Nachrichten

Große Mehrheit hält das politische System in Belgien für gescheitert

Kaum noch Vertrauen in Politik und Parteien: Die föderale Regierung von Premierminister Charles Michel (Bildmitte) nach ihrer Vereidigung im Oktober 2014. Foto: Belga

20 Jahre nach der ersten großen Recherche über die Gesellschaft in Belgien unter dem Titel „Noir Jaune Blues“ im Auftrag von RTBF und Le Soir ist diese Untersuchung neu aufgelegt worden und liefert ein erschreckendes Ergebnis: Das politische System in Belgien und die Institutionen des Landes haben dramatisch an Vertrauen eingebüßt.

63% der Befragten erachteten das heutige politische System Belgiens für gescheitert. Das Vertrauen in die Institutionen ist in den letzten 20 Jahren dramatisch gesunken. Dies gilt insbesondere für das Vertrauen in die Politik, hauptsächlich die Parteien, aber auch für Justiz, Kirche, Staatsdienst… Europa hat erheblich an Vertrauen verloren (von 47% auf 9%).

Die Titelseite von Le Soir von diesem Montag, dem 9. Januar 2017.

Eine Mehrheit sprach sich im Rahmen dieser großen Untersuchung für eine „starke Führung“ (pouvoir fort) aus, was jedoch nach Ansicht eines Soziologen, dessen Institut die Recherche durchgeführt hat, nicht unbedingt bedeuten muss, dass die Menschen eine autoritäre Führungsfigur herbeisehnen. Vielmehr möchten sie ein System haben, auf das sie sich verlassen könnten.

Trotzdem fällt auf, dass zum Beispiel 45% der Befragten die harte Vorgehensweise des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban gegen Flüchtlinge billigen. Zudem hat in unserem Land die Islamfeindlichkeit mit der Zeit deutlich zugenommen.

Der Recherche liegen zwei große Umfragen zugrunde: Die erste Umfrage wurde vom 15. September bis zum 30. Oktober 2015 bei 2.344 Personen durchgeführt, die zweite unmittelbar nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 sowie zwischen dem 20. August 2016 und dem 20. September 2016 bei 2.390 Personen. Insgesamt wurden also 4.734 Personen befragt. (cre)

    • Marcel scholzen eimerscheid

      Stimmt. Ein voller Bauch klagt, aber ein leerer meutert. Und das kann passieren. Es gibt genug historische Beispiele. Und bei dem Realitätsverlust, der in der Politik herrscht, könnte dies in den nächsten Jahren passieren.

      • Werter Herr Scholzen,

        Solange die Revolution, zur Belustigung der Vielgeschmähten, nur in den Foren stattfindet wird sich nichts ändern.
        Wenn allerdings der Mehrheitsführer Réalité sich endlich aufrafft und seine Partei gründet werden wir alle unser blaues Wunder erleben. Wir müssen nur fest dran glauben. Aber irgendwann müssen wir ja alle dran glauben.

