Kultur

Kartheuser verliert knallharten Machtkampf mit Weykmans: „Krautgarten“ vor dem Aus?

Bruno Kartheuser. Foto: Gerd Comouth

Eigentlich wollte Bruno Kartheuser für seine Literaturzeitschrift „Krautgarten“ mehr Geld von der DG bekommen – jetzt aber wird für ihn gar kein Geld mehr fließen. Der knallharte Machtkampf  zwischen ihm und Isabelle Weykmans (PFF) endete zu Gunsten der DG-Ministerin.

„Krautgarten vor dem Aus“, titelte das Grenz-Echo. „Mit Inkrafttreten des neuen Kulturdekretes können sich Kulturvereinigungen um eine Anerkennung als Kulturproduzent, als Kulturveranstalter oder als regionales Kulturzentrum bemühen. Dazu musste bis zum 31. März dieses Jahres unter anderem ein Kulturkonzept eingereicht werden, das von einer unabhängigen Jury geprüft wurde“, erklärte Kulturministerin Isabelle Weykmans.

Isabelle Weykmans (hier beim Interview mit Grenz-Echo-Redakteur Christian Schmitz). Foto: OD

Isabelle Weykmans (hier beim Interview mit Grenz-Echo-Redakteur Christian Schmitz). Foto: OD

Diese Jury habe für die Regierung der DG nach Prüfung der Unterlagen ein Gutachten erstellt und eine Empfehlung für eine Anerkennung ausgesprochen. Im Fall des Agora Theaters, der Compagnie Irene K, des St.Vither Zentrums Triangel, des Kulturellen Komitees in Eupen, der Konzertreihe OstbelgienFestival und der Eupener Kulturvereinigung Chudoscnik Sunergia sei die Empfehlung des Gremiums positiv ausgefallen, im Fall von „Krautgarten“ aber nicht. Auch das von der Regierung beantragte Gutachten der Stadt St.Vith sei negativ gewesen, so die Ministerin.

Kartheuser: „Dressureinrichtung Kulturdekret“

Bruno Kartheuser, der verantwortliche Herausgeber des „Krautgarten“, hat diese Entwicklung offenbar kommen sehen. Die Zeitschrift sei zunehmend über die „Dressureinrichtung Kulturdekret“ in die Enge getrieben und „zum Abschuss präpariert worden“, sagte er dem Grenz-Echo. Das Gutachten sei so ausgefallen, „wie der zahlende Auftraggeber, die Regierung, es sich wünschte: eine totale Verkennung und Abkanzelung der Literaturarbeit des ‚Krautgarten‘ seit 33 Jahren.“

Die Literaturzeitschrift "Krautgarten".

Die Literaturzeitschrift „Krautgarten“.

Wie es jetzt weitergeht mit der Literaturzeitschrift, ist noch unklar, zumal Ministerin Weykmans Kartheuser noch ein Türchen offen ließ: „Für 2015 wird es keine strukturelle Unterstützung der Vereinigung geben, das heißt aber nicht, dass ’Krautgarten‘ der Zugang zu anderen Finanzierungsmöglichkeiten, die das Kulturdekret vorsieht, versperrt ist.“

Bruno Kartheuser hatte eigentlich nicht damit gerechnet, dass Isabelle Weykmans nach den Wahlen vom 25. Mai weiterhin Kulturministerin der DG sein würde. „Mit den Wahlen am 25. Mai 2014 wird auch die glücklose Eupener Kulturministerin von der Bühne abtreten, und die ostbelgische Kulturwelt aufatmen. Damit enden zehn Jahre Fehlleistungen und Fühllosigkeit gegenüber einem Bereich, der maßgeblich die Kulturautonomie für die (damals) 63.000 Deutschsprachigen (von 9 Mio Belgiern) begründet hat und dennoch die am meisten vernachlässigte Materie geworden ist“, schrieb er im November 2013.

Überhaupt, mit der liberalen Ministerin ist der Kulturschaffende aus Neundorf nie klar gekommen. Dass Weykmans 2004 Ministerin geworden sei, schrieb Kartheuser mal, sei eine „Schnapsidee“ von einigen führenden PFF-Politikern gewesen. (cre)

  1. Ach Harald, mal ehrlich: So unrecht hat der Herr Karthauser ja nicht mit seinen Aussagen zur Ministerin.

    Fakt ist, wer hier in der DG aufmuckt, aneckt, kristisiert … wird über kurz oder lang mundtot gemacht. Schön brav auf Linie bleiben, sonst gibt’s auf die Finger.

