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Wird Frau ohne Mann nächste Bundespräsidentin? – Aigner Kandidatin fürs höchste deutsche Staatsamt

24.10.2026, Bayern, München: Ilse Aigner (CSU), Präsidentin des bayerischen Landtags, nimmt am CSU-Parteitag in der Messehalle teil. Foto: Sven Hoppe/dpa

Die Union hat sich offenbar entschieden: Die CSU-Politikerin und Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner, soll als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin vorgeschlagen werden.

CDU und CSU wollen die 61-Jährige gemeinsam für die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier nominieren. Auch aus der SPD kam bereits Zustimmung. Die formelle Entscheidung der CDU-Spitze wird für Montag erwartet. Damit könnte erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine Frau das höchste Staatsamt übernehmen.

Dass die Kandidatin von der Union vorgeschlagen wird, bedeutet angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung zugleich eine gute Ausgangslage für ihre Wahl. Eine automatische Ernennung ist damit allerdings nicht verbunden: Entscheiden müssen die Mitglieder der Bundesversammlung in geheimer Abstimmung.

04.03.2026, Bayern, München: Ilse Aigner (CSU,l), Präsidentin des Bayerischen Landtags und Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, halte Bierkrüge beim Starkbieranstich in der Paulaner Brauerei am Nockherberg. Foto: Peter Kneffel/dpa

Die Wahl findet am 30. Januar 2027 im Deutschen Bundestag statt. Die Bundesversammlung ist ein besonderes Verfassungsorgan, das ausschließlich für die Wahl des Bundespräsidenten oder der Bundespräsidentin zusammentritt. Ihr gehören sämtliche 630 Bundestagsabgeordneten sowie weitere 630 Mitglieder an, die von den Landesparlamenten entsprechend den Kräfteverhältnissen in den Ländern gewählt werden. Insgesamt werden somit 1260 Wahlberechtigte über das neue Staatsoberhaupt entscheiden.

Im ersten und zweiten Wahlgang ist die absolute Mehrheit erforderlich, also mindestens 631 Stimmen. Erreicht niemand diese Mehrheit, genügt im dritten Wahlgang die relative Mehrheit. Dann ist gewählt, wer die meisten Stimmen erhält. Da Union und SPD gemeinsam über eine Mehrheit in der Bundesversammlung verfügen und die Sozialdemokraten ihre Unterstützung für Aigner bereits signalisiert haben, gilt ihre Kandidatur als aussichtsreich.

06.11.2026, Bayern, München: Ilse Aigner (CSU), Präsidentin des Bayerischen Landtags, trägt sich im Prinz-Carl-Palais in das Kondolenzbuch der Bayerischen Staatsregierung für Hubert Aiwanger ein. Foto: Sven Hoppe/dpa

Die Amtszeit Frank-Walter Steinmeiers endet am 18. März 2027. Erst dann würde die gewählte Nachfolgerin ihr Amt antreten.

Mit Ilse Aigner könnte allerdings nicht nur erstmals eine Frau ins Schloss Bellevue einziehen. Auch eine andere Premiere wäre damit verbunden: Deutschland bekäme erstmals ein Staatsoberhaupt ohne Ehepartner an seiner Seite. Denn die bayerische Landtagspräsidentin lebt bewusst als Single.

In einem Gespräch im Podcast „Grant & Gloria“ des Münchner Merkur gewährte sie Mitte Oktober einen persönlichen Einblick in ihr Privatleben. „Ich gehe als Single durchs Leben“, sagte sie. Das bedeute jedoch keineswegs, dass sie einsam sei. Vielmehr lebe sie in einem großen Familienverbund, in einem sogenannten Dreigenerationenhaus, in dem immer etwas los sei. Mit drei Schwestern, sieben Nichten und Neffen sowie inzwischen elf Kindern in der nächsten Generation sei sie von einer großen Familie umgeben. Aigner machte zugleich deutlich, dass sie mit ihrem Leben zufrieden ist. Eine Partnerschaft sei in ihrer beruflichen und politischen Position nicht immer einfach aufzubauen und würde auch von einem möglichen Partner einiges verlangen.

Frauenpower: Julia Klöckner (CDU, l), Bundestagspräsidentin, steht am 04.11.2025 in Berlin neben Ilse Aigner (CSU), Präsidentin des bayerischen Landtags. Foto: Michael Kappeler/dpa

Damit stellt sich eine Frage, die bei bisherigen Bundespräsidenten kaum in dieser Form diskutiert wurde: Wer übernimmt künftig die gesellschaftlichen und repräsentativen Aufgaben, die traditionell häufig der Ehefrau des Staatsoberhauptes zufielen?

Zwar gibt es in Deutschland kein offizielles Amt einer „First Lady“ und erst recht keine gesetzlich festgelegte Funktion eines „First Gentleman“. Dennoch hat sich über Jahrzehnte eine gewisse Tradition entwickelt. Die Ehepartner der Bundespräsidenten begleiteten ihre Männer nicht nur bei Staatsbesuchen, Empfängen und offiziellen Veranstaltungen, sondern engagierten sich vielfach auch eigenständig für soziale, kulturelle und gesellschaftliche Anliegen.

Wie viel Gewicht diese zusätzliche Rolle haben kann, zeigt besonders das Beispiel Elke Büdenbender. Die Juristin ist seit 1995 mit Frank-Walter Steinmeier verheiratet und arbeitete viele Jahre als Richterin am Verwaltungsgericht Berlin. Im Juni 2025 ging sie in den Ruhestand. Während der Präsidentschaft ihres Mannes entwickelte sie ein eigenständiges gesellschaftliches Engagement und übernahm zahlreiche Schirmherrschaften. (cre)

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