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Neugestaltung des Rathausplatzes ist in St. Vith das große Streitthema

So sah der Platz vor dem Rathausplatz vorher aus. Foto: OD

In St. Vith tickt die Kommunalpolitik ganz anders als etwa in Bütgenbach, Kelmis oder Eupen. Entweder tut sich gar nichts, oder man streitet über Themen, die anderswo kein Thema wären. Erinnert sei nur an das „Belgische Haus“ von Rote-Teufel-Fan Wilfried Thelen. Jetzt droht ein Streit über die Neugestaltung des Rathausplatzes zu eskalieren.

Rund 800.000 Euro kostet das Projekt, und bis Karneval war es kein großes Thema. Dann aber meldeten sich der Architekt im Ruhestand Albert Sonkes und der Grafiker Erwin Kirsch zu Wort. Von da an war es vorbei mit der Ruhe in der Büchelstadt.

Nach dem Willen von Bürgermeister Christian Krings und der Mehrheit soll der Platz vor dem Rathaus eine Begegnungszone werden.

Am Rathaus soll eine Begegnungszone entstehen. Foto: OD

Ein Blickfang soll ein Wasserspiel mit dem Stadtwappen sein. Zudem will man die Verbindung zwischen dem Rathausplatz und dem Büchelturm, dem Wahrzeichen der Stadt, in die Umgestaltung des gesamten Areals einbeziehen.

Die beiden St. Vither Erwin Kirsch und Albert Sonkes kritisierten die Pläne der Mehrheit als „unsinnig“ und erhoben Einspruch. Auf 15 Seiten erläuterten die beiden Gegner des Projekts, was ihnen an den Plänen stört.

„Es wird alles von der Hauptstraße bis zum Büchelturm weggerissen, um eine neue Landschaft zu kreieren. Das finden wir doch etwas übertrieben, weil die ganze Fläche vom Rathaus inklusive Zugang noch intakt ist“, so Albert Sonkes im BRF.

Wasserspiel überdimensioniert?

Derweil appellierte Erwin Kirsch an den gesunden Menschenverstand des Bürgermeisters und aller Verantwortlichen, das Projekt nochmal auf den Prüfstand zu nehmen: „Es wird so viel Geld hier verschleudert. Wir würden uns wünschen, dass die Verantwortlichen sich – eventuell auch mit uns – nochmal an einen Tisch setzen und fragen: Was kann man hier anders machen?“.

Der Rathausplatz heute (Bild wurde am Dienstagabend nach Einbruch der Dunkelheit gemacht). Foto: OD

Vor allem das geplante Wasserspiel mit Stadtwappen ist dem Duo Sonkes-Kirsch ein Dorn im Auge, weil überdimensioniert. Die vorgesehene Größe entspreche der Fläche eines Appartements von 90 Quadratmetern. „Man könnte fast ein kleines Einfamilienhaus darauf errichten“, so Sonkes.

Es wurde jedoch schnell klar, dass die Mehrheit im St. Vither Stadtrat keine große Lust verspürte, die Planungen noch einmal auf den Kopf zu stellen. Bürgermeister Krings erinnerte in diesem Zusammenhang an das, was bisher zum Thema „Neugestaltung Rathausplatz“ alles unternommen wurde.

Derweil beschuldigte Erwin Kirsch den Bürgermeister, die Unwahrheit gesagt zu haben, was Krings jedoch nicht auf sich sitzen lassen wollte: „Ich finde es nicht in Ordnung, dass man mich als Lügner darstellt. Es ist nicht fair, wenn mit solchen Mitteln gearbeitet wird.“ Fortsetzung folgt? (cre)

  1. Es ist das gute Recht das da nachgefragt wird…nur:Das hätte da ja wohl etwas früher geschehen sollen..
    Es ist ja nicht irgend etwas ‚vertuscht‘ worden…war doch alles öffentlich zugänglich…
    Jetzt noch zu kommen und zu reklamieren…ist schon merkwürdig…

