In Frankreich und Belgien wie auch in weiteren europäischen Ländern werden an diesem Samstag erneut Demonstrationen erwartet, bei denen die Behörden Ausschreitungen wie schon am vergangenen Wochenende befürchten.
Eine Woche nach den gewaltsamen Ausschreitungen vom 17. Oktober soll in Frankreich die Protestbewegung in eine zweite Runde gehen. Die Behörden befürchten, dass sich erneut gewaltbereite Gruppen unter die Demonstrierenden mischen, Geschäfte plündern und öffentliche Einrichtungen beschädigen könnten.
Die französische Regierung hat deshalb die Sicherheitsmaßnahmen deutlich verstärkt. Innenminister Laurent Nuñez kündigte an, landesweit rund 70.000 Polizisten und Gendarmen einzusetzen. In mehreren Städten wurden Demonstrationen eingeschränkt oder verboten; teilweise gelten nächtliche Ausgangsbeschränkungen, insbesondere für Minderjährige. Die Maßnahmen sollen verhindern, dass sich die schweren Ausschreitungen der Vorwoche wiederholen.

23.10.2026, Belgien, Brüssel: Mit Holzplatten vernageln Mitarbeiter eine Ladenfront. Die Geschäfte bereiten sich auf eine weitere Demonstration vor, die für diesen Samstag geplant ist. Foto: Nicolas Maeterlinck/Belga/dpa
Auch in anderen Ländern ist die soziale Unzufriedenheit spürbar. In Italien sind für Samstag Kundgebungen in mehreren Städten geplant, darunter Rom und Mailand. Dort werden die Demonstrationen ebenfalls von einem verstärkten Sicherheitsaufgebot begleitet, nachdem es am vergangenen Wochenende zu Gewalt und Angriffen auf Geschäfte und Polizeikräfte gekommen war. In Portugal gehen Menschen gegen hohe Mieten und die Wohnungsnot auf die Straße, während in Spanien unter anderem eine Kundgebung zur Zukunft des öffentlichen Rentensystems in Madrid vorgesehen ist.
In Belgien ist die Lage ebenfalls angespannt. Nach den gewaltsamen Jugendprotesten in Brüssel und Lüttich in der vergangenen Woche kursieren in sozialen Netzwerken neue, teilweise anonyme Aufrufe zu Zusammenkünften. Eine offiziell angemeldete größere Demonstration war zunächst nicht bekannt. Die Brüsseler Polizei beobachtet die Entwicklung, kann aber weder die Urheber der Aufrufe noch die mögliche Teilnehmerzahl zuverlässig einschätzen.
Ob es an diesem Wochenende erneut zu schweren Krawallen kommt, ist offen. Die Behörden reagieren mit verstärkten Kontrollen und Einschränkungen, während die Protestbewegungen unterschiedliche soziale und politische Anliegen verfolgen. Trotz ähnlicher Themen wie steigende Lebenshaltungskosten, Bildungs- und Sozialpolitik wäre es verfrüht, von einer einheitlichen europaweiten Bewegung zu sprechen. (cre)