Leserbrief

Joseph Meyer: „Gott möge Belgien beistehen…!“

„Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Zinssätze für Staatspapiere gleich hoch geblieben wären“, so kommentierte Jean Deboutte, Direktor der föderalen Schuldenagentur, vor wenigen Tagen die Schuldensituation des belgischen Staates im Verlauf der letzten 6 Jahre.

Nun, man braucht sich den Horror nicht auszudenken, der wird nämlich zurzeit ganz real in Argentinien, im Umgang mit den argentinischen Schuldpapieren, vorexerziert!

Nach dem argentinischen Staatsbankrott in 2001 hatten US-Hedgefonds die praktisch wertlos gewordenen argentinischen Staatsobligationen für einen Äppel und ein Ei von privaten Investoren aufgekauft. Jetzt haben US-Gerichte, vor denen die Hedgefonds Klage eingereicht hatten, das Land Argentinien zur Zahlung des nominellen Wertes der Staatspapiere verurteilt.

Mit anderen Worten, ein Staat der bereits im finanziellen Würgegriff steckt, wird per Gerichtsbeschluss vollends ins Finanzdebakel hinein befördert.

Dieses gleiche Schicksal, und das ist nicht lustig, droht jetzt auch dem hoch verschuldeten Belgien, wenn – ja wenn! – wir solchen Leuten wie Jean Deboutte nicht auf die finanziellen Sprünge helfen! Das wäre dann „göttlicher“ Beistand: Belgien nimmt sein finanzielles Schicksal selber in die Hand, so wie es einem souveränen Staat gebührt, und „erschafft“ sein eigenes Geld – schuldenfrei!

15.8.2014 Joseph Meyer, St. Vith

17 Antworten auf “Joseph Meyer: „Gott möge Belgien beistehen…!“”

    • Joseph Meyer

      @Fritz Gardel
      Sie sind ein elender Feigling, anonym die Leute zu beleidigen!

      @nmm
      Ich glaube, hier besteht ein Missverständnis in Bezug auf die Definition von „Spekulant“:
      Die privaten Investoren, welche argentinische Staatspapiere gekauft hatten, wussten sehr genau, dass sie sich auf ein großes Risiko einließen, denn sie bekamen ja auch einen Wucherzins dafür. Wenn dann der betreffende Staat in die Zahlungsinsolvenz verfällt, dann hat dieser Spekulant normaler Weise eben Pesch gehabt! Das hatten sie ja auch alle eingesehen, und waren froh wenigstens noch einen ganz geringen Anteil durch den Verkauf an die Hedgefondsmanager zurückzubekommen. Und auch die Hedgefondsmanager sind das Risiko eingegangen, auch diesen geringen Einsatz zu verlieren. Vielleicht wussten die Manager der Hedgefonds aber schon im Voraus, dass sie die betreffenden US-Richter bestechen konnten…? Was sind das für Richter, die betrügerische Machenschaften per Gerichtsbeschluss legalisieren?! Für mich jedenfalls sind es ebenfalls Verbrecher! Hier geht es ja nicht um irgendwelche Aktienpakete, hier geht es um die Arbeitslosigkeit und das Elend von Tausenden argentinischer Bürger!

      @Marcel Scholzen
      woher Sie bloß schon wieder wissen, dass ich ein Fan von Argentinien sein muss…
      Wie käme ich zu dieser Ehre, ich kenne weder Land noch Leute.
      Was mich allerdings ärgert, und da haben Sie recht, Argentinien hatte sich von 2001 bis 2003 wirtschaftlich wieder recht gut erholt zum Einen weil der Staat keine Schulden mehr bedient hat und zum Anderen weil die nationale Währung, der Peso, in Eigenregie – siehe Silvio Gesell -zur Belebung der Binnenkonjunktur genutzt wurde. Dieses Modell hätte in der ganzen Welt Schule machen können, deshalb musste es von den Systembanken unterbunden werden, was ihnen ja auch gelungen ist, indem man Argentinien wieder in den Schoss der internationalen Finanzmärkte zurückgeholt hat…Das Ergebnis liegt jetzt vor und war absehbar.

      Mich interessiert viel mehr wie es mit Belgien weiter gehen wird! Die Staatsschuld steigt unerbittlich…, ESM und EU-Fiskalpakt werden unweigerlich den belgischen Milliarden-Beitrag einfordern…denn die EU-Mitgliedstaaten müssen ins Finanzchaos – siehe Argentinien – befördert werden, damit man sie auch politisch beherrschen kann, so sieht es doch aus – und das ist keine Verschwörungstheorie!

