukunft zwei zentrale Hausaufgaben zu erledigen: „Kurz- und mittelfristig müssen zerstörte touristische Infrastrukturen zügig wieder aufgebaut und die Kooperation mit den wallonischen Partnern weiter vertieft werden. Längerfristig muss sich unsere Strategie jedoch grundlegend weiterentwickeln. Der Schutz dieser einmaligen Naturlandschaft, die Lebensqualität unserer Bevölkerung und eine professionelle Besucherlenkung müssen noch stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Wir müssen lernen, das Hohe Venn als ein kostbares Gut zu schützen und künftig verstärkt für einen verantwortungsvollen, sensiblen Umgang mit diesem Naturraum zu werben.

Freches weiter: „Vor allem aber müssen wir uns touristisch thematisch breiter aufstellen. So einzigartig das Hohe Venn ist, so wichtig ist es, dass wir touristisch nicht von einem einzigen Aushängeschild abhängig sind. Wir möchten deshalb in Zukunft die vielen anderen Stärken Ostbelgiens noch deutlicher hervorheben und vermarkten – von unseren Rad- und Wanderangeboten über die Vennbahn und unsere Kultur bis hin zu Gastronomie und Familienangeboten.“

Abschließend betonte Freches: „Der Vennbrand hat unserer Region und insbesondere Teilen unseres Tourismussektors einen erheblichen Schlag versetzt. Wir können die wirtschaftlichen Auswirkungen nicht wegreden. Wir können aber sehr wohl dafür sorgen, dass unsere Gäste wissen: Die Sperrzonen werden respektiert, die touristischen Betriebe sind geöffnet, und ein großer Teil Ostbelgiens ist weiterhin ein attraktives und sicheres Reiseziel. Gleichzeitig müssen wir aus dieser Krise lernen – bei der Krisenkommunikation, bei der Besucherlenkung und bei der langfristigen Ausrichtung unseres Tourismus. Daran werden wir gemeinsam mit unseren Partnern arbeiten.“ (cre)

12 Antworten auf “Freches: „Vennbrand hat unserer Region und dem Tourismussektor einen erheblichen Schlag versetzt“”

  1. Der Schutz der Natur und die Bewahrung von Naturschutzgebieten haben höchste Priorität, auch vor dem Tourismus. Jede menschliche Berührung mit der Natur birgt immer ein Risiko zum Nachteil der Natur, auch wenn der Tourismus als „sanft“ beschrieben wird. Natürliche Lebensräume sind viel zu empfindlich für das oft aggressive Verhalten von Touristen (ob aus Ignoranz oder Achtlosigkeit). Der Schutz der Natur darf niemals dem kurzfristigen Nutzen des Tourismus geopfert werden.

    • Diese Natur ist eine Kulturlandschaft und es waren Pflegearbeiter im Naturschutzgebiet die den Brand verursacht haben, nicht Touristen. Fehler passieren, aber man muss ein Problem korrekt benennen um es zu lösen.

        • der Helle

          Sehr Richtig, der Alte! Nur ein einziges Beispiel: der Berühmte Bahnhof von Mons!? Ein Schelm der….!? In den Etagen dauern diese Prozesse ewig lange?! Sehr Komisch, sagt sich der kleine Mann von der Strasse!?

        • Kontrast

          „Wenn Sachen nicht offen benannt werden. können sie nicht korrigiert werden.“

          Genau so ist es im allgemeinen und bei dem Vennbrand im Besonderen!
          Ich habe grosse Zweifel, dass hier die Verantwortlichen klar benannt werden! Da kann man sarkastisch sagen, mit der Zeit wächst da das Venngras wieder drüber, verantwortlich ist dann eh keiner! Weder eine oder mehrere Behörden und vermutlich auch niemand persönlich aus diesen Behörden. Da kann man nur (wie bisher) darauf hoffen, dass Medien gründlich recherchieren, bzw der Sache auf den Grund gehen. Die Ursachen für den Brand sind doch inzwischen wohl ziemlich klar, oder? Nebenbei bemerkt : in vorliegendem Fall ist es müssig über den Klimawandel rauf und runter zu schwadronieren! Denn der war nicht die Ursache des Brandes, sondern mangelnde Vorbeugemassnahmen gleich welcher zuständigen Behörden auch immer, die dafür infrage kommen, dortselbst Mäharbeiten oder ähnliches, unter den bekannten Wetterbedingungen, ausführen zu lassen.