  1. Marcel scholzen eimerscheid

    Warum sollten die Menschen einem System vertrauen, das ihnen ständig neue Lasten aufbrummt ohne gleichzeitig „Licht am Ende des Tunnels“ zu sehen. Seit Jahrzehnten folgt eine „Sparmaßnahme“ der anderen. Und jedes Mal verklickern uns die Damen und Herren Politiker, es diene dem Wohl der Allgemeinheit und sei für eine bessere Zukunft. Da lachen ja die Hühner. Das einzige, was passiert ist, dass das Staatsgefuege noch komplizierter wird, das noch mehr hochzahlte Funktionäre eingestellt werden. Aber fast ausschließlich in Verwaltungen und nicht dort, wo es Sinn macht wie zum Beispiel in Krankenhäusern (Pflegepersonal) oder bei Polizei und Armee ( Sicherheit). Ein gutes Beispiel ist da die Vergemeinschaftung der Kinderzulagen. Da wird neues Personal eingestellt von der DG anstatt das Personal vom Föderalenstaat zu übernehmen. Das belgische Staatsgefuege ist mittlerweile so kompliziert und unübersichtlich geworden, dass selbst Verwaltungsfachleute das ganze für zu kompliziert erachten.
    Was auch noch zusätzlich zum Vertrauensverlust beiträgt, ist die Tatsache, dass fast ausschließlich Akademiker Politik betreiben. Wer einen Bachelor oder Master und gute Beziehungen hat, kann es weit bringen ohne die geringste Berufs- und Lebenserfahrung. In der DG gibt es besonders viele Beispiele dieser Art bei allen Parteien. Kennen diese Menschen überhaupt noch die Lebenswirklichkeit der kleinen Menschen ohne böse Absichten zu unterstellen ? Dagegen hätten Handwerker und Arbeiter früher bessere Chancen eine politische Karriere zu machen. Werden heutzutage einfach nicht mehr ernst genommen. Hat dann die Stärkung der extrem linken und rechten zur Folge. Besonders die traditionelle Linke ist komplett gescheitert wie in Frankreich zum Beispiel.

  2. Alle klagen, sind aber Teil des Problems! Belgien ist ein kompliziertes Gebilde, ein Staat ohne Staatsvolk, ohne gemeinsame Sprache. Kulturell trennt Wallonen und Flamen mehr als sie verbindet (von den 70,000 „Beutebelgier“ von 1920 erst gar nicht zu sprechen). Dadurch wird jede politische Entscheidung zum ewigen Kompromiss und das System immer undurchschaubarer und absurder. Nur will keiner das wirklich ändern! Jede Volksgruppe achtet peinlich genau darauf dass der anderen kein gefühlter € mehr zukommt als man selbst bekommt. Einzig eine Bedrohung von außen kann ein Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugen. In Sachen Immigration und Terror sind Wallonen und Flamen sich einig, aber so bald es um Zuständigkeiten in Sachen Sprachengebrauch auf Formularen geht sind wir wieder im Kindergarten. Ein Kindergarten in dem auch die DG munter mit quengelt bis es wieder eine neue Zuständigkeit und neue Planstellen gibt; aber dann wird wieder los geschimpft….

  3. „Große Mehrheit hält das politische System in Belgien für gescheitert“

    Und wie sieht es in Deutschland aus? Jetzt tritt Gabriel gegen Merkel an, betreffend Kanzlerschaft.
    Schreck, lass nach! Der hat doch keine Chance.Somit ist der Sieg der derzeitigen „Cancelerin“ bereits amtlich! Das bedeutet:. beispielsweise keine Änderung in der Asyl-und Flüchtlingspolitik,in folge dessen ist weiteres Chaos vorprogrammiert; und Probleme aller Art werden von ihr ausgesessen. Wahrlich keine rosige Aussicht für die Billig-Republik. Vielleicht urteilt der deutsche Michel genau so wie die große Mehrheit der Bevölkerung in Belgien und erklärt dementsprechend das „Merkel-System „(ist ja das politische System in D) als gescheitert.

  4. @ Logisch, das stimmt!….wenn ich den guten alten Albert an der Frittenbude in Durbuy antreffe, beklagt der sich auch immer über die lächerliche Summe von 923000,– Euro….dabei hat er gerade eine Pommes verspeist, ohne Majo, nur mit meinem Senf, den ich ihm spendiert habe….

    • Fritte Martha

      Hallo, Alfred
      Erinnerst du dich noch an die gute, alte Zeit, da gab´s den Senf noch umsonst, Mayonnaise war Luxus und kostete extra. Bei Visé äjen Aunderstadt konnte man wählen: normale Majo oder hausgemacht! früher war doch alles besser, selbst für Frittenliebhaber wie unsereins.

