Kultur

Nach Debakel in Wien wird in Deutschland und Frankreich über Reglement des ESC diskutiert

Conchita Wurst (links) überreicht dem diesjährigen Sieger Mans Zelmerlöw die Trophäe des ESC. Foto: epa

Das miserable Abschneiden von Deutschland und Frankreich beim ESC in Wien hat in diesen Ländern zu einer Debatte über das Reglement des Wettbewerbs geführt. 0 Punkte hatte es für Deutschland seit dem Jahr 1965 nicht mehr gegeben. Frankreich landete in den vergangenen Jahren häufig auf den hinteren Plätzen. Seinen letzten Eurovisions-Sieg fuhr das Land 1977 ein.

„Ich meine, dass man Ann Sophie nichts vorwerfen kann. Sie hat einen Super-Job gemacht“, sagte der langjährige ESC-Kommentator Peter Urban im ARD-Fernsehen. Ann Sophies Soul-Song habe offensichtlich nicht den Nerv der anderen Nationen getroffen. Sie selber reagierte sehr locker und sagte lachend: „Es hat trotzdem super viel Spaß gemacht.“

Ann Sophie war im März als Zweitplatzierte beim deutschen Vorentscheid nachgerückt, nachdem der eigentliche Sieger Andreas Kümmert überraschend am Schluss der Show seinen Rückzug erklärt hatte und sagte, er wolle nicht nach Wien fahren.

Zuletzt war Deutschland im Jahr 2008 mit der Band No Angels auf dem letzten Platz gelandet.

Schlagzeile von bild.de am Sonntag.

Schlagzeile von bild.de am Sonntag.

ARD-Kommentator Urban regte eine Diskussion über das Reglement an. Die Regel, dass nur die jeweils zehn Länder mit den meisten Stimmen Punkte bekämen, stamme aus einer Zeit mit weniger Teilnehmern. Im aktuellen Fall habe das bedeutet, dass bei jedem Voting 17 der insgesamt 27 Teilnehmer automatisch leer ausgegangen seien. «Das ist eine Ungerechtigkeit im System, die man überdenken sollte», sagte Urban, der den ESC in diesem Jahr zum 18. Mal kommentierte, der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

In Frankreich löste das enttäuschende Abschneiden von Lisa Angell, die mit ihrem Chanson „N’oubliez pas“ (Vergesst nicht) an den Ersten Weltkrieg erinnerte, auch grundsätzliche Kritik am ESC aus.

Die Kandidatin selbst erlebte ihren 25. Platz als „Ungerechtigkeit“. Ihr Produzent Jean-Claude Camus forderte sogar, dass Frankreich eine Zeitlang nicht mehr an dem Wettbewerb teilnehmen solle. „Ich denke, man müsste ein Zeichen setzen“, sagte er dem Fernsehsender BFMTV und machte es den anderen Teilnehmern zum Vorwurf, nicht in ihrer Landessprache zu singen.

Eurovision Song Contest eine „Maskerade“?

Die Unterhaltungschefin des Fernsehsenders France 2, Nathalie André, sprach von einer „Maskerade“. Man müsse sich die Frage stellen, ob Frankreich im nächsten Jahr wieder teilnehme – oder mit einer ebenso modernen Nummer antrete wie die anderen Länder, sagte sie dem Radiosender France Info.

Belgiens Loïc Nottet bei seinem Auftritt in der Wiener Stadthalle. Foto: epa

Belgiens Loïc Nottet bei seinem Auftritt in der Wiener Stadthalle. Foto: epa

Schweden gewann mit Mans Zelmerlöw und dem Titel “Heroes”. Für Schweden ist es der sechste Sieg im weltgrößten Musikwettbewerb. Zweiter wurde Russland, Italien beendete den Wettbewerb auf dem 3. Rang. Dann folgte Belgien mit Loïc Nottet und seinem Song “Rhythm Inside” auf einem hervorragenden 4. Platz.