  2. Franz-Josef Heinen

    In einer kleinen Stadt wie Eupen oder St. Vith sollten sich alle aktiven Kräfte zusammensetzen und gemeinsam etwas Sinnvolles gestalten. Am besten ohne Emotionen und in gegenseitigem Respekt. Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge von Fachleuten wie Erwin Kirsch oder Abi Sonkes, mit denen ich befreundet bin, sollten zumindest ernsthaft und ohne Vorurteile besprochen und nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Bei diesen Summen, die Rede ist ja von ca. 800.000 €, sollte man sich auch nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Und es geht schon gar nicht um beleidigte Leberwürste oder persönliche Eitelkeiten. Es geht schlicht und einfach um das Geld des Steuerzahlers. Und wie wäre es, wenn man etwas von diesem Geld in die Hand nähme, um den Büchelturm für Ostbelgier und Touristen zugänglich zu machen, vielleicht am Wochenende oder während der Schulferien? Was nützt der schönste Weg zum Büchelturm, wenn man dann vor einer verriegelten Tür steht? Ich hoffe sehr, dass meine Heimatstadt den zentralen Platz bekommt, den sie verdient!!

  3. Ich denke eine solche Veränderung eines zentralen Platzes sollte schon mit der Bevölkerung geplant werden. Vielleicht habe ich den GE Artikel ja zu schnell und zu oberflächlich gelesen, aber irgendwie hatte ich den Eindruck dass die Bevölkerung nicht wirklich in die Planung eingebunden wurde.
    Eine Planung innerhalb einer politischen Formation und einigen Anliegern kann hier nicht genügen und eine Informationsversammlung (nichts kann mehr geändert werden) ist dann doch ziemlich dürftig.
    Eines wird aber wieder deutlich : Projekte werden viel teurer nur damit man in den Genuss von Zuschüssen (DG oder EU) kommt, was aber auch unsere Steuergelder sind.

  4. standpunkt

    Was ich an der ganzen Sache nicht verstehe: Im G-E von gestern stand:
    „Wenn der Platz nicht barrierefrei gestaltet wird, gehen 841.000 Euro Zuschüsse verloren.

    Krings weist darauf hin, dass die Anpassung des Platzes an barrierefreie Normen eine Bedingung der Zuschussgenehmigung seitens der DG für die Rathausrenovierung ist. „Wenn wir den Vorschlägen von Erwin Kirsch und Albert Sonkes folgen würden, müssten wir auf Zuschüsse in Höhe von 641.000 Euro seitens der DG und 250.000 Euro seitens der Wallonie verzichten.“ In diesem Zusammenhang könne man angesichts der vorgeschriebenen Normen nicht von einer „schrägen Landschaft“ auf dem Rathausplatz sprechen. Es seien alles übliche und normale Gefälle, wie sie bereits überall in der Stadt zu finden seien.“

    Also das Projekt kostet ungefähr 800000€ und falls der Eingang, momentan ist eine Rampe vorhanden und somit behindertengerecht ) nicht behindertengerecht neugestaltet wird, werden Zuschüsse von 641000€ seitens der DG und nochmals 250000€ von der WR nicht gewährt.

    Wenn das so stimmen sollte(rein rechnerisch schon schwierig), verstehe ich das Gemeindekollegium. Aber was ist das wieder für eine Bestimmung der DG. Sie treiben die Gemeinden somit zur Verschwendung .
    So ist das hier in Belgien:
    Die Gemeinde erhält Zuschüsse unter gewissen Vorlagen( die sehr Anspruchsvoll sind)….sie beantragt den Zuschuss bei der DG und WR. und somit scheint das Projekt für die Gemeinde im Endeffekt billig.
    Die DG wiederum (und auch hol ich an die WR) erklärt den Wählern, dass das nur 0,….% des Haushaltes ist und somit ihn nicht belastet.
    Die DG fordert anderseits den Föderalstaat um mehr Subsidien, usw… und erklärt uns ,dass das Budget in der DG fast ausgeglichen ist.
    Nun hat jeder seins bekommen….und upps was ist passiert: Der Föderalstaat hat immer mehr Schulden, Ausgaben….und dreimal dürft ihr raten wer am Ende der Leidtragende ist.
    Die höchsten Abzüge vom Lohnzettel, niedrigste Pensionen, höchste Stromkosten,…sogar ist Belgien das einzige Land in Europa was an Kaufkraft im letzten jahr verloren hat.