      Wie sagte Dirk Müller (Mr.Dax) so treffend:
      „Wir sind so dumm, dass uns die Schweine beißen!“

  1. Die Argentinier brauchen überhaupt nicht zu knatschen, haben sie doch die Anleihen nach amerikanischem Recht ausgegeben, weil ihnen nach argentinischem Recht keiner was geliehen hätte. Der böse Spekulant ist hier der argentinische Staat, der darauf spekuliert hat, wieder mal alle Kreditgeber übers Ohr hauen zu können, aber diesmal damit nicht durchkommt.
    Ich bin durchaus dafür, dass Argentinien seine Schulden überhaupt nicht zahlt, dann aber auch akzeptiert, niemals mehr Kredite zu bekommen, das wäre die beste Lösung.

  2. marcel scholzen (eimerscheid)

    @nmm. Sie haben recht. Im Gegensatz zu Argentinien hat man in Belgien eine noch halbwegs vernünftige Wirtschaftspolitik betrieben.

    Die argentinische Wirtschaftspolitik kann man nur noch als Schildbürgerstreich beschreiben. Ein Unternehmen wie BMW, das Autos importiert, muss dann genausoviel exportieren. BMW exportiert Reis. Einfach lachhaft, dass ein Autobauer Reis exportiert. Man hat den Bock zum Gärtner gemacht.

    Hier ein Link mit zusätzlichen Informationen :
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/deutschland-argentinien-im-wm-finale-zehn-fakten-ueber-den-gegner-a-980352.html

    Das Dr. Meyer so ein Fan der argentinischen Wirtschaftspolitik ist, hat damit zu tun, dass sein grosses Vorbild Silvio Gesell mal dort eine Zeitlang gelebt und gearbeitet hat. Aber zu dieser Zeit war Argentinien noch ein reiches Land, wo viele Europäer hin auswanderten.

  3. Auszug aus SPIEGEL ONLINE

    „Die Fußgängerzone von Buenos Aires ist ein berüchtigter Geldwechsler-Strich. Tief dekolletierte Frauen und geschniegelte Männer bieten den Passanten Pesos feil – zum illegalen Tausch gegen harte Auslandswährung. Seit die Regierung Kapitalkontrollen eingeführt hat, um den Devisenabfluss zu stoppen, kommen die Bürger kaum an Dollars oder Euros ran. Ergebnis ist ein Schwarzmarkt: Liegt der offizielle Wechselkurs bei 8,10 Pesos je US-Dollar, bringt der schwarz getauschte „Dólar blue“ rund 11,80 Pesos. Die Jagd nach Devisen hat einen guten Grund: Die Teuerungsrate des Peso beträgt gut 30 Prozent pro Jahr.“

    Ostbelgistan stände mit dem „Eifeltaler“ von Dr. Meyer genauso am $-Strich wie die Argentinier! Im Kleinen konnte man das vor dem Euro mit der D-Mark erleben; Wie bekommt man einen Belgier zum Bücken? Man lässt eine DM fallen….
    Erst die Kopplung des Bfr an die DM, und die daraus resultierende Unterordnung unter die Bundesbank, hatte den Franken zur DM bei 20,62 stabilisiert. In Valkenburg wurde damals in den Cafés gerne Gulden /DM zum Wechselkurs 1/1 genommen; alle ärgerten sich über die arroganten „DM-Prüsse“, aber die Geldscheine lies keiner liegen… Heute hat der € den Wechselkurstourismus im Grenzland verschwinden lassen, und Forderungen nach einer wertlosen Regionalwährung wie von Dr. Meyer unter’s Volk gebracht, machen uns nur ärmer. Belgien braucht eine solide Wirtschaftspolitik, dann gibt es auch keinen Probleme mit den Finanzen. Die neue Regierung macht mir dahingehend Hoffnung….

  4. “ Wie bekommt man einen Belgier zum Bücken?“

    Der DAX träumt sowas und Russland will er auch unterwerfen. Ja, was ist das denn für einer? Hat schon zweimal nicht geklappt und nach dem dritten Mal wächst Europa dann an der belgisch-polnischen Grenze zusammen.

    • Für allgemeine Dinge kann man Wiki gut verwenden:

      Ironie (griechisch εἰρωνεία eironeía, wörtlich „Verstellung, Vortäuschung“) bezeichnet zunächst eine rhetorische Figur (auch als rhetorische Ironie oder instrumentelle Ironie bezeichnet).[1] Dabei behauptet der Sprecher etwas, das seiner wahren Einstellung oder Überzeugung nicht entspricht, diese jedoch für ein bestimmtes Publikum ganz oder teilweise durchscheinen lässt. Sie kann dazu dienen, sich von den zitierten Haltungen zu distanzieren oder sie in polemischer Absicht gegen angesprochene Personen zu wenden.

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