Seit 2003, als Urban Trad den zweiten Platz belegte, hatte Belgien beim ESC nicht mehr so gut abgeschnitten. Nur drei der insgesamt 39 Konkurrenten verweigerten Belgien Punkte. Aus Frankreich, Ungarn und den Niederlanden gab es sogar die Höchstpunktzahl.

Der ESC wird somit im kommenden Jahr wahrscheinlich in Stockholm ausgetragen, wenn sich das Siegerland für die Hauptstadt entscheidet. 27 Lieder konkurrierten beim großen Finale in der Wiener Stadthalle um den Sieg. Erstmals war auch Australien als Ehrengast eingeladen. (cre/tagesschau.de/dpa/bild.de)

Siehe auch Artikel „Eurovision Song Contest: Loïc Nottet erreicht für Belgien 4. Platz – Schweden gewinnt“

  1. Schreckliches Geschrei, von fast allen, auch vom Sieger und vom Belgier. Das ist keine Musik, das ist Kommerz. Die ältere Generation hat wohl den Fernseher schon nach den zweiten Vortrag abgeschaltet. Dass Deutschland und Österreich, die keinen Deut schlechter waren als die anderen, null Punkte erhielten, setzt diesem Selbstdarstellerverein die Krone auf.

  2. Der ESC ist schon lange kein „Song“-Wettbewerb mehr, sondern eine Lichter-Show von „Osram“. Die Sponsoren waren ja auch alle namentlich am Ende der Show deutlich eingeblendet.
    Und im nächsten Jahr wird dann Belgien vertreten durch die Band „Karl-Heinz und die wilden Rock-Minister“. Mit dem Song „Alaaf, Alaaf, Öpe Alaaf, wer fahre met et Wässerscheff die Wässer eraaf…..usw. Unser Freund @Fänexperte (siehe sein Kommentar v.22.05.-11.06 Uhr) hat ja schon alles organisiert….
    Für Deutschland singt eine gewisse Angela Merkel das Lied „Ich hab euch tausendmal belogen, ich hab das Volk so schön verarscht…“. Bei solchen Darbietungen kommt zumindest Stimmung auf ……….
    MfG.

  3. Was ursprûnglich ein Wettbewerb in dem die Komposition und der Gesang bewertet war, ist in einer Bühnenshow mit allen nur möglichen Lichteffekten entartet.Die Komposition und der Gesang spielen nur eine nebenrolle.

  4. Mit 66 Jahren da hat man Spaß daran

    Schland 0 Punkte?
    So gehn die Deutschen, die Deutschen, die gehn so. So gehn die Schweden, die Schweden gehen so! Juchho!
    Und Österreich? Sind die schon jemals irgendwo dabei gewesen oder mitmarschiert? Nicht dass ich wüsste, hehe!

  5. Die 5 erstplazierten gehen total in Ordnung.
    Der einzige Song, der musikalisch wirklich Neuland betrat, war der von Belgien. Schweden hat verdient gewonnen. Ich persönlich hätte Russland jedoch auch den ersten Platz gegönnt. Ein Land, dass in der Westlichen Welt so an den Pranger gestellt wird und dann in einem Song dermassen nach Frieden schreit, das hätte weltpolitische Ausmasse annehmen können.

    • „Ein Land, dass in der Westlichen Welt so an den Pranger gestellt wird und dann in einem Song dermassen nach Frieden schreit, das hätte weltpolitische Ausmasse annehmen können.“

      Na ja, der Text des Song’s war aber bestimmt nicht von Putin…….

  6. AusgewanderterOstbelgier

    Dieses Event hat mich nie interessiert, und ob Belgien jetzt 4. und Deutschland letzter oder anders rum oder was auch immer dabei rausgekommen ist auch nicht. Was ich mich frage ist, wieso ein Artikel über einen Kommentar von einem Kommentator geschrieben wird. Muss das sein? Zeitverschwendung olé!

Hinterlasse eine Antwort

Desktop Version anfordern