    • Gute Aufklärung von Ihnen, Standpunkt! So ist das nun mal hier in Belgien! Alle die Stufen von Ihnen auf gezählt, müssen die da sein!? Wenn da schon mal gesäubert würde, von oben herunter, dann wäre vieles viel einfacher! Deren Rechnungen sind der massen verwirrend, und immer nur ein paar Prozentchen. Auch die Löhne „der Vorrechner“ das sind doch nur ein paar kleine %, was regt ihr euch auf, nicht der Mühe wert das alles!? Aber damit hat sich der gewaltig hohe Schuldenberg auf gebaut den unsere Enkel noch mit abtragen müssen! Aber unsere „Verursacher“ haben sich und ihre Familien fürstlich versorgt, bis ans Lebensende! Während dessen können wir in die Sterne gucken. Ungerechtes Land und Politik die zu nichts taugt. Nur die Bürger abzocken.

  5. Der Zuschuss der DG bezieht sich auf die Rathausrenovierung und nicht auf den Platz. Die DG hat der Gemeinde den Zuschuss für das Rathaus nur gewährt, im Hinblick auf die barrierefreie Neugestaltung des Platzes.

  6. Fakt ist einfach folgendes :
    Man schmeißt mit oeffentlichem Geld in S.V. nur so um sich.
    Und die heutige Rechtfertigung eines jeden einzelnen Fraktionsmitgliedes im Grenz Echo ist einfach nur lächerlich !

  7. Es wäre mal sinnvoller die Bevölkerung zu fragen was Sie von den Projekten halten !!!
    Schon allein jedes Jahr die Versiegelung der Hauptstrasse der Bürger kann blechen.
    Ob Immobilien-Müll Steuer Führerschein in allem ist St.Vith die teuerste Gemeinde

  8. Die Gestaltung des neuen Rathausplatzes ist in Sankt Vith nicht das große Streitthema. Es wurde nur von einigen zum großen Streitthema hochstilisiert. Das sieht man hier im Forum. Die Zahl der Kommentare hält sich in Grenzen.

    • standpunkt

      Ich glaub die Zahl der Kommentare hält sich dadurch in Grenzen, weil der Bericht in OD doch sehr spät veröffentlicht wurde und ausserdem sehr kompakt. Eine Woche vorher waren in den anderen Medien schon alles berichtet….sehr ausführllich. Da läst die Wirkung eben nach.

      Aber umso besser. OD ist aber auch mehr fixiert auf die AS und Eupen , da kommen auch eher die Leser von OD her.

  9. Erwin KIRSCH

    @FRIEDHELM: (Wer persönliche Kritik übt, sollte sich zu erkennen geben!)
    Vor ca. 18 Jahren hat unser Designer-Büro in Zusammenarbeit mit Guido Keller (concept.lu) als Projektautoren die heutige Haupt- und Malmedyer Straße mit den anliegenden Plätzen gestaltet. In mindestens 4-5 öffentlichen Vorbereitungsversammlungen haben wir Gestalter uns damals die Wünsche der Bevölkerung angehört und in das Projekt eingebunden.
    Mit etwas Stolz können wir heute behaupten, dass uns die Neugestaltung gelungen ist und diese dafür seit Jahren viel Anerkennung aus allen Bevölkerungsschichten erfahren hat.
    Deshalb dürfen Sie mal beruhigt davon ausgehen, dass ich auch heute noch etwas von Gestaltungen im urbanen Bereich verstehe.

    @SANKT VITHER: (Wer persönliche Kritik übt, sollte sich zu erkennen geben!)
    Im aktuellen Fall ist gar kein Neid im Spiel. Wir haben unsere Kapazitäten verlagert und sehen uns heute nicht imstande, ähnliche Gestaltungsaufträge, wie vor 18 Jahren, durchzuführen. Fest steht aber, dass mein Freund Architekt Abi Sonkes und ich niemals diese heutigen amateurhaften Entwürfe des Bürgermeisters und seines Bauamtsleiters umgesetzt hätten. So wenig erkennbaren Bedarf im Werte von 2 Einfamilienhäusern, hätten wir als Planer nie verantworten können. St.Vith hat wahrhaftig Besseres verdient.
    Ehre gebührt dem Landschaftsplaner, der dieses Projekt vor Jahren aus ähnlichen Gründen abgesagt hatte.

    @FRANZ-JOSEF HEINEN:
    Du kannst Dir denken, dass Abi und ich zu den aktiven Kräften gehören, die im aktuellen Fall (kostenlose) Gesprächsbereitschaft öffentlich angeboten haben. Mal sehen…
    Was nicht ist, kann hoffentlich ja noch werden.

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