  5. @ Fritte Martha, selbstverständlich erinnere ich mich noch an die gute alte Zeit….Vise äjen Aunderstadt befand sich da noch in der Haasstrasse gegenüber Tönnessen’s Hein (Fahrradflickerei!!! sowie hochwertiges Uhrenreparatur!!! Geschäft)….man könnte noch so vier erzählen….

  6. @ Fritte Martha, demnächst wird das politische System wohl vorerst in OB durch den bevorstehenden Karneval verdrängt….die Frittenbuden haben dann wieder Hochkonjunktur….und bis dahin erfreut uns ja auch noch so manche Kappensitzung….dazu fällt mir ein ehemaliger Witz der Gebrüder Scholl und Schöllchen (gestandene Unterstädter und über die Grenzen Eupen’s bestens bekannt) ein, den ich bis heute nicht vergessen habe. Also, ein Liebespärchen sitzt abends auf einer Bank zur Moorenhöhe….mit einbrechender Dunkelheit steigt auch der Mond so langsam auf….da sagt das Mädchen zu ihrem Liebhaber….wenn ich in Deine Augen schauh, dann seh ich den Vollmond in Wanne-Eikel….da sagt der Liebhaber….dat is nicht der Mond in Wanne-Eikel. dat is de Plät van Tönnesse Hein….

  7. In einem Facebook-Kommentar schreibt Oskar Schröder: „Die dringendste und notwendigste Änderung: die Kontrolle über das Kapital muss wiedergewonnen werden: Die Politiker sind zu Handlangern der Kapitaleigner geworden, und wir zu deren Sklaven.“
    Darauf eine Antwort von mir:
    Das stimmt! Und es wäre ja auch garnicht so schwer zu bewerkstelligen. Z.B. in der Euro-Zone sollte 1. Mario Draghi als Erstes die 80 Milliarden an monatlichem „EZB-Fiatgeld“ nicht mehr über die privaten Geschäftsbanken, sondern direkt an die Staaten für staatliche Dienstleistungen bzw. warum nicht für die Auszahlung eines individuellen bedingungslosen Existenzminimums „schöpfen“ und ausgeben. Das würde wesentlich zum Abbau der Staatsverschuldung der Euro-Mitgliedsländer und deren wirtschaftlich-soziale Stabilisierung beitragen. Dann könnte 2. jeder EU-Mitgliedstaat seine eigene nationale Währung schöpfen, d.h. schulden-und tilgungsfrei in den Wirtschafstkreislauf einbringen und zwar parallel zum Euro. Die EU-Ländern würden durch diese simplen Maßnahmen wirtschaftlich und sozial dermaßen aufblühen, dass sehr schnell alle Länder der Welt in denen das Kreditgeldsystem der privaten Systembanken Anwendung findet, und die also dadurch massiv verschuldet sind, sie würden dem EU-Beispiel folgen. Die Welt würde in kürzester Zeit wohlhabend, friedlich, umweltbewußt und in die Lage versetzt, die Klimaerwärmung zu stoppen durch eine Umstellung auf erneuerbare Energieformen. Es wäre so einfach, wenn es bloß dieses Heer an mitlaufenden Profiteuren nicht gäbe, die dem „1%“ zu Diensten sind …

    • Vieles von dem kann ich unterschreiben Herr Meyer.

      Auf die Frage wie man das politisch aktive diensttuende Personal des Großkapitals in die Wüste schickt habe ich bis heute keine Antwort gefunden, zumal man sich auf das Fußvolk heute nicht mehr verlassen kann.

  8. Natürlich. Wenn man sieht wie zBsp Di Rupo und Onkelinckkkkkkkssssssssssssssssssssss sich verhalten – wo sie doch das Land seit jahrzehnten zerstören!
    Ehrlich: Wen kann in Belgien, bzw. der DH wählen? PS? Nein. CSP? Nein. ProDG? Nein. PFF? Nein. Ecolo? Nein.

Hinterlasse eine Antwort

Desktop Version anfordern