    Gerade eine gesunde Demokratie braucht diese Querdenker, Anecker, Andersdenkende, Gegen-den-Strom-Schwimmer…
    Aber, ach ja, unsere Demokratie ist schon seit langem nicht mehr gesund…

    • Subjektiv an sich

      Per Definition kann ein Kommentar nicht objektiv sein, da er von einem… Subjekt geschrieben – also „subjektiv“ per se ist.
      Und was sollte denn objeḱtiv sein? PROpaganda FÜR die Macht, oder für den Aufständischen? Ihr… Kommentar ist einfach lachhaft.

  2. Regimekritiker

    Tja, Bruno, das war ja zu erwarten: Man kann nicht von einem Regime finanzielle Unterstützung erwarten, um es mit dem Geld kaputtzuschreiben. Entweder änderst du dich zum Hofberichterstatter. Oder du bleibst Kritiker, machst dich aber unabhängig vom Regime.

  3. Herr Kartheuser hat in einer Sache Recht: das Kulturdekret honoriert nicht, was der Krautgarten in 33 Jahren gemacht hat – sondern dass, was er aktuell macht und künftig zu machen gedenkt. Das Dekret geht dabei davon aus, dass ein von öffentlichen Geldern subventionierter Kulturbetrieb auch einen Mehrwert darstellt für diese Öffentlichkeit. Das ist schwer mit Zahlen zu belegen – daher wurden „Zuschauer“ im weitesten Sinne als „Messgrösse“ hinzu gezogen. Kultur kann viel – aber nur dann, wenn sie auch vermittelt wird (und Zuschauer hat). Auch dieser Punkt ist ein Mindestkriterium. Beidem genügte der Krautgarten laut GrenzEcho nicht.

    Die Kollegen des GrenzEcho schreiben auch, dass der Krautgarten sich geweigert hat, Dokumente einzureichen. Welche Behörde zahlt denn öffentliche Gelder aus ohne Vorlage entsprechender „Belege“, dass die Gelder für den Verwendungszweck genutzt werden???

    Last but not least: zu allen Konzertierungen war der Krautgarten eingeladen. Nur ein mal (in Worten: ein) war ein Vertreter anwesend. Es gab nur eine Frage dieses Vertreters: ist eine Lesung eine anzurechnende Aktivität? Antwort: ja.

    Das fand ich persönlich großzügig. Denn: bitte vergleichen. Ein Tag „Eupen Musik Marathon“ ist auch eine Aktivität. Mit dem feinen Unterschied, dass Aufwand und Risiko ein wenig umfangreicher sind…

    • Erstaunlich, Mitarbeiter des Ministeriums engagieren sich ehrenamtlich UND haben eine eigene Meinung. Und sie schreiben auch noch unter Klarnamen. Skandalös! Oder blöd.

      Ich engagiere mich ehrenamtlich in der Kultur und ich war als Privatperson bei allen Konzertierungen anwesend.

      Es regt mich auf, wenn nun alle Kulturbetriebe, die ihre Arbeit machen und Ihre Hausaufgaben, die sich um Zuschauer bemühen und um Kulturvermittlung, die sich soziokulturell engagieren – wenn die jetzt alle angepasst sein sollen, weil einer meint, es stehe ihm per Selbstdefinition auch so zu? Einer grölt und alle applaudieren. Das ist für MICH PERSÖNLICH weder kritisch noch querdenkend…

  4. Ohne Isabelle Weykmans von jeglicher Schuld freisprechen zu wollen. muss ich sagen: Bruno Kartheuser hat es einfach übertrieben. Solange er die Tatsache kritisierte, dass der Krautgarten nicht genügend Unterstützung seitens der DG bekam, konnte man ihm folgen, ohne deshalb mit seiner Meinung einverstanden zu sein. Dann aber hat er den Bogen überspannt, indem er Ministerin Weykmans sehr persönlich angriff und behauptete, die könne nichts und sei nur aufgrund einer Schnapsidee zur Ministerin geworden. Das geht natürlich nicht.

      • @R.A. Punzel: Wenn Herr Kartheuser mit seiner Aussage über Frau Weykmans richtig liegen sollte, dann kann er das denken. Er kann es auch sagen oder schreiben, aber dann muss er nicht erwarten, dass die Ministerin sagt: „Herr Kartheuser, Sie haben völlig Recht, das mit mir als Ministerin war eine Schnapsidee, ich erhöhe den Zuschuss für Ihren Krautgarten…“

  5. Es ist natürlich schade, denn ohne Kartheuser ist der Kuturbetrieb in der DG natürlich 100% regimefreundlich und angepasst… Isabelle Weykmans braucht sich keine Sorgen zu machen. Die Kulturschaffenden sind „auf Kurs“, da kann nichts mehr schieflaufen…. Aber wie gesagt, das hat sich Kartheuser selbst eingebrockt. Leider.

