Topnews

Edward Still (Ex-AS) von Entlassung zu Entlassung – Sein Ex-Assistent Mario Kohnen von Erfolg zu Erfolg

Der ehemalige AS-Eupen-Coach Edward Still (l) ist jetzt auch bei Erstligist RAAL La Louvière gescheitert. Sein früherer Assistent Mario Kohnen (r) hingegen versetzt nach wie vor als Cheftrainer des RSC Charleroi die belgische Fußballwelt in Staunen. Fotos: Belga

Zwei Trainer, ein gemeinsamer Weg und zwei völlig unterschiedliche Karrieren: Während Edward Still nach seiner erneuten Entlassung bei RAAL La Louvière vor dem nächsten beruflichen Neuanfang steht, erlebt sein ehemaliger Assistent Mario Kohnen beim RSC Charleroi einen bemerkenswerten Aufstieg.

Ausgerechnet Mario Kohnen, der einst im Schatten von Edward Still arbeitete, sorgt inzwischen in der Jupiler Pro League für Furore. Eine Geschichte, die auch in Ostbelgien aufhorchen lässt.

Still, einst als vielversprechendes Trainertalent gehandelt, muss nach seiner Entlassung bei RAAL La Louvière erneut einen beruflichen Rückschlag verkraften. Kohnen hingegen, sein früherer Assistent, hat sich inzwischen zu einer der interessantesten Trainerpersönlichkeiten im belgischen Profifußball entwickelt. Der einstige Mitarbeiter steht plötzlich im Rampenlicht, während sein früherer Chef nach dem nächsten Ausweg suchen muss.

Cheftrainer Edward Still (l) und sein Assistent Mario Kohnen (r) am 20. August 2023 während ihrer gemeinsamen Zeit beim KV Kortrijk. Foto: Belga

Dabei begann Stills Geschichte durchaus vielversprechend. Als junger Trainer erhielt er beim RSC Charleroi die Gelegenheit, sich erstmals auf höchster Ebene als Chefcoach zu beweisen. Seine Arbeit wurde durchaus positiv aufgenommen, doch nach einer sportlichen Durststrecke musste er bereits im Oktober 2022 seinen Platz räumen.

Die nächste Station hieß AS Eupen. Im November desselben Jahres übernahm Still eine Mannschaft, die sich mitten im Abstiegskampf befand. Die Ausgangslage war schwierig, die Erwartungen entsprechend hoch. Eupen benötigte dringend Punkte, um den drohenden Abstieg in die Challenger Pro League zu verhindern.

Still gelang es zwar, die Mannschaft zum Klassenerhalt zu führen, doch von einer überzeugenden Rettungsmission konnte kaum die Rede sein. Die Schwarz-Weißen hatten am Ende mehr Glück als Verstand. Gerade die beiden letzten Meisterschaftsspiele offenbarten erhebliche Schwächen. Gegen Zulte Waregem kassierte Eupen eine deutliche 1:5-Niederlage, anschließend folgte beim FC Brügge ein regelrechtes Debakel: 0:7 lautete das Endergebnis.

Besonders alarmierend war dabei nicht allein die Höhe der Niederlagen, sondern die Art und Weise, wie sich die Mannschaft präsentierte. Taktisch wirkte Eupen in beiden Begegnungen unzureichend vorbereitet. Die defensive Ordnung fehlte, Abstimmungen funktionierten nicht und auf dem Platz war kaum ein überzeugendes Konzept zu erkennen. Der Klassenerhalt konnte deshalb nur bedingt als Erfolg der Trainerarbeit gewertet werden. Die Vereinsführung entschied sich gegen eine Vertragsverlängerung.

Im Juli 2023 übernahm Still den KV Kortrijk. Und dort nahm die Geschichte eine weitere unerfreuliche Wendung. Nach gerade einmal acht Spieltagen war Schluss. Die sportliche Entwicklung entsprach nicht den Erwartungen, die Vereinsführung zog die Reißleine. Mit Still mussten damals auch seine Mitarbeiter gehen – darunter Mario Kohnen, der ihn bereits aus Eupener Zeiten kannte und als Assistent unterstützt hatte.

23.05.2026, Belgien, Lüttich: Mario Kohnen, Interimstrainer von Sporting Charleroi, gibt beim Spiel in Lüttich Anweisungen an seine Spieler. Foto: Belga

Für beide war es zunächst ein Rückschlag. Doch während Still anschließend weiter von einer Trainerstation zur nächsten wechselte, sollte sich für Kohnen langfristig eine ganz andere Perspektive eröffnen.