  2. Steuerzahler

    Grosse Worte Herr Freches! Hier der Vennbrand war sicherlich nicht gewollt, jedoch scheint man da ein Unternehmen gefunden zu haben, welches im Moor gemäht hätte!? OK, soweit so gut! Man sollte doch auch mal Nachforschen wie es mit den Warnungen gelaufen war!? Bei der Hitze und Trockenheit, ist das Hohe Venn gerade zu Prädestiniert zu Grossfeuern, dass hatten wir schon einige male übrigens, aber diesmal hätte sicher eine viel Frühzeitigere Warnung, einiges mehr geholfen!?
    Es verbleiben ja trotzdem fast 2/3 des Venns noch intakt zu sein, daher sollte der Turismussektor dieses insbesondere Publik machen, und damit die Turisten beruhigen, und eher noch mehr an zulocken, nicht mehr, nicht weniger?!
    Höhere Gewalt, wie dieses Vennfeuer, ist niemals aus zuschliessen, genau so wie die Regenmassen im Juli 21!? Da heraus zu posaunen: wir lassen uns unseren Turismus nicht kaputt machen, war vollkommen daneben geraten!
    Ausserdem, unser hohe Venn , ist nicht vergleichbar mit vielen anderen und attraktiveren Turismusregionen in der ganzen Welt, welche andere Schönheiten in dem Bereich ihr Eigen nennen! Hier ist das Hohe Venn nur noch kleines Mittelfeld im Vergleich. Siehe u a die so variablen Bergansichten, Wasserfälle, und sehr vieles andere?!
    Das Hohe Venn war z Bspl vor Jahren eher ein Magnet in Winterszeiten für unsere Gegend, jedoch hat Frau Holle uns das Kaputt gemacht (ein kleiner Vergleich zum Grossbrand)?!
    Und nun, Herr Freches!?

  3. Die Capitol Fassade ist auch eine Sehenswürdigkeit der DG

    Herr Freches: … dass wir touristisch nicht von einem einzigen Aushängeschild abhängig sind …

    Damit hat Herr Freches Recht! Wir haben seit Jahren eine Sehenswürdigkeit in der Neustraße in Eupen, der Hauptstadt der DG, nämlich die abgestützte Fassade des Capitol! Das ist wirklich ein Kleinod „von Bestand“ und sollte doch endlich mal in den Prospekten der Stadt seinen Platz erhalten. 🤷‍♂️

  4. Kritisch denken

    Vor ca. 2 bis 3 Wochen hat der Herr Minister noch großspurig erklärt, er lasse es nicht zu, dass die Tourismussaison in Ostbelgien Schaden nehme! Nun diese Aussage, kann man so einen dummen Menschen als Minister akzeptieren! Und Oliver Paasch ist der schon untergetaucht (in der EU)?

  5. „Wir müssen lernen das Hohe Venn als kostbares Gut zu schützen und künftig verstärkt für einen verantwortungsvollen ,sensiblen Umgang mit diesem Naturraum zu werben“.Ich habe noch nie solch einen Schwachsinn gelesen !! Das Venn ist seit langem als Naturraum geschützt.Es gibt hier nix zu vermarkten !!!! Das Venn ist ein Naturraum und kein Öko Supermarkt ,Herr Freches !!!!
    Ich kenne noch Zeiten,da durfte man kostenlos den Turm vom Signal de Botrange besteigen und die herrliche Aussicht von oben geniessen.Und das Naturschutzzentrum hatte noch keinen Touristen Souvenirschop.Diese Zeiten sind wohl leider endgültig vorbei,schade um’s Venn.Wenn Geld und Profitsucht alles regieren,macht das die Natur kaputt.

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