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Massive Kritik am Putin-Besuch des ehemaligen Kanzlers Schröder: „Eine Schande für Deutschland“

Dieses Pressefoto, das am 8. Oktober 2026 auf @news_kremlin, dem Telegram-Kanal des Pressebüros des russischen Präsidenten, veröffentlicht wurde, zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin (r) und den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder (l), wie sie sich während der Feierlichkeiten zum 74. Geburtstag des russischen Staatschefs an einem nicht genannten Ort die Hand geben. Pressefoto / PRESSEBÜRO DES RUSSISCHEN PRÄSIDENTEN / AFP / BELGA

Auf seiner jüngsten Russland-Reise besuchte der deutsche Alt-Kanzler Schröder seinen alten Freund Wladimir Putin. Anlass war der 74. Geburtstag des Kreml-Chefs. Reaktionen aus der Heimat lassen nicht lange auf sich warten.

Nach seinem Besuch der Geburtstagsfeier des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau steht Altkanzler Gerhard Schröder massiv in der Kritik. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), bezeichneten den Besuch als Schande. Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner verteidigte den Altkanzler dagegen. Nach Kreml-Angaben hatte Schröder am Mittwoch mit Kremlchef Putin dessen 74. Geburtstag gefeiert.

Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-Jährige ist mit Putin eng befreundet und steht unter anderem wegen dieser engen Verbindung und seines Engagements für russische Energieunternehmen seit Jahren in der Kritik. Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich Schröder wiederholt mit Putin getroffen.

Schlagzeile von „Bild“ zun Schröder-Besuch bei Putin. Foto: Screenshot Bild.de

– Laut Kreml lud Putin Schröder ein: Der Kreml hatte auf der Plattform Telegram mitgeteilt, Putin habe am Mittwochmorgen aus den Medien von der Anwesenheit Schröders in der russischen Hauptstadt erfahren. „Der Präsident lud seinen alten Freund zu sich nach Hause ein“, hieß es weiter. Gezeigt wurden auch Fotos, die zeigen, wie die beiden Männer lächelnd ihre Hände fest umeinander verschließen.

Vor der Party hatte Schröder am Morgen eine Filiale des russischen Ablegers der deutschen Supermarktkette Globus in der russischen Hauptstadt besucht und eine Begrüßungsrede vor den Mitarbeitern des Unternehmens gehalten. Zuvor war er in den Aufsichtsrat des Unternehmens berufen worden.

– „Wunderheilung à la Rasputin“: Göring-Eckardt schrieb zu Schröders Besuch bei Putin auf der Plattform X: „Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden.“ Aber leider habe sie schon nichts anderes mehr von ihm erwartet.

Strack-Zimmermann bezeichnete Schröder auf X als Deutschlands frechsten Rentner. Zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burnout), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zuhause bei Kriegsverbrecher Putin reichts dann doch noch. Eine Schande sondergleichen.“

07.05.2018, Russland, Moskau: Gerhard Schröder (r), ehemaliger deutscher Bundeskanzler, gibt Wladimir Putin (l), Präsident von Russland, bei dessen vierter Amtseinführung die Hand. Foto: Alexei Druzhinin/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa

Der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, kritisierte auf X ebenfalls, Schröder sei für einen Untersuchungsausschuss zu krank, aber fit genug für Moskau, Putin und „eine frische Ladung Rubel“ Er fügte hinzu: „Wunderheilung à la Rasputin bei Gerhard Schröder“. 2025 hatte Schröder Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baus der Erdgasleitung Nord Stream 2 mehrfach wegen einer Burnout-Erkrankung abgesagt.

– Laut Stegner (SPD) kann Schröder Türen zu Putin öffnen: Der SPD-Außenpolitiker Stegner sagte hingegen dem „Tagesspiegel“, man müsse „in Russland mit denen reden, die da sind. Schröder kann Türen zu Putin öffnen.“ Stegner fügte hinzu: „Wenn Schröders Besuch dem Frieden nur einen Millimeter gedient hat, war dieser Besuch ein Erfolg.“ Der Altkanzler sei einer der wenigen Menschen, die Zugang zu Putin hätten. Diesen Zugang müsse man nutzen, sagte der Bundestagsabgeordnete. „Gerhard Schröder ist gegen den Krieg. Er wird Putin bestimmt nicht ermuntert haben: Mach weiter mit dem Krieg!“, sagte Stegner weiter.

Dem Nachrichtenportal „t-online“ sagte der SPD-Abgeordnete: „Gerhard Schröder ist kein aktiver Politiker, er war als Privatmann dort. Wir sollten in Deutschland keine Teufelsaustreibung betreiben, wenn ein Altkanzler nach Moskau reist.“

24.09.2026, Berlin: Ralf Stegner (SPD) spricht im Deutschen Bundestag. Foto: Michael Brandt/dpa

Am Mittwoch, dem Tag von Putins Geburtstag, hatte Russland die Ukraine erstmals in diesem Herbst mit einem der gefürchteten kombinierten Angriffe mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen überzogen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach danach von mindestens 25 Toten und über 100 Verletzten und bezeichnete den Angriff als ein «Geburtstagsgeschenk für Putin».

– Putin brachte Schröder als Vermittler ins Gespräch: Im Mai hatte Putin Schröder als Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht. In der deutschen Regierung waren Putins Äußerungen aber auf deutliche Skepsis gestoßen. Der russische Präsident hatte die großangelegte Invasion in der Ukraine am 24. Februar 2022 befohlen – und seine Kriegsziele bisher nicht erreicht.

Schröder war nach seinem Ausscheiden aus der Politik lange Jahre für russische Energiekonzerne aktiv, unter anderem als Präsident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Tochtergesellschaft des russischen Energiekonzerns Gazprom. Die Pipeline wurde Ende 2021 fertiggestellt, ging aber wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 nicht in Betrieb – die Bundesregierung unter dem damaligen Kanzler Olaf Scholz (SPD) versagte die Betriebsgenehmigung. (dpa)

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