Still versuchte unterdessen, seiner Karriere neuen Schwung zu verleihen. Über ein vorübergehendes Engagement beim RC Lens als Assistent seines Bruders Will Still und beim RSC Anderlecht führte ihn sein Weg nach England zum FC Watford. Doch auch dort blieb ihm die notwendige Kontinuität versagt.

Nach 15 Spielen und einer ernüchternden Bilanz von drei Siegen, vier Unentschieden und acht Niederlagen war im Mai 2026 erneut Schluss. Mit der Verpflichtung durch RAAL La Louvière schien sich anschließend eine neue Chance zu bieten. Der Aufsteiger stattete ihn sogar mit einem Dreijahresvertrag aus. Ein klares Vertrauenssignal – und die Hoffnung auf einen längerfristigen Aufbau.

Doch die Realität im Profifußball ist unerbittlich. La Louvière fand nicht in die Saison, die Mannschaft sammelte zu wenige Punkte und geriet früh in den Tabellenkeller. Die 0:1-Heimniederlage gegen Cercle Brügge am 7. November brachte schließlich das Ende.

Besonders bitter: Zwei Strafstöße boten die Möglichkeit, das Spiel in eine andere Richtung zu lenken. Beide Chancen blieben ungenutzt. Mit lediglich sieben Punkten aus elf Meisterschaftsspielen und dem vorletzten Tabellenplatz sah die Vereinsführung keine Perspektive mehr, die Zusammenarbeit fortzusetzen. Stills nächstes Projekt war damit bereits nach wenigen Monaten Geschichte.

Währenddessen entwickelte sich die Karriere seines früheren Assistenten beinahe in die entgegengesetzte Richtung. Mario Kohnen, der seine fußballerischen und taktischen Erfahrungen unter anderem bei der AS Eupen gesammelt hatte, war lange Zeit eher ein Mann hinter den Kulissen. Videoanalyse, Spielvorbereitung, taktische Detailarbeit – Tätigkeiten, die im modernen Fußball unverzichtbar sind, aber selten Schlagzeilen produzieren.

Mario Kohnen (M) mit Cheftrainer Florian Kohfeldt (l) und Kristoffer Andersen (r) beim Trainingsauftakt von Erstligist AS Eupen im Juni 2023. Foto: Patrick von Staufenberg

Kohnen arbeitete sich Schritt für Schritt nach oben, sammelte Erfahrungen bei verschiedenen Vereinen und fand schließlich beim RSC Charleroi eine neue berufliche Heimat. Dort begann er zunächst als Assistent von Rik De Mil und konnte seine Fähigkeiten im Trainerstab weiterentwickeln.

Als Charleroi im April 2026 nach der Trennung von Hans Cornelis einen neuen Impuls benötigte, erhielt Kohnen seine große Chance. Zunächst nur als Interimstrainer vorgesehen, überzeugte er mit seiner Arbeit so sehr, dass der Verein ihm schließlich dauerhaft die Verantwortung übertrug.

Am 17. Juni 2026 wurde der Eupener offiziell zum Cheftrainer ernannt. Was folgte, war eine bemerkenswerte sportliche Entwicklung. Charleroi stabilisierte sich, die Mannschaft gewann an Selbstvertrauen und präsentierte sich zunehmend als geschlossene Einheit.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 38 Punkte aus 17 Ligaspielen seit seiner Übernahme, ein Schnitt von 2,2 Punkten pro Begegnung. Auch in der laufenden Meisterschaft konnte Kohnen seine Mannschaft in der oberen Tabellenregion etablieren.

Und Kohnen setzt seinen Erfolgskurs fort. Am Samstag feierte der RSC Charleroi einen eindrucksvollen 5:1-Auswärtssieg beim KVC Westerlo. Mit nunmehr 27 Punkten nach elf Spieltagen mischt Charleroi ganz oben in der Jupiler Pro League mit.

Für Kohnen ist es ein weiterer Beleg dafür, dass seine Arbeit Früchte trägt. Während sein ehemaliger Chef Edward Still erneut vor einem Neuanfang steht, lässt der Ostbelgier mit seiner Mannschaft einen Erfolg auf den anderen folgen. (cre)

Antworten

Impressum Datenschutzerklärung
Desktop Version anfordern