  6. Mal ehrlich: Wie wäre es mal, wenn der Quasi-ein-Mann-Betrieb Krautgarten sich mal ein wenig selbstkritisch betrachten würde? Hat er es nötig, als professionelle Einrichtung bezuschusst zu werden, sich also von Steuergeldern (unser aller Geld) abhängig zu machen?

    Er kann ja Meinungen vertreten, wie er will, doch wirklich unabhängig ist er nur dann, wenn er das mit eigenen Mitteln tut. Das kostet zu viel? Warum denn? Die eigene Privatmeinung hat doch keinen Preis, oder? Und wenn gewisse Hefte kaum Käufer finden, ja dann heißt das doch nur, dass das Publikum dafür entsprechend klein ist.

    Klar, dass man dann „drauflegen“ muss. Geld würde ja auch fließen, aber das Einhalten elementarster Regeln, die völlig unabhängig von verbreiteten Ansichten sind, gehört doch wohl zu dem Minimum, das man erwarten darf und einfordern muss. Wenn Herr Kartheuser Geld blanco auf die Hand erhalten will, dann muss er seine ach so wichtige Zeitschrift eben in einer anderen Region ansiedeln.

  7. Es ist hiermit wie mit vielem bei uns im Kleingliedstaate.

    Von allem ein bisschen….und von vielem zuviel…..!
    Bitte nicht falsch verstehen….nicht zu viel von allem!!

    Kultur soll und muss sein!Jedoch könnte man vieles bündeln und damit effizienter und Qualitativ besser machen ,vor allem übersichtlicher!

    Müssen wir da die ganzen Organisationen wie VHS,Akademie 50+,Raupe,Eiche,KAP und wie die Dinger wohl alle heissen,haben!?Einige darunter mit dem selben Angebot.
    Gewiss sind dabei auch solche die von anderen Organisationen geführt bzw. unterstützt werden!Macht da die eine der anderen nicht Konkurrenz!?Letzere muss sicher auch sein,aber auf unserm kleinen Boden gleich so viele,die auch noch das gleiche anbieten!?Ich vergass auch noch die vielen Ateliers die hier tätig sind…..

    Alle wollen sie natürlich Unterstützung!Dazu möglichst viel auch noch!
    Wo fängt die Regierung an mit dem Sparen,wenn Goldesel nix mehr hergibt!?
    Raten Sie mal??
    Die nächsten werden der BRF,Museen etc sein,usw…

    • @ Réalité

      Haben Sie sich schon mal überlegt was bleibt wenn wir die Vielfalt unseres Kulturbetriebes eindämmen? Richtig Einfalt!

      Einige dieser, von Ihnen genannten Organisationen sind Vereine ohne „Staatsbindung“ . Es sind meist Ehrenamtliche die es sich zum Ziel gesetzt haben Bildung oder Kultur unters Volk zu bringen. Würden denen die Subsidien entzogen werden können sie ihre Arbeit einstellen oder Kursgebühren aufrufen die keiner zahlen kann. Und die Ateliers? Nehmen wir mal das Atelier Irene K. Ich bin kein Freund des Balletts aber wissen Sie wie viele Kinder hier Spass an der Bewegung lernen, ihre Freizeit sinnvoll verbringen und von der Strasse sind? Wollen Sie das einsparen? Die vielen Sportvereine ( die ich auch zur Kultur einer Region zähle) deren Jugendarbeit von den Subsidien abhängen. Ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand, ohne Hilfe bei den Sport und Wettkampfstätten können die meisten Vereine dicht machen. Also, erst mal nachdenken. Dann, wo es sich lohnt, schimpfen.

  8. Um Kartheuser und den Krautgarten tut es mir nicht leid, soll er doch unabhängig weitermachen. Leid tut es mir um die, die noch Geld von der Weykmans bekommen. Es muss grausam sein, von der Weykmans gut gefunden zu werden und dann auch noch im Ruf der Regierungshörigkeit stehen zu müssen.

  9. Herr Kartheuer ist ein Dickkopf der eben gerne gegen den Strom schwimmt.
    Er soll sich gefälligst an Regeln halten genau so wie andere auch.
    Aber nein, für ihn müssen besondere Zuschussungskriterien geschaffen werden.
    Und auf Anfragen der Behörde reagiert der „Monsieur“ eben nicht. Aber im nach hinein Klamauk betreiben, das mag er!

    • AUFGESCHWOLLENER POLITBONZE

      @ SARTE SARTE Frusti ;Bruno ist absolut kein Dickkopf , er ist ein Gentleman von absolutem Format . Besorg Dir bei naechster Gelegenheit sein Buchband ; DIE ERHAENGUNGEN VON TULLE und schon wirst Du feststellen welche Hochbegabte Person dieser Bruno ist , an dessen FAEHIGKEITEN diese Ministerin mit ihrem Kabinettschef einen Teil abschneiden koennen .Im uebrigen wirst Du auch in diesem BAND feststellen , wie gut Bruno mit Frankreichs President Francois Hollande befreundet ist . An Brunos FAEHIGKEITEN kann mancher von diesen aufgequollenen Politbonzen sich ein BEISPIEL NEHMEN .

