Bis Ende Oktober laufen in Eupen und Umgebung Dreharbeiten für die neue ZDF-Krimireihe „Eifeltod“. Produziert wird die Serie von der Rowboat Film- und Fernsehproduktion GmbH in Zusammenarbeit mit beside production im Auftrag des ZDF. In Anwesenheit von DG-Medienminister Gregor Freches wurde das Projekt im Rahmen eines Pressetermins an der Eupener Talsperre vorgestellt.
Von oben wirkt die Szene beinahe unwirklich. Unter dem blauen Himmel liegt die Wesertalsperre ruhig zwischen den bewaldeten Hängen. Am Ufer, weit unterhalb der Staumauer, steht eine kleine Gruppe von Menschen um einen Pavillon. Kameras, Scheinwerfer und weiteres Filmequipment sind aufgebaut. Zwei Personen in weißen Schutzanzügen stehen am Wasser.
Was aus der Entfernung wie ein ungewöhnlicher Einsatzort aussieht, ist nur ein Filmset. Für die neue ZDF-Krimireihe „Eifeltod“ wird die Wesertalsperre zum Schauplatz eines Mordfalls.

V.l.n.r: DG-Medienminister Gregor Freches, die Schauspieler Marie Buchard und Bastian Reiber sowie Produzent Sam Davis beim Gruppenbild. Foto: Patrick von Staufenberg
Die Produktion dreht derzeit in Eupen und Umgebung zwei Pilotfilme. Einer trägt den Arbeitstitel „Dammbruch“. Darin müssen Hauptinspektorin Jackie Baumgärtner und Hauptkommissar Ernst Weber den Tod einer Schuldirektorin aufklären, deren Leiche an der Talsperre gefunden wird. Gespielt werden die beiden Ermittler von Marie Burchard und Bastian Reiber. Für einige Stunden verwandelt sich damit ein vertrauter Ort für die Menschen in der Region in einen fiktiven Tatort.
Sendetermine stehen bislang noch nicht fest. Wer später den fertigen Film sieht, wird von den Umständen dieses Drehtags wenig mitbekommen. Die Kameras stehen jeweils nur für einzelne Einstellungen an ihren Positionen, Szenen werden wiederholt, Schauspieler wechseln ihre Plätze, Mitarbeiter der Produktion kümmern sich um Licht, Ton und Ausstattung. Aus vielen einzelnen Momenten entsteht schließlich jene scheinbar zusammenhängende Geschichte, die das Publikum im Fernsehen sehen wird.
Gerade die Wahl der Schauplätze ist für die neue Reihe von Bedeutung. Eupen und die umliegende Region sollen nicht lediglich als austauschbare Kulisse dienen. Die Geschichten sind ausdrücklich hier angesiedelt. Jackie Baumgärtner stammt aus Eupen, während ihr Kollege Ernst Weber aus Frankfurt kommt. Ihr gemeinsames Ermittlungsgebiet liegt damit mitten in einer Grenzregion, in der belgische und deutsche Lebenswelten aufeinandertreffen.

Blick auf einen der Drehorte. Für die neue ZDF-Krimireihe „Eifeltod“ wird die Wesertalsperre zum Schauplatz eines Mordfalls. Foto: Patrick von Staufenberg
Produzent Sam Davis von der Rowboat Film- und Fernsehproduktion ist von den Möglichkeiten der Region angetan. Wälder, Wasser und die Landschaft der Eifel hätten für ihn etwas Geheimnisvolles. Genau diese Atmosphäre wolle man für „Eifeltod“ nutzen. Die Region soll den Geschichten einen eigenen Charakter geben und nicht bloß den Hintergrund für die Ermittlungen liefern.
Auch für die Schauspieler ist die Produktion eine Begegnung mit einem für sie neuen Umfeld. Marie Burchard, die Hauptinspektorin Jackie Baumgärtner verkörpert, beschreibt Eupen als ruhig und gemütlich – Eigenschaften, die ihrer Figur durchaus zugutekämen. Bastian Reiber, der den aus Frankfurt stammenden Hauptkommissar spielt, hat während der Dreharbeiten ebenfalls einen persönlichen Zugang zur Region gefunden und spricht unter anderem über den belgischen Humor.
Beim Pressetermin an der Wesertalsperre ging es allerdings nicht nur um Schauspieler und Filmaufnahmen. Für die Deutschsprachige Gemeinschaft ist die Produktion auch mit der Frage verbunden, welche Rolle Ostbelgien künftig als Filmstandort spielen kann.
Minister Gregor Freches unterstrich das Interesse der DG, Filmproduktionen stärker in die Region zu holen. Eine Fernsehproduktion dieser Größenordnung bringt nicht nur Kameras und bekannte Schauspieler nach Ostbelgien. Sie benötigt Unterkünfte, Verpflegung, Transport, Technik und zahlreiche Dienstleistungen. Hinzu kommt der Werbeeffekt, wenn die Landschaft später einem großen Fernsehpublikum präsentiert wird.
Ob daraus tatsächlich ein nachhaltiger Effekt entsteht, wird sich erst zeigen. Noch sind die beiden Filme Pilotprojekte. Eine Fortsetzung ist vom Erfolg beim Publikum abhängig. Die Produzenten können sich allerdings durchaus vorstellen, weitere Kriminalfälle in der Region anzusiedeln. Sollte „Eifeltod“ zu einer regelmäßigen ZDF-Reihe werden, könnte Eupen damit dauerhaft einen Platz in der deutschen Fernsehkrimilandschaft bekommen.
Bis dahin bleibt die Wesertalsperre zunächst einmal das, was sie für die meisten Menschen ist: ein vertrauter Ort zum Spazierengehen, ein Stück ostbelgische Landschaft und ein beliebtes Ausflugsziel.
Für die Dauer der Dreharbeiten kommt eine weitere Realität hinzu. Zwischen Wasser, Felsen und Wald entsteht eine Krimigeschichte. Und wenn die Kameras wieder abgebaut sind, bleibt zumindest die Vorstellung zurück, dass dort, wo heute die Filmcrew steht, im Fernsehen bald ein Ermittlerduo auf Mördersuche gehen wird. (cre)