  10. Hätte HK eine entsprechend flexibles Rückgrat, dann wäre er heute „Künstler der DG“, hätte einen Scheck über 5000 € in der Tasche mit der Zusage der Ministerin, auch weiterhin in unbekanntem Umfang gefördert zu werden durch Aufkäufe u. andere Zuwendungen.

    So aber leert dieses Füllhorn sich über einen wallonischen Objektkünstler ohne sichtbaren Bezug zur DG.

    Auch das ist Kulturpolitik…

  11. Bruno Kartheuser fühlt sich scheinbar seit mehr als 50 Jahren wohl in der Opferrolle und manövriert sich immer wieder da hinein.
    Er hatte dieselbe Chancen wie alle anderen, er hat immer wieder das Querelantentum gesucht. Der Krautgarten könnte den ihm zustehenden Erfolg haben, aber da müsste der Kopf ausgetauscht werden.

  12. kraut und rüben

    Hand aufs Herz: Wie hoch war denn die Auflage des Krautgarten? Und wer hat ihn gekauft, geschweige denn gelesen und verstanden?
    Der Krautgarten war und ist ein Ladenhüter in den ostbelgischen Buchhandlungen.
    Ich freu mich schon auf das Lamento des Herrn K in den kommenden Wochen und Monaten. Sein Krautblatt kann man demnächst sicher für einen Euro auf dem Flohmarkt kaufen. Weiß aber noch nicht, ob es mir das wert ist….

  13. Heute stand im GE, dass die Subsidien für den „Krautgarten“ sich 2013 auf stolze 43.000 € belaufen haben.

    Auch wenn in Sachen Kultur Geld nicht der alleinige Maßstab der Dinge sein kann, so würde man doch gerne eine Antwort auf folgende Fragen haben:

    – Wie hoch ist die Auflage dieses Blattes?

    – Wie viel Exemplare werden tatsächlich verkauft? Zu welchem Preis?

    – Wird BK auch noch für andere Tätigkeiten (als Vortragsredner oder Buchautor) bezuschusst?

    Nur so könnte man einschätzen, ob die Aktivitäten von BK diese hohe Summe „wert“ sind.

    Ich habe jedenfalls in meinem Umfeld noch nie jemanden getroffen, der Abonnent oder Leser dieser Zeitschrift ist…

    Ein Blatt für einen kleinen elitären Zirkel?

  14. @Zaungast

    richtig geschrieben,Zaungast!

    Diese ganzen Zuschüsse wurden vor Jahren noch gut geheissen und breit verteilt wie der Kleingliedstaat noch in Milch und Honig floss!Da wurde das nicht so genau genommen!

    Diese Zeiten sind vorbei!Denn die Flocken werden knapper!
    Horrend so eine Summe!Frage mich mal wofür!?
    Weiss mich zu erinnern,dass der Herr Kartheuser bereits zu Zeiten des damaligen Ministers Schröder,nicht mit diesem auf einer Wellenlänge lag!

    Etwas an Eigenleistung ist sowieso heut zu Tage angebracht,selbst bei solchen Begünstigten!
    Da muss zu aller erst die Qualität mal eine Rolle spielen,wie bei allem……

  15. Irgendwie erinnert mich das an die verwirrten Jugendlichen, die mit „Deuschland verrecke!“ auf dem T-Shirt das staatlich geförderte Jugendzentrum besuchen.

    Und zur Freunschaft mit Hollande: Wer dabei hilft, den Mythos des französischen antifaschistischen Widerstandes zu stärken, der findet unter den Libken der Grande Nation vermutlich sehr viele „Freunde“. Das ist aber nur ein zeitgeistiges Phänomen.

  16. Wer sein eigenes Geld ausgibt, dem passiert so etwas nicht. Jedes Projekt welches jemand finanziert bekommt muss gefällig sein … Mann kriegt im Leben nichts geschenkt , sagte bereits meine Mama. Ist doch gar nicht schwierig zu verstehen oder ?

  17. Was ist von einer Ministerin,welche Ihren Job nur durch Frauenquote hat schon zu erwarten…

    Von Kultur keine Ahnung aber Hauptsache Millionen in Kloster und Schlachthof verballern und damit den hiesigen Unternehmern Konkurrenz machen…aber stimmt die zahlen ja nur die Steuern, damit man sich auf dem nächsten Empfang wieder den Pansch voll fressen kann…umsonst natürlich

Hinterlasse eine Antwort

Desktop Version anfordern